Kretschmann gegen mehr Mitbestimmung der Eltern in Schulpolitik

03. Januar 2023 , 13:00 Uhr

Stuttgart (dpa/lsw) – Wie weit sollen Eltern mitreden dürfen, wenn es um Schulangelegenheiten geht? Der Landeselternbeirat hatte zuletzt mehr Mitbestimmung in der Schulpolitik gefordert. Ministerpräsident Kretschmann, selbst einst Lehrer, hält davon nichts. Er sieht ein anderes Problem.

Kretschmann gegen Elternbeteiligung

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält mehr Mitbestimmung der Elternschaft in der Schulpolitik für nicht notwendig. «Wir brauchen keine stärkere formalisierte Mitbestimmung der Elternverbände über das hinaus, was wir schon haben», sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Zudem ist die Rolle der Eltern schon verfassungsrechtlich eine sehr starke.» Entscheidend sei vielmehr, dass Elternhaus und Lehrerschaft am gleichen Strang zögen. «Es mangelt teilweise an Kooperation», kritisierte Kretschmann.

Bildungsferne ein Problem

Das Hauptproblem für den Regierungschef, der selbst einst Lehrer war: «Wir erreichen viele bildungsferne Eltern gar nicht.» In Deutschland hänge der Bildungserfolg zu sehr vom Elternhaus ab. «Wir müssen uns darüber den Kopf zerbrechen, wie wir besser an Eltern aus bildungsfernen Schichten rankommen – das ist unser Hauptproblem.» Manchen Kindern werde zuhause vorgelesen, anderen nicht – das sei in der Schule kaum einholbar, sagte er. Die Kooperation von Eltern und Schule sei enorm wichtig.

Der Ministerpräsident sprach in dem Zusammenhang auch von hohen verfassungsrechtlichen Schranken. Im Grundgesetz stehe, die Erziehung sei das natürliche Recht der Eltern. Die Landesverfassung hingegen definiere die Erziehung als gemeinsame Aufgabe unter anderem von Eltern und Staat. Es sei sicherlich nicht sinnvoll, dass die Eltern, die sowieso schon überengagiert seien und ihre Kinder bis ins Klassenzimmer begleiteten, dann noch präsenter seien – und die anderen, die eigentlich kommen sollten, nach wie vor nicht zum Elternabend kämen. Damit sei nichts erreicht, so Kretschmann.

Landeselternbeirat unzufrieden

Der Landeselternbeirat (LEB) hatte zuvor moniert, dass Eltern in der Schulpolitik zu wenig gehört würden und Lehrerverbände die dominanten Meinungsmacher seien. «Als Eltern wird man nicht in dem Maße gehört, wie es für einen Kunden angemessen wäre», hatte der LEB-Vorsitzende Michael Mittelstaedt der «Schwäbischen Zeitung» gesagt. «Auch jemand, der wenig Geld hat, vielleicht kein Deutsch kann oder einfach unsympathisch ist, muss sein Kind in der Schule abgeben können und sicher sein, dass es genauso gefördert wird wie das Akademikerkind.»

Die Uraufgabe eines Landeselternbeirats sollte beratend sein, sagte Mittelstaedt. «Frühzeitig eingebunden werden wir allerdings nie.» Der «Südwest Presse» sagte der LEB-Vorsitzende zudem kurz vor Weihnachten, dass Eltern in grundlegenden Fragen der Bildungspolitik ein «Veto-Recht» haben sollten. Wenn ein Elternbeirat eine Initiative einer Schulleitung oder der LEB eine Initiative des Kultusministeriums ablehne, passiere nichts, kritisierte er. Der Landeselternbeirat sei wie der Landesschul- und der Landesschülerbeirat auch nur ein «schmückendes Beiwerk, das in vollkommen unerheblichen Fragen mitwirken darf, indem es angehört wird». Gemessen am Ausmaß der Probleme erreiche der LEB seit Jahrzehnten viel zu wenig. «In den vergangenen zehn Jahren ist nichts über die Tische der Eltern gelaufen, das handfeste Relevanz für eine Verbesserung der Qualität im Bildungssystem gehabt hätte.»

 

 

Anzeige
Landeselternbeirat Mitbestimmung Winfried Kretschmann

Das könnte Dich auch interessieren

13.05.2026 Özdemirs Aufstieg: Vom Gastarbeiterkind zum Regierungschef Stuttgart (dpa/tk) - Als Kind galt der junge Cem Özdemir noch als Problemschüler, jetzt ist er Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Im Stuttgarter Landtag wurde Özdemir heute zum neuen Regierungschef gewählt. 93 Parlamentarier stimmten mit Ja, 26 mit Nein und es gab 4 Enthaltungen. Über einen, der immer nach oben strebte - auch über Umwege. 07.05.2026 Studie zeigt Grundwasser-Belastung: Kreis Rastatt besonders im Fokus Rastatt (dpa/dk) - Pestizide, Medikamentenreste und sogenannte Ewigkeitschemikalien: Eine neue Studie zeigt, dass das Grundwasser am Oberrhein deutlich belastet ist. Auch unsere Region ist betroffen: Der Raum Rastatt/Baden-Baden gehört bei PFAS zu den besonders auffälligen Bereichen. 29.04.2026 Ballett, Mozart und geheime Playlist - so wird Winfried Kretschmann verabschiedet Stuttgart (dpa/tk) - Nach 15 Jahren oder knapp 5.500 Tagen geht die Amtszeit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu Ende. Heute wird der 77-jährige Landesvater, der mit diesem Titel nie viel anfangen konnte, im Neuen Schloss in Stuttgart feierlich verabschiedet. Dafür wird einiges aufgefahren. 17.04.2026 Rastatt lädt zum Frühlingssonntag ein: Shopping, Markt und Familienprogramm in der Innenstadt Rastatt (pm/dk) - Bummeln, schlemmen und entdecken: In der Rastatter Innenstadt ist am Sonntag, 19. April, einiges los. Beim verkaufsoffenen Sonntag warten offene Geschäfte, ein Frühlingsmarkt, ein Kunsthandwerkermarkt und viele Angebote für Kinder und Familien.