Baden-Württemberg (dpa/dk) – Die meisten Lehrer in Baden-Württemberg gehen gerne zur Arbeit. Trotzdem machen ihnen der zunehmende Stress, große Klassen und zusätzliche Aufgaben zu schaffen. Jeder dritte Lehrer befürchtet sogar, den Anforderungen des Berufs irgendwann nicht mehr gewachsen zu sein. Das zeigt eine neue Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa.
Trotz der vielen Herausforderungen macht den meisten Lehrkräften in Baden-Württemberg ihr Beruf Spaß. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) gehen 88 Prozent der befragten Lehrer gerne oder sehr gerne zur Arbeit.
Auch das Verhältnis zu ihren Schülern und Kollegen bewerten die meisten positiv. 97 Prozent sind mit der Beziehung zu ihren Schülern zufrieden, 93 Prozent schätzen das Arbeitsklima im Kollegium.
Den Lehrerberuf würden 61 Prozent der Befragten jungen Menschen weiterempfehlen. Rund ein Drittel (32 Prozent) würde dagegen eher davon abraten.
Während die Freude am Unterrichten groß ist, wächst gleichzeitig die Sorge um die Arbeitsbedingungen.
Ein Drittel der Lehrkräfte hat große oder sehr große Angst, den beruflichen Anforderungen irgendwann nicht mehr gewachsen zu sein.
79 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich die allgemeinen Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren verschlechtert haben. Fast zwei Drittel (64 Prozent) rechnen damit, dass sich die Situation in Zukunft noch weiter verschärfen wird.
„Die Motivation der Lehrkräfte ist keine unerschöpfliche Ressource“, warnt VBE-Landeschef Gerhard Brand.
Besonders kritisch sehen die Lehrkräfte die politischen Entscheidungen rund um den Schulalltag. 90 Prozent empfinden es als Belastung, dass die Politik bei ihren Entscheidungen die tatsächlichen Bedingungen an den Schulen nicht ausreichend berücksichtigt.
Daneben gibt es weitere Probleme, die den Arbeitsalltag erschweren:
Der Verband Bildung und Erziehung sieht angesichts der Umfrageergebnisse Handlungsbedarf.
VBE-Landeschef Gerhard Brand fordert, dass die Erfahrungen der Lehrkräfte bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.
„Wer über Schule entscheidet, muss die Bedingungen kennen, unter denen Lehrkräfte arbeiten, und ihre Erfahrungen ernst nehmen“, erklärt Brand.
Der Verband fordert deshalb unter anderem mehr Personal, zusätzliche Unterstützung durch Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen und eine spürbare Entlastung der Lehrer im Schulalltag.
Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen dem 28. September und dem 11. Oktober 2026 insgesamt 505 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg befragt.