Konjunkturumfrage der IHK Karlsruhe Frühsommer 2026

20. Mai 2026 , 04:45 Uhr

Karlsruhe (pm/tk) – Wie ist die regionale Wirtschaft ins Frühjahr gestartet? Welche Erwartungen haben die Unternehmen für die kommenden Monate und welche wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen brauchen die Betriebe jetzt? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Karlsruhe im Frühsommer 2026.

Lage noch stabil – Erwartungen kippen

Nach einem kurzen Hoffnungsschimmer zum Jahresbeginn hat der Ende Februar einsetzende Konflikt im Nahen Osten die Erwartungen der regionalen Wirtschaft spürbar gedämpft. Im Frühsommer 2026 bewerten die Unternehmen quer durch alle Wirtschaftszweige die Geschäftsaussichten deutlich schlechter als zuvor. Viele Unternehmen rechnen mit rückläufiger Geschäftsentwicklung, während nur wenige einen Aufwärtstrend sehen.

Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Beurteilung der Geschäftslage und Geschäftserwartungen in einem Wert darstellt, ist aufgrund der deutlich schlechteren Perspektiven von 113 Punkten zu Jahresbeginn auf 101 Punkte zurückgegangen.

IHK-Präsident Frank Roth: „Die Frühsommer-Umfrage zeigt aber auch: Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges sind noch nicht überall zu spüren. Die aktuelle Lage wird im Branchendurchschnitt ähnlich eingeschätzt wie vier Monate zuvor, in der Industrie hat sie sich hingegen verbessert. Die Hoffnung auf eine weitere Erholung der Konjunktur hat sich jedoch zerschlagen.

Kaum noch Investitionen geplant

Stark erhöhte Energie- und Rohstoffpreise, gefährdete Lieferketten, steigende Finanzierungskosten, fehlende Planbarkeit sowie eine schwache Nachfrage haben zu einer gestiegenen grundsätzlichen Unsicherheit in den Unternehmen geführt.“ Ein großer Teil der Unternehmen verschiebe oder reduziere Investitionen, viele planten gar keine Investitionen mehr. Diese Zurückhaltung wirkt sich laut IHK mittelfristig auch auf den Arbeitsmarkt aus: Während nur wenige Unternehmen einen Beschäftigungsaufbau erwarten, rechnen deutlich mehr mit Stellenabbau.

Dr. Arne Rudolph konstatiert: „In Krisenzeiten treten strukturelle und wirtschaftspolitische Fehlentwicklungen besonders deutlich zutage. Dazu zählen bekanntlich u.a. ein insgesamt zu hohes Steuer- und Abgabenniveau, eine fehlgeleitete Energiepolitik, hohe Arbeitskosten und überbordende Regulierungen.“

„Wirtschaften in Deutschland wieder einfacher machen.“

IHK-Präsident Frank Roth betont: „Wir Unternehmen brauchen in erster Linie Verlässlichkeit in der Wirtschaftspolitik, nicht ein heute so und morgen so. Statt Wachstumsblockaden konsequent aus dem Weg zu räumen und ein Reformpaket zu schnüren, das Kosten senkt, Investitionen stärkt und Planungssicherheit schafft, erleben wir auch jetzt wieder das Gegenteil. Beispiel Gesundheitsreform: Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung und höhere Abgaben auf Minijobs treiben die Lohnzusatzkosten weiter nach oben.“

Noch robuste Lage

Im Frühsommer 2026 präsentiert sich die Geschäftslage der regionalen Wirtschaft im Branchendurchschnitt trotz der Schockwellen insgesamt noch robust. Der Anteil der Unternehmen mit aktuell gut laufenden Geschäften ist leicht von 30 % auf 32 % gestiegen. Gleichzeitig bewerten 51 % der Betriebe ihre Gesamtsituation noch als zufriedenstellend, dies sind allerdings fünf Prozentpunkte weniger als zu Jahresbeginn. Parallel dazu hat sich der Anteil der Unternehmen mit einer negativen Einschätzung um drei Prozentpunkte auf 17 % erhöht.

Wieder verschlechtert hat sich die Entwicklung der Auftragseingänge. Der Auftragseingangssaldo ist von minus 3 auf minus 9 Punkte gefallen. Über alle Wirtschaftszweige hinweg stagnierte die Umsatzentwicklung. Jeweils 28 % der Unternehmen berichten von steigenden beziehungsweise sinkenden Umsätzen. Positive Salden bei der Lagebewertung verzeichnen die Industrie (erstmals seit über einem Jahr), die Bauwirtschaft sowie der Dienstleistungssektor, während im Groß- und Einzelhandel die angespannte Situation anhält.

Trübe Aussichten

Zu Beginn des Jahres blickte die regionale Wirtschaft noch vorsichtig optimistisch nach vorne. Doch die Ende Februar einsetzende militärische Eskalation im Nahen Osten und die faktische Sperrung der Straße von Hormus hat diese Erwartungen spürbar gedämpft. Quer durch alle Branchen bewerten die Unternehmen die Geschäftsaussichten deutlich schlechter als zuvor. Viele Unternehmen rechnen mit rückläufiger Geschäftstätigkeit, während nur wenige für sich einen Aufwärtstrend sehen. Der Saldo der Geschäftserwartungen ist von plus 10 Punkten zu Jahresbeginn auf aktuell minus 11 Punkte abgerutscht. Besonders stark sank der Erwartungsindex in der Industrie, der Bauindustrie und Teilen des Dienstleistungssektors wie Transport und Logistik oder Gastgewerbe.

Anzeige
Betriebe IHK Investitionen Karlsruhe Konjunktur Krieg, Krise Region Umfrage Unternehmen Wirtschaft

Das könnte Dich auch interessieren

23.01.2026 Einstieg Beruf - Ausbildungsmesse in der Messe Karlsruhe Karlsruhe (tk) - Machen eure Kinder bald den Schulabschluss und wissen noch nicht, wie es weitergeht? Am Samstag, den 24. Januar, ist wieder die Ausbildungsmesse "Einstieg Beruf" in der Messe Karlsruhe. 01.09.2025 Positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt: Mehr Verträge im Kammerbezirk Karlsruhe Karlsruhe (pm/dk) – Gute Nachrichten für den Ausbildungsmarkt in der Region: Zum Stichtag 31. August zählt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe 3.305 neue Ausbildungsverträge. Das bedeutet ein Plus von 135 Verträgen und damit eine Steigerung um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 25.03.2026 EnBW erzielt gutes operatives Ergebnis im Geschäftsjahr 2025 Karlsruhe (pm/tk) - Die EnBW blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Das starke operative Ergebnis unterstreicht die breite und zukunftsorientierte Aufstellung des Energieversorgers. 25.03.2026 Hilfstransport in die ukrainische Partnerstadt Winnyzja Karlsruhe (pm/tk) - Seit 2022 unterhält Karlsruhe eine Städtepartnerschaft mit Winnyzja in der Ukraine. Die Stadt im von Russland angegriffenen Landes erlebt die Folgen des Krieges. Hierbei will Karlsruhe seine Freunde unterstützen.