Karlsruhe (pm/tk) – Wie ist die regionale Wirtschaft ins Frühjahr gestartet? Welche Erwartungen haben die Unternehmen für die kommenden Monate und welche wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen brauchen die Betriebe jetzt? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Karlsruhe im Frühsommer 2026.
Nach einem kurzen Hoffnungsschimmer zum Jahresbeginn hat der Ende Februar einsetzende Konflikt im Nahen Osten die Erwartungen der regionalen Wirtschaft spürbar gedämpft. Im Frühsommer 2026 bewerten die Unternehmen quer durch alle Wirtschaftszweige die Geschäftsaussichten deutlich schlechter als zuvor. Viele Unternehmen rechnen mit rückläufiger Geschäftsentwicklung, während nur wenige einen Aufwärtstrend sehen.
Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Beurteilung der Geschäftslage und Geschäftserwartungen in einem Wert darstellt, ist aufgrund der deutlich schlechteren Perspektiven von 113 Punkten zu Jahresbeginn auf 101 Punkte zurückgegangen.
IHK-Präsident Frank Roth: „Die Frühsommer-Umfrage zeigt aber auch: Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges sind noch nicht überall zu spüren. Die aktuelle Lage wird im Branchendurchschnitt ähnlich eingeschätzt wie vier Monate zuvor, in der Industrie hat sie sich hingegen verbessert. Die Hoffnung auf eine weitere Erholung der Konjunktur hat sich jedoch zerschlagen.
Stark erhöhte Energie- und Rohstoffpreise, gefährdete Lieferketten, steigende Finanzierungskosten, fehlende Planbarkeit sowie eine schwache Nachfrage haben zu einer gestiegenen grundsätzlichen Unsicherheit in den Unternehmen geführt.“ Ein großer Teil der Unternehmen verschiebe oder reduziere Investitionen, viele planten gar keine Investitionen mehr. Diese Zurückhaltung wirkt sich laut IHK mittelfristig auch auf den Arbeitsmarkt aus: Während nur wenige Unternehmen einen Beschäftigungsaufbau erwarten, rechnen deutlich mehr mit Stellenabbau.
Dr. Arne Rudolph konstatiert: „In Krisenzeiten treten strukturelle und wirtschaftspolitische Fehlentwicklungen besonders deutlich zutage. Dazu zählen bekanntlich u.a. ein insgesamt zu hohes Steuer- und Abgabenniveau, eine fehlgeleitete Energiepolitik, hohe Arbeitskosten und überbordende Regulierungen.“
IHK-Präsident Frank Roth betont: „Wir Unternehmen brauchen in erster Linie Verlässlichkeit in der Wirtschaftspolitik, nicht ein heute so und morgen so. Statt Wachstumsblockaden konsequent aus dem Weg zu räumen und ein Reformpaket zu schnüren, das Kosten senkt, Investitionen stärkt und Planungssicherheit schafft, erleben wir auch jetzt wieder das Gegenteil. Beispiel Gesundheitsreform: Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung und höhere Abgaben auf Minijobs treiben die Lohnzusatzkosten weiter nach oben.“
Im Frühsommer 2026 präsentiert sich die Geschäftslage der regionalen Wirtschaft im Branchendurchschnitt trotz der Schockwellen insgesamt noch robust. Der Anteil der Unternehmen mit aktuell gut laufenden Geschäften ist leicht von 30 % auf 32 % gestiegen. Gleichzeitig bewerten 51 % der Betriebe ihre Gesamtsituation noch als zufriedenstellend, dies sind allerdings fünf Prozentpunkte weniger als zu Jahresbeginn. Parallel dazu hat sich der Anteil der Unternehmen mit einer negativen Einschätzung um drei Prozentpunkte auf 17 % erhöht.
Wieder verschlechtert hat sich die Entwicklung der Auftragseingänge. Der Auftragseingangssaldo ist von minus 3 auf minus 9 Punkte gefallen. Über alle Wirtschaftszweige hinweg stagnierte die Umsatzentwicklung. Jeweils 28 % der Unternehmen berichten von steigenden beziehungsweise sinkenden Umsätzen. Positive Salden bei der Lagebewertung verzeichnen die Industrie (erstmals seit über einem Jahr), die Bauwirtschaft sowie der Dienstleistungssektor, während im Groß- und Einzelhandel die angespannte Situation anhält.
Zu Beginn des Jahres blickte die regionale Wirtschaft noch vorsichtig optimistisch nach vorne. Doch die Ende Februar einsetzende militärische Eskalation im Nahen Osten und die faktische Sperrung der Straße von Hormus hat diese Erwartungen spürbar gedämpft. Quer durch alle Branchen bewerten die Unternehmen die Geschäftsaussichten deutlich schlechter als zuvor. Viele Unternehmen rechnen mit rückläufiger Geschäftstätigkeit, während nur wenige für sich einen Aufwärtstrend sehen. Der Saldo der Geschäftserwartungen ist von plus 10 Punkten zu Jahresbeginn auf aktuell minus 11 Punkte abgerutscht. Besonders stark sank der Erwartungsindex in der Industrie, der Bauindustrie und Teilen des Dienstleistungssektors wie Transport und Logistik oder Gastgewerbe.