Kretschmann verteidigt Corona-Beschlüsse und appelliert an jeden Einzelnen

27. August 2020 , 22:25 Uhr

Stuttgart (dpa/lk) – Angesichts der wieder steigenden Corona-Infektionszahlen hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann die neuen Corona-Regeln von Bund und Ländern verteidigt und an die Verantwortung jedes Einzelnen appelliert. Das Land stehe „an einer Wegscheide“, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag nach Beratungen der Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Infektionszahlen hätten ein gefährliches Niveau erreicht und drohten den Erfolg der ersten Jahreshälfte im Kampf gegen die Pandemie zu zerstören. „Das Virus macht keine Sommerpause, es ist immer noch da“, sagte Kretschmann.

Gemeinsam aufeinander achten

Die zweite Hälfte des Jahres werde nicht leichter werden als die ersten sechs Monate, warnte er in einer Video-Stellungnahme. Die Infektionszahlen müssten zwingend zurückgehen, um die Lockerungen der vergangenen Wochen nicht zu gefährden. Erfolgreich könne dieser Weg nur sein, wenn die Menschen auf sich und auf andere achteten. „Zusammenhalt ist unser größter Trumpf“, sagte Kretschmann. „Die Jungen tragen eine besondere Verantwortung für die Älteren und andere Risikogruppen.“

Erste Beratungen seit Juni

Die Ministerpräsidenten der Länder hatten am Donnerstag erstmals seit Juni mit Kanzlerin Angela Merkel über eine gemeinsame Linie im Kampf gegen die Corona-Pandemie beraten. Dabei hatten sich die Länder unter anderem darauf geeinigt, dass Großveranstaltungen bis 31. Dezember 2020 ausfallen und bei Verstößen gegen die Maskenpflicht ein Bußgeld von mindestens 50 Euro droht – überall abgesehen von Sachsen-Anhalt. Bei den umstrittenen Feierlichkeiten im Familien- und Freundeskreis hatten sie sich dagegen nicht auf bundesweit geltende Obergrenzen für Teilnehmerzahlen einigen können.

Stetig steigende Fälle

Die Zahl der seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten stieg in Baden-Württemberg auf mindestens 41.247. Das sind 283 Menschen mehr als am Vortag, wie aus Zahlen des Landesgesundheitsamtes vom Donnerstag (Stand: 16.00 Uhr) hervorgeht. Die Zahl der neuen Fälle steige seit gut einem Monat stetig. Auffällig seien viele jüngere Infizierte sowie viele Menschen, die sich vermutlich im Ausland infiziert hätten. In den vergangenen beiden Wochen hätten sich rund 58 Prozent der neuinfizierten Menschen wahrscheinlich im Ausland angesteckt. Zudem habe es mehrere kleinere familiäre Ausbrüche gegeben, die teils auch von Reiserückkehrern ausgelöst worden seien.

Heilbronn nahe an kritischer Marke

Heilbronn bleibt als einzige baden-württembergische Kommune über der kritischen Marke von 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage; ab diesem Wert gilt eine Vorwarnstufe. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Heilbronn liegt inzwischen bei knapp 39,6 Fällen pro 100.000 Einwohner. Nicht mehr allzu weit weg von diesem Wert ist Ulm (32,4).

Mindestbußgeld bei Maskenverweigeren

In Baden-Württemberg werde nun zwar wie in weiten Teilen Deutschlands auch ein Bußgeld von mindestens 50 statt wie bislang 25 Euro erhoben, wenn eine Maske nicht wie vorgeschrieben getragen wird, sagte Kretschmann. Allerdings will Bayern bei der deutlich schärferen Strafe von 250 bis 500 Euro in seinem Land zu bleiben. Die neuen Beschlüsse haben allerdings keine Auswirkung auf das im Südwesten geltende Mindestbußgeld für Verstöße gegen die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen: Dieses liegt weiter bei 100 Euro. Innenminister Thomas Strobl sagte: „In manchen Ländern ist das Bußgeld lächerlich wenig. Wer keine Maske trägt, gefährdet andere Menschen. Deshalb braucht es auch eine anständige Sanktion. 50 Euro sind als Mindesthöhe okay – richtig ist es bei uns in Baden-Württemberg, wo bis zu 250 Euro fällig werden können.“

Anzeige

Das könnte Dich auch interessieren

03.03.2026 111 Jahre Sonnenbad: Karlsruher Kultbad startet schon im März in die Saison Karlsruhe (pm/dk) - Während viele Freibäder noch Winterpause machen, geht es am Rheinhafen schon wieder los: Das Karlsruher Sonnenbad öffnet am Freitag, 13. März 2026, seine Tore – und das als eines der ersten Freibäder Deutschlands. 03.03.2026 Falsche Geldtipps auf Messenger-Diensten - Polizei warnt vor Anlagebetrügern Karlsruhe (pol/tk) - Immer wieder registriert die Kripo Anlagebetrügereien, die über WhatsApp, Telegram oder Signal ihren Anfang nehmen. Die Täter geben sich als Finanzexperten aus. 03.03.2026 Volles Programm – auch ohne Schloss! Badisches Landesmuseum stellt Projekte 2026 vor Karlsruhe (pm/tk) - Während das Karlsruher Schloss für die Generalsanierung vorbereitet wird, bietet das Badische Landesmuseum an anderen Standorten ein umfangreiches Programm. 27.02.2026 Was die Sanierung im Landesmuseum mit Steffi Graf zu tun hat Karlsruhe (dpa/tk) – Tennislegende Steffi Graf und Skispringer Dieter Thoma: Auch ihre Erinnerungsstücke verlassen das Badische Landesmuseum vor der Sanierung des Karlsruher Schlosses. Was mit den Objekten jetzt geschieht. 17.500 Ausstellungsstücke Die Arbeiten im Badischen Landesmuseum vor der geplanten Sanierung des Karlsruher Schlosses laufen auf Hochtouren. Die meisten der rund 17.500 Ausstellungsstücke werden aktuell verpackt und