Karlsruhe (pm/dk) - Ein warmer Raum, ein sicheres Gefühl und eine feste Struktur im Alltag: Die Vesperkirche ist für viele Menschen in der kalten Jahreszeit weit mehr als eine Essensausgabe. Pfarrerin Lara Pflaumbaum erklärt im Interview, warum das Angebot so wichtig ist – und wie groß der Zuspruch aktuell ist.
„Vesperkirche bedeutet, dass wir unsere Kirche zur Verfügung stellen. Einen warmen Raum in einer kalten Jahreszeit“, sagt Pfarrerin Lara Pflaumbaum. Doch damit sei es längst nicht getan.
Es gehe darum, sicher sitzen zu können, nicht auf der Straße zu sein und gut zu essen. Dazu komme ein umfangreiches Angebot rund um die Mahlzeiten: Kulturprogramm, ärztliche Betreuung und viele niedrigschwellige Hilfen.
Inzwischen gibt es bei der Vesperkirche sogar Angebote wie eine Hundefriseurin oder einen Hörakustiker. Viele Programmpunkte entstehen, weil sich Menschen oder Firmen melden, die gerne etwas beitragen möchten.
Die Vesperkirche läuft bereits seit mehreren Wochen – und wird stark angenommen.
„Es läuft gut. Man könnte auch sagen, es ist natürlich schlecht, wenn viele Leute kommen. Aber es kommen viele Leute, weil es auch sehr kalt draußen ist“, so Pflaumbaum.
Gerade bei eisigen Temperaturen sei die Vesperkirche eine große Chance, sich täglich zu treffen und in Ruhe zu sitzen. Die Zahl der Gäste steige kontinuierlich. Das sei allerdings ein bekanntes Muster: Anfangs kommen weniger Menschen, später werden es immer mehr. Zusätzlich gibt es eine zweite Ausgabestelle in der Kriegsstraße 88.
Für Pfarrerin Pflaumbaum geht es längst nicht nur ums Essen.
„Ich glaube, es geht noch um mehr. Es geht auch darum, um eine Struktur des Alltags“, sagt sie.
Die Gäste hätten einen festen Rhythmus: ab 11 Uhr die warme Mahlzeit, danach bleiben viele sogar zur Andacht.
„Die sitzen da wirklich da und gucken: Wer kommt jetzt? Was bietet die Person uns jetzt an?“
Viele nehmen anschließend noch ein Vesperbrot mit. So sei der Abend weniger einsam und zumindest die Grundversorgung gesichert.
Die Vesperkirche findet bewusst nur im Januar und Februar statt.
Pflaumbaum betont, dass es wichtig sei, dass Menschen danach wieder selbst für sich sorgen:
„Sonst würde man total unselbständig werden.“
Angebote wie Kleiderkammer oder gezielte Hilfe bei Winterjacken seien wichtig, entsprächen aber nicht dem normalen Alltag. Genau deshalb sei die zeitliche Begrenzung sinnvoll.
Viele fragen sich, wie sie unterstützen können. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind bereits fest eingeplant und geschult.
Eine konkrete Möglichkeit gibt es dennoch: Kuchenspenden am Samstag. Diese werden am Sonntag ausgegeben, während es unter der Woche süße Stückchen gibt.
Kleiderspenden sind aktuell ausreichend vorhanden, hier gibt es eher Platzprobleme. Wer möchte, kann zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nachfragen.
Und natürlich freut sich die Vesperkirche über finanzielle Unterstützung, denn Essen, Organisation und Rahmenprogramm verursachen hohe Kosten.