Tübingen (dpa/tk) – Als Berater sollte Boris Palmer die Bürokratie in Baden-Württemberg bekämpfen. Das ist erstmal vorbei. Im Netz werden Sex-Vorwürfe gegen ihn laut. Er weist diese zurück.
Wegen Vorwürfen sexualisierter Belästigung lässt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer sein Amt als Bürokratie-Berater der baden-württembergischen Landesregierung ruhen. Der 54-Jährige wies in einer Stellungnahme die Vorwürfe aber zurück. «Die Vorwürfe sind haltlos», schrieb Palmer in einer Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zunächst hatte die «Bild»-Zeitung berichtet.
Palmer schreibt weiter, er werde sein Ehrenamt für Staatsmodernisierung und Verwaltungsvereinfachung ruhen lassen, bis die Vorwürfe aufgeklärt seien. Aus dem Staatsministerium hieß es, dass Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) Palmer gebeten habe, das Amt ruhen zu lassen.
Palmer war zu Beginn seiner Karriere Landtagsabgeordneter und ist seit 2007 Rathauschef von Tübingen. Er war mal als möglicher Nachfolger des damaligen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) gehandelt worden, bevor er 2023 nach mehreren Skandalen bei den Grünen austrat. Beim linken Flügel der Öko-Partei gilt er vielen als rotes Tuch.
Der parteilose Oberbürgermeister ist eigentlich dafür bekannt, sich auch bei sensiblen Themen klar zu positionieren. Unter anderem hat ihn dies zu einem der populärsten Politiker im Land und häufigen Talkshow-Gast gemacht.
Zuletzt hatte sich Palmer offen für eine Rückkehr zu den Grünen gezeigt – auch durch seine politisch wie private Nähe zum neuen Ministerpräsidenten Cem Özdemir. Beide kennen sich seit vielen Jahren, Özdemir bezeichnete Palmer jüngst anlässlich seiner Hochzeit als Freund der Familie.
Nach der Landtagswahl wurde der 54-Jährige für die nächsten zwei Jahre beauftragt, als ehrenamtlicher Berater die Bürokratie in Baden-Württemberg zu bekämpfen. Bezahlt wurde Palmer dafür nicht, seinen neuen Job erledigte er zusätzlich zu seinem Amt im Rathaus.