Baden-Württemberg (dpa/dk) – Eigentlich ist das Ziel im Koalitionsvertrag klar formuliert: Das letzte Kitajahr in Baden-Württemberg soll verpflichtend und kostenlos werden. Ministerpräsident Cem Özdemir macht nun aber deutlich, dass die Umsetzung komplizierter werden könnte als gedacht.
Özdemir verwies in Stuttgart auf mehrere Punkte, die noch geklärt werden müssten. Besonders kompliziert sei die Frage, ob für ein verpflichtendes letztes Kitajahr die Schulpflicht vorgezogen werden könne.
„Was heißt das dann für das, was da stattfindet? Wer macht das?“, fragte der Ministerpräsident.
Neben verfassungsrechtlichen Fragen gehe es auch um die Finanzierung und die pädagogische Ausgestaltung.
Kultusminister Andreas Jung hat deshalb einen Runden Tisch mit den Beteiligten eingerichtet.
Dort soll ein Konzept entstehen, das nach den Worten Özdemirs rechtlich wirksam, finanziell machbar und pädagogisch sinnvoll ist.
„Das Ziel ist, daraus ein breit getragenes Konzept zu erarbeiten, das eben rechtlich wirksam, finanziell machbar ist und – nochmal ganz entscheidend, da spricht der gelernte Erzieher und Sozialpädagoge – den besten pädagogischen Nutzen bringt für unsere Kinder“, sagte Özdemir.
Im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU heißt es, man werde „ein verbindliches und kostenfreies letztes Kindergartenjahr mit obligatorischen Bildungsinhalten im Wege eines Vorziehens der Schulpflicht einführen“.
Auch in den Wahlprogrammen beider Parteien war das Vorhaben enthalten.
Ob und in welcher Form es genau umgesetzt wird, ist aktuell aber noch offen.
Unabhängig vom Ergebnis des Runden Tisches will Özdemir auch darüber sprechen, wie Kinder mit besonderem Förderbedarf schon früher unterstützt werden können.
Er kritisierte, dass die Chancen von Kindern noch immer davon abhingen, ob ihre Eltern arm oder reich seien. Seinem Kultusminister habe er deshalb gesagt: „Es gibt da keine Denkverbote, keine Tabus.“