Minister Lucha: Neben Inzidenz werden auch andere Parameter wichtig

13. Juli 2021 , 06:00 Uhr

Seit Monaten schon warten Millionen von Menschen in Baden-Württemberg gebannt Tag für Tag auf die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz. Für Hotelbetreiber, Gastronomen und Schausteller ist die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche ebenso relevant wie für Eltern und Bürgermeister, Lehrer und Clubbesitzer. Denn von der Inzidenz hängt bislang ab, ob Corona-Lockerungen eingeführt oder ob die Zügel bei den Auflagen wieder angezogen werden. Dieses Primat der Infektionsmarke weicht zunehmend auf, weil sich immer mehr Menschen impfen lassen. Auch Gesundheitsminister Manne Lucha will sich mittelfristig davon lösen, dass Lockerungen und Beschränkungen allein die Inzidenz zur Grundlage haben. Der Grünen-Politiker baut auf die Relevanz anderer Daten.

Gesamtsituation wichtig

Die Sieben-Tage-Inzidenz könne auf Dauer nicht mehr der einzige ausschlaggebende Wert für Auflagen und Lockerungen sein, sagte Lucha. Der Blick auf die Gesamtsituation sei künftig umso wichtiger, wenn es um die Beschränkung von Freiheitsrechten gehe. Stark ins Gewicht fallen müssten auch die Impfquote sowie die Auslastung der Krankenhäuser und die Krankheitsverläufe. Lucha begrüßte die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Krankenhäuser zu einer detaillierteren Dokumentation der Daten zu den stationär behandelten Corona-Patienten zu verpflichten. «Je mehr Daten wir haben über den Schweregrad von Verläufen, Vorerkrankungen und Sterblichkeit, umso besser können wir die Gesamtlage bewerten», sagte Lucha. Neben der Belegung von Intensivstationen müssen laut Gesundheitsministerium künftig alle Krankenhauseinweisungen wegen Corona übermittelt werden, zuzüglich Alter, Art der Behandlung und Impfstatus der Patienten.

Letalitätsrate aussagekräftig

In Großbritannien zum Beispiel liege die Inzidenz vergleichsweise sehr hoch bei mehr als 300 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, argumentierte Lucha. Allerdings sei die sogenannte Letalitätsrate – also das Verhältnis der Anzahl der Covid 19-Todesfälle zur Anzahl neuer Infektionen – bei lediglich 2,5 Prozent. «Sie ist damit ähnlich niedrig wie in Deutschland, wo die Sieben-Tages-Inzidenz bei nur 6,4 liegt», sagte Lucha.

Kliniken melden mehr Details zu Covid-19-Fällen

Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Wochenende bekanntgegeben, dass die Kliniken künftig mehr Details zu Covid-19-Fällen melden sollen. Die Informationen zu Klinikaufenthalten sollen stärker in die Bewertung der Pandemielage einbezogen werden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht diese Pläne allerdings kritisch. Die Inzidenz der hospitalisierten Fälle sei ein wichtiger Indikator, hieß es zwar in einer Mitteilung. Eine Meldepflicht der Hospitalisierungen einzuführen, sei aber wenig hilfreich, weil die wichtigsten Punkte bereits an die Gesundheitsämter gemeldet würden, hieß es weiter. Man stehe für einen konstruktiven Austausch bereit, um die notwendigen Meldedaten zu erheben. «Doppelmeldungen und damit einhergehende bürokratische Mehrbelastungen ohne Erkenntnisgewinn sind aber zu vermeiden.» In Baden-Württemberg war der Inzidenz-Wert nach wochenlangem Sinkflug zuletzt an mehreren Tagen hintereinander wieder leicht gestiegen und hatte am Sonntag die Marke von 6,4 erreicht.

 

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