Für die Beringung war ein sogenannter Horstbetreuer zum Nest bei Rastatt geklettert, hatte die Jungen begleitet vom Protest der Elterntiere in einen Sack gesteckt und am Boden mit den Ringen versehen. Danach wurden die Kleinen wieder nach oben befördert. Die Eltern, Mama Chronos und Papa Kepler, hätten das ganze Geschehen aus sicherer Entfernung beobachtet und nahmen danach die Versorgung der Küken wieder auf. Die kleinen schon gefiederten Fischadler sind noch auf Fütterung angewiesen. Mit etwa acht Wochen fliegen sie aus.
Im Jahr 2023 brütete mit den aus Sachsen-Anhalt stammenden Eltern nach mehr als 115 Jahren erstmals wieder ein Fischadlerpaar in Baden-Württemberg. Im ersten Jahr flogen Balbü und Kju aus, im zweiten Fuchur, Artax und Luna. Zum Nachwuchs im vergangenen Jahr kam es nicht, nachdem vermutlich ein Baummarder das Nest erklommen und leer geräubert hatte.
«Dramen im Nest gibt es immer wieder», sagte der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Wichtig sei, in Baden-Württemberg beim Artenschutz voranzukommen. «Angesichts des dramatischen Artensterbens ist der Fischadler-Nachwuchs ein toller Lichtblick mit einer Botschaft: Dranbleiben lohnt sich. Geduld, Leidenschaft und Ausdauer zahlen sich aus.»
Was aus den fünf Jungen der ersten zwei Jahre geworden ist, weiß Schmidt-Rothmund nicht. Ein Tier sei aus Spanien gemeldet worden. Wann sich ein zweites Fischadlerpaar im Südwesten ansiedeln könnte, ist ebenfalls ungewiss. Im Ortenaukreis und der Region um Offenburg habe sich kürzlich zwar ein zweites Paar herumgetrieben – ob es sich niederlässt oder weiterzieht, bleibe abzuwarten.