Stuttgart (dpa/tk) – «Rehbraune Augen»: Kurz vor der Wahl steht CDU-Spitzenkandidat Hagel wegen jahrealten Aussagen über einen Schulbesuch in der Kritik. Geht es um Sexismus? Oder ist das schmutziger Wahlkampf?
Wegen alten Aussagen zu einem Schulbesuch steht der CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Manuel Hagel, weiter in der Kritik der Grünen. Hagel hätte acht Jahre Zeit gehabt, selbst Verantwortung zu übernehmen und sich öffentlich für diese «verbale Entgleisung» zu entschuldigen, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer aus Karlsruhe, die die Debatte angestoßen hatte, der Deutschen-Presse-Agentur. «Dass dies nicht geschehen ist, zeigt aus meiner Sicht weiterhin ein mangelndes Problembewusstsein.»
Hintergrund: Die Grünen-Politikerin Mayer aus Karlsruhe hatte am Montag auf X und Instagram ein Video gepostet, in dem der Ausschnitt eines Interviews mit Hagel zu sehen ist. Der Clip zeigt Hagel bei einem Interview in einer Ulmer Gaststätte, er war im Frühjahr 2018 auf Youtube veröffentlicht worden. Hagel war damals 29 Jahre alt, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU.
Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule. In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen. «Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen», sagt Hagel. Dann geht er auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: «Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.»
Eigentlich wollte Hagel in dem Interview mit dem Beispiel ausdrücken, dass Sprache in der Politik wichtig ist und die Menschen erreichen muss. «Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist», hatte Hagel kommentiert. «Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen. Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt 12 Tage vor der Landtagswahl acht Jahre zu spät.»
Die Grünen-Politikerin zeigte sich mit der Reaktion nur teilweise zufrieden. «Es ist gut, dass Herr Hagel bereits zum Zeitpunkt der Ausstrahlung in seinem persönlichen Umfeld auf die Problematik der Aussage hingewiesen wurde», sagte Mayer zu Hagels Stellungnahme. «Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass wir gesellschaftlich an den Punkt kommen, an dem Männer für solche Einsichten nicht die Unterstützung von Frauen benötigen.»
Mayer betonte, dass sie erst vor wenigen Tagen auf den Ausschnitt aufmerksam geworden sei. Ihr sei das Video zugesendet worden, nachdem sie auf Social Media über «eigene Erfahrungen mit Sexualisierung als junges Mädchen im politischen Umfeld» gesprochen habe. Die Bundestagsabgeordnete sagte auch, dass das Posten des Videos nicht abgesprochen gewesen sei mit anderen Grünen-Politikern. Und stellte auf Nachfrage klar: «Cem Özdemir war über das Video nicht informiert.»
Das Thema kam auch bei der Dreier-Debatte zur Landtagswahl am Dienstagabend auf. Grünen-Spitzenkandidat Özdemir nahm in der Sache seinen CDU-Kontrahenten in Schutz. «Ich bin mir sicher, Herr Hagel würde das heute nicht mehr so formulieren», sagte Özdemir in der Live-Sendung «Die Debatte – wer überzeugt Baden-Württemberg?» im SWR.