Baden-Württemberg (dpa/dk) – Mehr besetzte Stellen, aber trotzdem weiterhin viel Unterrichtsausfall: An vielen Schulen in Baden-Württemberg bleibt die Personallage angespannt. Besonders deutlich zeigt sich das laut einer aktuellen Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren.
Für die Umfrage hat der VBE vom 5. bis 9. Oktober Schulleitungen an Grundschulen, Schulen der Sekundarstufe I und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren befragt.
Insgesamt beteiligten sich 749 Schulen. Besonders angespannt ist die Situation an den SBBZ: Nur rund zwei Prozent melden eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent.
78 Prozent der befragten Leitungen geben an, bei höchstens 90 Prozent Unterrichtsversorgung zu liegen. Gut die Hälfte meldet bereits zu Beginn des Schuljahrs Unterrichtsausfälle.
Ein weiteres Problem ist laut VBE der hohe Anteil von Beschäftigten ohne Lehramtsausbildung.
62 Prozent der SBBZ geben an, dass dort Vertretungskräfte ohne Lehramtsausbildung unterrichten. An knapp jeder dritten dieser Schulen machen nicht originär ausgebildete Lehrkräfte rund 30 Prozent oder mehr des Kollegiums aus.
VBE-Chef Gerhard Brand kritisiert: „Ausgerechnet dort, wo Kinder und Jugendliche besonders intensive pädagogische Unterstützung benötigen, fehlen in erheblichem Umfang Lehrkräfte.“
Nach Einschätzung des VBE leidet die Sonderpädagogik schon seit längerer Zeit unter Personalmangel.
Gleichzeitig gebe es mehr Kinder mit Förderbedarf, etwa mit einer Autismus-Diagnose. „Da treffen zwei ungünstige Entwicklungen aufeinander“, sagt Brand.
Der Verband fordert deshalb, mehr qualifizierte Fachkräfte auszubilden und einzusetzen. Sonderpädagogik solle an allen sechs Pädagogischen Hochschulen angeboten und die Zulassungsbeschränkung abgeschafft werden.
Etwas besser sieht es an den Schulen der Sekundarstufe I aus. Dort geben inzwischen 34 Prozent der befragten Schulleitungen an, mindestens den vollen Unterrichtsbedarf abdecken zu können. 2024 waren es noch 25 Prozent.
Trotzdem fällt laut Umfrage an sechs von zehn Schulen in der Sekundarstufe I Unterricht aus. An Grundschulen sind es 37 Prozent, an den SBBZ 51 Prozent.
„Der Unterrichtsausfall bleibt nahezu unverändert hoch. Die teilweise bessere Personalausstattung kommt im Schulalltag zu wenig an“, sagt Brand.
An den Grundschulen erreichen unverändert rund 38 Prozent der befragten Schulen eine volle Versorgung.
Um fehlendes Personal auszugleichen, setzen viele Schulen auf Improvisation: 55 Prozent gleichen Engpässe durch Mehrarbeit aus, 42 Prozent legen Klassen zusammen. An drei von zehn Schulen helfen Pensionäre mit.
Der VBE fordert deshalb eine Personalversorgung von mindestens 110 Prozent, damit auch Krankheitsfälle, Fortbildungen und zusätzliche Aufgaben aufgefangen werden können.
Probleme gibt es laut Umfrage auch bei der Ganztagsbetreuung. Seit diesem Schuljahr gilt der Rechtsanspruch zunächst für Erstklässler.
Drei Viertel der befragten Grundschulleitungen halten unter den derzeitigen Bedingungen eine hochwertige Ganztagsbetreuung nicht für möglich. 71 Prozent nennen fehlendes qualifiziertes Personal als Problem, 63 Prozent unzureichende Räume.
Der VBE fordert deshalb unter anderem einen verbindlichen Qualitätsrahmen, Fortbildungen und eine bedarfsgerechte Finanzierung.