Karlsruhe (pm/tk) – Wie wurde KI gedacht, bevor es das Internet gab? Das ZKM in Karlsruhe würdigt den bahnbrechenden Supercomputer „Connection Machine“ von 1986.
Das ZKM – Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe feiert das 40-jährige Jubiläum des Parallelrechners „Connection Machine“ (CM) und würdigt seinen Beitrag zur heutigen KI- und Supercomputing-Landschaft. Ab dem 25. März ist ein Exemplar des Modells CM-2 im Foyer des ZKM ausgestellt. Begleitet wird die Installation von einer interdisziplinären Konferenz, die sich dem vergessenen Erbe der Connection Machine widmet.
Die Installation „Connction Machine CM-2 – Der Traum von einem elektronischen Gehirn“ geht bis 2. August im ZKM-Foyer. Der Eintritt ist frei!
Die „Connection Machine“ gilt als technologische Pionierleistung, die ihrer Zeit um 20 bis 30 Jahre voraus war. Sie ist von der Frage inspiriert, wie Intelligenz im menschlichen Gehirn durch die komplex vernetzte, parallele Verarbeitung von Informationen entsteht.
„Rückblickend betrachtet hätten wir niemals damit begonnen, wenn wir gewusst hätten, wie kompliziert das Projekt werden würde“, so beschreibt der US-amerikanische Computeringenieur W. Daniel „Danny“ Hillis die Entstehung der Connection Machine. Mit seinem Unternehmen Thinking Machines Corporation (TMC) entwickelte er gemeinsam mit einem interdisziplinären Team zwischen 1983 und 1994 drei Versionen der CM. Das erste Modell, die CM-1, war mit 65.000 Prozessoren der erste kommerzielle Supercomputer mit massiv paralleler Architektur und wurde vor genau 40 Jahren auf den Markt gebracht.
Die Connection Machine ist nicht nur ein technologischer Durchbruch, sondern auch ein einzigartiges Designobjekt. Unter der Leitung von Tamiko Thiel bei Thinking Machines wurde ihr abstraktes, unsichtbares Innenleben in eine symbolische Form übersetzt. Zusammen mit dem Nobelpreisträger und Physiker Richard Feynman entstand das ikonische „Cube-of-Cubes“-Motiv. Die mattschwarze Hülle mit über 4000 roten LEDs machte die parallelen Prozesse der Connection Machine sichtbar – ein Bild eines lebendigen elektronischen Gehirns.
Ab dem 25. März ist im Foyer des ZKM ein originales Exemplar des Modells CM-2 zu sehen, das aus der Sammlung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) stammt, wo es auch rekonstruiert wurde. Anders als bei der Originalversion hat das Publikum vor Ort die Möglichkeit, die LEDs der Connection Machine selbst zu verändern und so mit ihr zu interagieren.
Das visuelle Design der Maschine ist dabei ebenso bemerkenswert wie ihre technische Leistung. Prof. Dr. Michael Beigl, Professor für Pervasive Computing Systems / TecO am KIT, beschreibt es so:
„Die CM-2 hat eindrucksvoll gezeigt, wie gestalterisches Design die inneren Abläufe eines Computers sichtbar und verständlich machen kann. Ihre ikonische, oft als ,elektronisches Gehirn’ bezeichnete Architektur übersetzte abstrakte Konzepte wie massive Parallelität in eine räumlich erfahrbare Form und prägte damit sowohl das wissenschaftliche Denken als auch die öffentliche Wahrnehmung von Rechenprozessen. Heutige KI-Systeme, insbesondere große Sprachmodelle, verfügen bislang über keine vergleichbar anschaulichen Darstellungen ihrer inneren Funktionsweisen. Die CM-2 dient daher bis heute als Referenz dafür, wie Visualisierung zwischen technischer Komplexität und breiter Verständlichkeit vermitteln kann.“