Kaum noch gebabbelt und geschwätzt - es wird immer weniger Dialekt gesprochen

24. März 2023 , 04:05 Uhr

Stuttgart (dpa/lsw) – Ein neuer Dachverband für Dialekte will sich dem schleichenden Abschied der Mundart vor allem bei Kindern entgegenstemmen. «Wenn Dialekt aussterba däded, däd ao a Kulturgut vorschwinda», sagte der Landtagsabgeordnete Markus Rösler, der aus Gerlingen im Kreis Ludwigsburg kommt und selbst breiten schwäbischen Dialekt spricht. Während in der älteren Bevölkerung Mundart wieder häufiger genutzt werde, gehe sie in der jüngeren Altersgruppe immer mehr verloren. Der neue Verband will Rösler zufolge mit einem Mundartpreis in den sozialen Medien jüngere Menschen ansprechen und den Ausbau von Angeboten von Mundart in Kindergärten und Schulen fördern.

Es wird kaum noch Dialekt gesprochen

Kinder in Baden-Württemberg sprechen kaum noch Dialekt. Das Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen hat vergangenes Jahr berichtet, dass in den Klassen 1 und 2 der Grundschulen nur zwischen 11 und 15,3 Prozent der Jungen und Mädchen Dialekt sprechen. In der Tübinger Studie wurden fast 13 600 Schülerinnen und Schüler aus 700 Klassen sowie und mehr als 705 Lehrkräfte befragt.

Dachverband für Dialekte

Mehr als 50 Vertreterinnen und Vertreter von Dialekt- und Mundartvereinen, der Dialektforschung sowie Mundartkünstlerinnen und -künstler haben sich getroffen und die Gründung eines landesweiten Dachverbands für Dialekte beschlossen. Darunter waren etwa die Muettersproch-Gesellschaft und der Förderverein Schwäbischer Dialekt.
Bis vor der Sommerpause soll der Verband gegründet werden, sagt Rösler. Noch vor Ostern soll eine Satzung formuliert werden. Es gehe darum, Vereine, Wissenschaftler, Künstler und interessierte Einzelpersonen zu vernetzen und gegenüber Politik und Medien mit einer Stimme zu sprechen.

Unterschiedlichen Dialekte im Land

«Wichtig war allen Beteiligten die gleichberechtigte Vertretung der unterschiedlichen Dialekte im Land, vom Rheinfränkischen in der Kurpfalz bis zum Allgäu und vom Alemannischen in Südbaden über alle schwäbischen Dialekte bis zum Fränkischen an der Grenze zu Bayern», betonte der FDP-Abgeordnete Jochen Haußmann, der auch der
Dialektinitiative im Landtag angehört.

Mundart hat keine Nachteile

Rösler ist Hauptinitiator der Verbandsgründung. Für ihn hat Mundart keine Nachteile, sondern ist im Alltag ein Vorteil. Dialekt sei ein Stück Heimat und kulturelle Identität. Eine Krankenschwester habe zu ihrem Patienten einen anderen Zugang, wenn beide Dialekt sprächen, ist er überzeugt. Rösler spricht von einer «Sympathieverbindung». Und: «Mit Dialekt kann man sich manchmal viel präziser und genauer ausdrücken, vor allem dort, wo Emotionen im Spiel sind.» Dialekt diene der kulturellen Identifikation: «Regionale Lebensmittel mag man auch, damit kann man sich identifizieren.» Mit Schriftdeutsch kann Rösler hingegen gar nichts anfangen: «Des isch kastriert», sagte er. «Ich identifiziere mich nicht mit Schriftdeutsch. Das ist wie der Hammer oder der Computer – das muss man nutzen, weil es manchmal erforderlich ist. Aber Emotionen verbinde ich damit nicht.»

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