Hockenheim (pm/dk) – Kurz vor dem Start des Glücksgefühle-Festivals auf dem Hockenheimring sorgt die zunächst ausgesprochene Absage von Alphaville für Wirbel. Jetzt rudert Mitorganisator Markus Krampe zurück, entschuldigt sich und lädt die Band wieder ein. Wie Alphaville reagiert, ist bislang unklar. Gleichzeitig startet das Festival mit Stars wie David Guetta, Ayliva und Mark Forster – und ist nahezu ausverkauft.
Alphaville um Sänger Marian Gold sollte ursprünglich am Freitag auf dem Hockenheimring auftreten. Die Band war zunächst ausgeladen worden, nachdem es bei früheren Auftritten politische Äußerungen gegeben hatte.
Die Festivalleitung hatte erklärt, dass die Bühne keine Plattform für politische Aussagen sein solle – unabhängig davon, ob diese von rechts, links oder aus einer anderen politischen Richtung kämen.
Nach Angaben der Veranstalter war Alphaville in diesem Jahr bereits bei zwei anderen Veranstaltungen zu Gast. Beim ersten Auftritt habe es zahlreiche politische Aussagen von der Bühne gegeben. Vor dem zweiten Auftritt sei deshalb ausdrücklich darum gebeten worden, darauf zu verzichten. Vor dem Glücksgefühle-Festival sei dieser Standpunkt noch einmal deutlich gemacht worden.
Nun hat Mitorganisator Markus Krampe die Entscheidung zurückgenommen.
„Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid“, sagte Krampe der „Bild“. „Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben, sie ist zu schützen.“
Krampe lädt die Band nun wieder ein, wie ursprünglich geplant beim Festival aufzutreten.
„Wir laden Alphaville ein, wie geplant Teil des Festivals zu sein“, sagte er. Dies geschehe „nicht als Zeichen eines Nachgebens, sondern als bewusste Entscheidung für das, was uns verbindet“.
Sein Wunsch sei es, die Aufmerksamkeit wieder auf die Musik und die Menschen vor und hinter der Bühne zu richten. Wie Alphaville auf die erneute Einladung reagiert, ist bislang unklar.
Alphaville hatte die ursprüngliche Entscheidung scharf kritisiert. Sänger Marian Gold machte die Absage in den sozialen Netzwerken öffentlich und sprach von einem „Maulkorberlass“.
Er bezeichnete die Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit als „absolut untragbar und erschütternd“.
Gold hatte sich zuletzt bei Konzerten unter anderem gegen rechtsradikale Tendenzen sowie für Freiheit, Toleranz und Demokratie ausgesprochen. Laut Bandmanager ging es bei den Diskussionen mit den Veranstaltern um Aussagen gegen rechts und für Demokratie.
Die Veranstalter hatten zunächst betont, es gehe nicht um die politische Haltung der Band, sondern ausschließlich um den Rahmen des Festivals. Die Besucherinnen und Besucher sollten dort den Alltag hinter sich lassen, abschalten und eine gute Zeit haben können.
Die Ausladung hatte zahlreiche Reaktionen ausgelöst – auch von prominenten Personen.
Auf Instagram und Facebook kritisierten viele Nutzerinnen und Nutzer die Entscheidung der Veranstalter. So hieß es etwa, „mit dem Rauswurf von Alphaville hätte man das Festival erst recht politisch gemacht“ oder „gegen Rechtsextremismus ein Zeichen setzen ist gerade jetzt so wichtig“.
In den Kommentaren wurde außerdem darauf verwiesen, dass sich auch andere Künstler im Line-up in der Vergangenheit politisch geäußert oder öffentlich gegen Rechts positioniert haben.
Dazu zählen unter anderem 01099, Zartmann, Mark Forster, Ski Aggu und Bausa, die sich auf unterschiedlichen Wegen – etwa auf Instagram oder bei Konzerten – gegen Rechts ausgesprochen haben.
Gleichzeitig stand Andreas Gabalier bereits wegen der mutmaßlichen Verwendung rechtsextremer Symbole in der Kritik.
Abseits der Diskussion um Alphaville stehen zahlreiche bekannte Künstler auf dem Programm des Glücksgefühle-Festivals.
Zu den Topacts gehören in diesem Jahr der französische Star-DJ David Guetta, Sängerin Ayliva und Popsänger Mark Forster.
Am Freitag stehen unter anderem Ayliva, Marteria, Scooter, Ski Aggu, Andreas Gabalier und Mia Julia auf dem Programm.
Am Samstag treten unter anderem David Guetta, Mark Forster, Jazeek, die No Angels, Culcha Candela und Max Giesinger auf.
Organisiert wird das Festival seit 2023 vom früheren Fußballnationalspieler Lukas Podolski und Musikmanager Markus Krampe.
Das Glücksgefühle-Festival findet vom 3. bis 6. September auf dem Hockenheimring statt.
Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Veranstalter rund 250.000 Besucherinnen und Besucher. Auch 2026 ist das Festival nahezu ausverkauft.
Nach Angaben der Veranstalter waren zuletzt weniger als 1.000 Tickets verfügbar. Tagestickets kosten aktuell ab 149 Euro.
Tickets für das gesamte Wochenende gibt es ab 259 Euro pro Person bei einem Gruppenticket für vier Personen.
Wer kein reguläres Ticket mehr bekommt, kann außerdem den offiziellen Resale nutzen.
Neu gestaltet wurde in diesem Jahr die Cloud 9 Stage. Mit einem zusätzlichen Sky Access Ticket können Besucher die DJ-Sets erstmals direkt von der Bühne aus erleben.
Das Ticket kostet 149 Euro für das gesamte Wochenende und kann nur zusammen mit einem regulären Festival-Ticket genutzt werden.
Neu ist außerdem das bargeldlose Bezahlsystem. Bezahlt wird auf dem Festivalgelände mit sogenannten „Glücks-Coins“, die auf dem Chip des persönlichen Festivalbands gespeichert werden. Guthaben kann bereits vor dem Festival online aufgeladen werden.
Auch abseits der Konzerte ist einiges geboten. Auf dem Gelände gibt es unter anderem einen XXL-Kettenflieger, ein Riesenrad und eine Zipline über den zentralen Bereich des Festivals.
Dazu kommen der Technobus, eine Motocross-Freestyle-Stuntshow und „Poldis Sports Club“.
Kostenlose Trinkwasserstationen soll es sowohl auf dem Festival- als auch auf dem Campinggelände geben.
Zutritt zum Glücksgefühle-Festival haben ausschließlich Volljährige. Kinder und Jugendliche dürfen auch in Begleitung ihrer Eltern oder anderer Erziehungsberechtigter nicht auf das Festivalgelände.
Mitgenommen werden dürfen unter anderem kleine Handtaschen, Bauchtaschen, Clear Bags bis DIN A4, Mobiltelefone, kleine Powerbanks und faltbare Flaschen bis 500 Milliliter.
Nicht erlaubt sind unter anderem größere Taschen, Essen und Getränke, Bengalos, Waffen, Selfie-Sticks, Sitzmöbel und Kameras mit Wechselobjektiv.
Für Besucher aus der Region Karlsruhe ist die Anreise auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Die S9 sowie zeitweise die S12 fahren ohne Umstieg von Karlsruhe zum Bahnhof Hockenheim.
Vom Bahnhof bis zum Festivalgelände sind es laut Verkehrsverbund Rhein-Neckar rund 30 Minuten zu Fuß.
Das Festival-Ticket gilt gleichzeitig als Fahrschein für Bus, Straßenbahn sowie RE, RB und S-Bahn im gesamten Gebiet des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar. Auf mehreren Verbindungen soll es zusätzliche Fahrten geben.
Wer mit dem Auto kommt, kann die offiziellen Parkplätze kostenlos nutzen.
Die Veranstalter empfehlen, vorher die Festival-App „Glücksgefühle Festival“ herunterzuladen. Darin ist das Nunav-Tool integriert, das Besucher über passende Routen zu den jeweiligen Park- und Campingplätzen führen soll.
Auf dem Festivalgelände selbst ist alles zu Fuß erreichbar. Von den weiter entfernten Campingplätzen C8 und C9 werden Shuttleverbindungen angeboten.