Karlsruhe (dpa/dk) – Er ist Spielmacher, Führungsspieler und Identifikationsfigur: Marvin Wanitzek prägt den Karlsruher SC seit Jahren wie kaum ein anderer. Neben Trainer Christian Eichner ist der 32-Jährige die große Konstante beim Zweitligisten – und ein Beispiel für Vereinstreue im modernen Profifußball.
Als Marvin Wanitzek 2017 vom VfB Stuttgart II nach Karlsruhe zurückkam, hätte er selbst nicht damit gerechnet, welchen Weg er beim KSC gehen würde.
„Das hätte ich bei meiner Ankunft damals nicht für möglich gehalten“, sagt der heutige Kapitän rückblickend. Damals holte ihn der frühere Sportgeschäftsführer Oliver Kreuzer in den Wildpark – obwohl Wanitzek dafür auf viel Geld verzichtete.
Nach zwei Jahren in der 3. Liga gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Am Samstag stand für den gebürtigen Bruchsaler das 219. Zweitligaspiel für seinen Herzensclub an.
Wanitzek ist im KSC-Trikot längst mehr als nur der Spielführer. Er ist Fixpunkt, Regisseur und Gesicht des Teams.
„Es ist eine andere Art, für genau den Verein aufzulaufen, mit dem du als Kind selbst mitgefiebert hast“, sagt er. Als Kapitän trage er den Club „ein Stück weit auf den Schultern“.
In bislang durchweg positiven Jahren erzielte Wanitzek 60 Zweitliga-Tore und bereitete 61 weitere vor. Sein Vertrag läuft noch bis 30. Juni 2029, mindestens zwei weitere Spielzeiten will er nach der laufenden Saison noch beim KSC bleiben.
Sportlich hat sich Wanitzek kontinuierlich weiterentwickelt – besonders unter Trainer Christian Eichner und dem früheren Co-Trainer Zlatan Bajramovic.
„Das Trainerteam hat mich auf ein Level gehievt, das ich mir selbst früher nicht zugetraut hätte“, sagt Wanitzek.
Auch Eichner schätzt seinen Kapitän sehr. Der 43-Jährige bezeichnet ihn als „Topspieler der zweiten Liga“ und als „unfassbar wertvollen Charakter“. Beide wüssten, was sie aneinander hätten.
Wie nah Erfolg und Verantwortung beieinanderliegen, zeigte sich zu Beginn der Rückrunde. Beim 2:0 in Münster führte Wanitzek den KSC mit zwei Treffern aus einer Krise. Wenige Tage später leitete ein Fehler von ihm beim 2:2 gegen Hertha BSC den Ausgleich ein.
Heute geht er mit solchen Situationen gelassener um.
„Natürlich nervt es mich, wenn mir ein Fehler passiert“, sagt Wanitzek. Entscheidend sei aber die Verarbeitung: „Spätestens am Abend ist so etwas abgehakt.“
Seinen Weg zur Führungspersönlichkeit beschreibt Wanitzek als Lernprozess. Besonders geprägt habe ihn sein Vorgänger Jérôme Gondorf, der bis 2024 für den KSC spielte.
„Er war ein Leader, ein Gewinnertyp, oft auch unangenehm – aber genau das macht Spieler besser“, sagt Wanitzek.
Der Traum von der Bundesliga lebt bei Wanitzek weiter – bewusst mit dem KSC. Auch wenn es Möglichkeiten gegeben hätte, früher den Verein zu wechseln, bereut er seine Entscheidung nicht.
Geld habe für ihn nie im Vordergrund gestanden, sondern Spielzeit und Umfeld.
„Familie hier, kurze Wege, Freundeskreis, die Kinder wachsen mit Oma und Opa auf. Warum etwas aufgeben, wenn alles passt?“, sagt der Kapitän.