Lehrerverband fordert Konzept für Quereinsteiger an Schulen

04. Januar 2023 , 06:30 Uhr

Weil Zehntausende von Lehrkräften fehlen und Baden-Württemberg in den Bildungsstudien ordentlich Federn gelassen hat, fordert der Lehrerverband VBE Kompromisse in der Ausbildung der Pädagogen. Vor allem Quereinsteigern müsse der Weg ins Lehrerzimmer ermöglicht werden.

Lehrer fehlen an allen Ecken und Enden

«Es ist wichtig, sich von der Idee zu verabschieden, dass wir den Unterricht nur noch mit vollausgebildeten Lehrkräften absichern können, leider», sagte der Landes- und Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand. Studierende müssten zudem stärker unterstützt werden, um einen Abbruch des Lehramtsstudiums zu verhindern. «Wir können über die Variante Quereinsteiger oder Seiteneinsteiger relativ schnell Leute an die Schule bringen und den Lehrkräftebedarf ein wenig kompensieren», sagte der Verbandschef. Das werde zwar der Profession nicht gerecht. «Aber über den Schatten müssen wir angesichts der prekären Lage springen. Es wird nicht anders gehen, wenn wir den Karren nicht in die Grütze fahren wollen.»

Quereinsteiger nur eine Stellschraube

Zahlreiche Bundesländer bemühen sich zwar seit einigen Jahren, auch nicht traditionell ausgebildete Lehrkräfte für das Lehramt zu gewinnen. Ein Seiteneinstieg in den Beruf ist auch in Baden-Württemberg bereits möglich, es gibt aber wie in anderen Ländern auch hohe Hürden und zahlreiche Einschränkungen. Unter anderem werden sie nur in einzelnen Fächern und nicht in allen Schularten akzeptiert. «Angesichts der Lage müssen wir Schulen öffnen für Seiteneinsteiger, um die vorhandenen Lehrkräfte zu entlasten», forderte Brand. Bislang werde dies nur an Berufsschulen sowie an Gymnasien lediglich in den Fächern Physik und Informatik und unter bestimmten Voraussetzungen angeboten.

Quereinsteiger sind aus Sicht des VBE aber nur eine Stellschraube, an denen das Land drehen muss. «Wir haben Abbrecherquoten von 35 bis 50 Prozent im Studium, das können wir uns nicht leisten», sagte Brand. «Wir müssen versuchen, die Leute zu unterstützen, wenn sie sich für ein Lehramtsstudium entscheiden.» Möglich seien zum Beispiel mehr Tutoren, zinsfreie Kredite oder weitere Studentenwohnheime. «Wenn wir nur die Hälfte der Aussteiger halten können, haben wir relativ schnell deutlich mehr Personal zur Verfügung», rechnete Brand vor. Gemeinsam mit den gut ausgebildeten Seiteneinsteigern sei das zwar nicht perfekt. «Aber es wird viel besser sein als das, was wir jetzt haben.»

Streit mit Kretschmann

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte die Verbände zuletzt aufgerufen, nicht fortwährend neue Stellen zu fordern, sondern über Inhalte zu diskutieren. «Wir können uns die Lehrer nicht backen. Wir müssen daher wieder inhaltliche statt quantitative Debatten führen», hatte der Regierungschef gesagt. VBE-Chef Brand weist das zurück. «Die Zahl der Lehrkräfte ist der Dreh- und Angelpunkt», sagte er. «Über Inhalte lässt sich nur diskutieren, wenn wir eine ausreichende Zahl an Lehrern haben, die diese Inhalte vermitteln können.» Die Landesregierung habe es versäumt, rechtzeitig umzusteuern, obwohl seit vielen Jahren klar sei, dass an Schulen unter diesen Voraussetzungen vieles nicht mehr zu stemmen sei.

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