Südwesten (dpa/svs) – Nach den heftigen Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern arbeitet die Polizei die Vorfälle jetzt mit einer eigenen Ermittlungsgruppe auf. Gleichzeitig will Baden-Württemberg bei der Stadionsicherheit nachschärfen – und bringt mögliche Bußgelder für Vereine ins Spiel.
Die Polizei Mannheim hat die Ermittlungsgruppe «Campus Ludi» eingerichtet. Ihr gehören derzeit elf Beamtinnen und Beamte der Schutz- und Kriminalpolizei an.
Sie sollen die zahlreichen Vorfälle rund um das Pokalspiel umfassend aufarbeiten. Dazu werden unter anderem vorhandene Informationen sowie Foto- und Videoaufnahmen gesichtet und ausgewertet. Ziel ist es, Tatverdächtige zu identifizieren und strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen.
Auch Zeugen werden um Mithilfe gebeten. Die Polizei sucht Foto- und Videoaufnahmen von den Ausschreitungen und hat dafür ein Hinweisportal eingerichtet.
Parallel dazu hat Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel den sieben Clubs des Landes aus den ersten drei Fußball-Ligen ein Positionspapier vorgestellt. Darin geht es um «zehn Aktionsfelder für sichere Stadien».
Unter anderem sollen die Vereine ihre Einlasskontrollen verbessern, die Ordnungsdienste stärken und Pyrotechnik «wirksam» verhindern. Vor allem bei Hochrisikospielen sollen Sicherheitskonzepte konsequent umgesetzt werden.
Hagel will zudem eine neue Rechtsgrundlage schaffen. Verstöße und Vorfälle wie beim Spiel in Mannheim am 21. August könnten dann auch finanzielle Konsequenzen haben.
«Dazu gehört auch, dass wir jetzt eine Rechtsgrundlage dafür schaffen, damit künftige Verstöße und Ereignisse wie in Mannheim am 21. August auch finanzielle Folgen haben und ein Bußgeld verhängt werden kann», erklärte der Innenminister.
Bislang müssen Vereine für das Fehlverhalten ihrer Fans entsprechende Strafen vor allem an den Deutschen Fußball-Bund zahlen.
Eine Beteiligung der Clubs an den Kosten von Polizeieinsätzen bei Hochrisikospielen lehnt Hagel dagegen ab. Bremen ist bislang das einzige Bundesland, das ein solches Modell nutzt.
Hagel setzt stattdessen weiterhin auf die 2017 in Baden-Württemberg eingeführten Stadionallianzen. Dabei arbeiten Polizei, Vereine, Kommunen und Fanprojekte zusammen, um mögliche Risiken vor Fußballspielen frühzeitig zu erkennen.
Die Stadionallianzen sorgten laut Hagel für «weniger Gewalt, weniger Kosten, weniger Personal, aber mehr Sicherheit».
Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft begrüßt die Fortsetzung. Landesvorsitzender Dirk Preiß fordert allerdings, die Diskussion über Gebühren für zusätzliche Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen nicht aufzuschieben. Solche Gebühren seien «auch eine Frage der Gerechtigkeit».
Das DFB-Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern war von schweren Ausschreitungen überschattet worden. Das Spiel stand kurz vor einem Abbruch. Kaiserslautern gewann die Partie nach Verlängerung mit 1:0. Im ausverkauften Carl-Benz-Stadion kam es zu Krawallen, Pyrotechnik und einem Platzsturm. Rund 1.400 Polizeibeamte waren im Einsatz. 35 von ihnen wurden verletzt. Außerdem mussten 85 Zuschauer medizinisch betreut werden, acht kamen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus. Auch der DFB hatte nach dem Spiel eine Aufarbeitung angekündigt.