Karlsruhe (pm/dk) – Nach sechseinhalb Jahren an der Seitenlinie des Karlsruher SC steht fest: Christian Eichner wird den KSC im Sommer verlassen. Verein und Trainer haben sich nach mehreren intensiven Gesprächen gemeinsam darauf verständigt, die Zusammenarbeit zum Ende der Saison zu beenden.
Nach Angaben des Vereins ist die Trennung das Ergebnis mehrerer Gespräche zwischen Sport-Geschäftsführer Mario Eggimann und Christian Eichner. Der Beirat des Clubs stimmte der Entscheidung bereits am Dienstagabend zu. Auch die Mannschaft wurde am Mittwochmorgen persönlich von Mario Eggimann informiert.
Damit steht fest: Zur Saison 2026/27 wird es beim Karlsruher SC einen Wechsel auf der Position des Cheftrainers geben.
Christian Eichner verlässt den KSC nach mehr als sechs Jahren als Chefcoach. Der 43-Jährige war im Februar 2020 auf Alois Schwartz gefolgt. Damals bewahrte er seinen Herzensclub vor dem Abstieg und etablierte die Badener in den folgenden Jahren als stabilen Zweitligisten.
Seit Februar 2020 war der tief mit dem KSC verwurzelte Sinsheimer Chefcoach des KSC und damit der dienstälteste Trainer in der 2. Bundesliga.
Sportchef Mario Eggimann würdigt Eichners Bedeutung für den Verein, sieht aber einen Zeitpunkt für Veränderung gekommen. Er sagt: „Über die Bedeutung von Christian Eichner für den KSC gibt es keine zwei Meinungen. Christian hat sich über die Jahre durch gute Arbeit und Hingabe zu einem Aushängeschild unseres Clubs entwickelt. In unserer Verantwortung für den KSC ist es jedoch unsere Aufgabe, die Gesamtsituation zu jeder Zeit zu bewerten und zu hinterfragen. Über die Zeit ist der Eindruck gereift und hat sich immer weiter verfestigt, dass wir nach sechseinhalb Jahren gemeinsamer Arbeit einen Punkt in der Entwicklung erreicht haben, an dem wir für die Zukunft neue Impulse setzen wollen. Dass sich nach so einer langen Zeit, die im Profifußball heute beinahe außergewöhnlich ist, gewisse Dinge im Ablauf verändern, ist völlig normal. Von daher sehen wir den Zeitpunkt im Sommer als genau den richtigen für eine Veränderung an. Die Gespräche mit Christian Eichner waren und sind stets vertrauensvoll und konstruktiv. Deshalb war es für uns auch ein Anliegen, dass wir frühzeitig Klarheit in der Personalie schaffen, um nun auch vollen Fokus auf die restlichen sechs Partien zu legen, damit wir Eiche den bestmöglichen Abschied bereiten, den er sich verdient hat.“
Der Tabellenneunte will mit der frühen Entscheidung vor allem Ruhe für die letzten sechs Saisonspiele schaffen.
Mit dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld am Freitag um 18.30 Uhr beginnt für Eichner die letzte Phase im Wildpark. Danach folgen noch fünf weitere Partien unter seiner Leitung.
Im Mittelpunkt soll nach Aussage des Trainers weiter die Mannschaft stehen. Christian Eichner sagt: „Egal in welcher Funktion, ob als Spieler oder als Trainer, habe ich meine Rolle im Fußball immer so definiert, dass die Interessen des Vereins über allem anderen stehen. Insofern habe ich stets versucht, auch solche Entscheidungen loyal mitzutragen, die ich persönlich womöglich anders getroffen hätte. Ich denke, das ist mir während meiner jetzt fast sechseinhalb Jahre als Cheftrainer des KSC ganz gut gelungen, und deshalb will ich mich im Sommer auch genau so verabschieden. Dieser Verein und ebenso diese Mannschaft sind für mich etwas ganz Besonderes. Dementsprechend ist mir die Arbeit extrem ans Herz gewachsen, umso mehr als wir auch schwierige Phasen immer wieder gemeinsam mit viel Einsatz, Leidenschaft und Zusammenhalt bewältigt haben. Genau diese Tugenden möchte ich jetzt auch noch einmal in meinen letzten Wochen im Wildpark ganz besonders wecken. Es geht dabei nicht um mich, sondern um den Erfolg der Mannschaft, die angesichts unserer kommenden Gegner eine große Verpflichtung trägt im Abstiegs- und Aufstiegskampf. Zugleich haben unsere Jungs mit diesem Programm eine großartige Bühne, auf der sie sich für ganz Fußball-Deutschland ins Rampenlicht spielen können. Das sollen sie nutzen – für sich und für den KSC.“
In den vergangenen Wochen war an Eichner immer wieder Kritik aufgekommen. Speziell nach der 1:5-Pleite in Nürnberg Mitte Februar hatte Eggimann ein klares Bekenntnis zum Trainer vermieden und Gespräche angekündigt.
Danach kehrte zwischenzeitlich wieder etwas Ruhe ein, auch wegen positiver Ergebnisse und Eichners Anteil an der Entwicklung junger Spieler wie Louey Ben Farhat.
Dennoch gab es im Hintergrund laut den neuen Informationen wiederholt Differenzen über die sportliche Ausrichtung. Demnach wollte Eichner den bloßen Fokus auf vermeintlich gewinnbringende Nachwuchsspieler nicht immer unkritisch mittragen.
Zusätzliche Unruhe gab es im Dezember. Damals trennten sich die Verantwortlichen überraschend von Co-Trainer Zlatan Bajramovic, dem engsten Vertrauten von Eichner. Diese Entscheidung schockierte nach den vorliegenden Informationen den Cheftrainer und seine Mannschaft.
Eichner blieb dennoch im Amt und verwies nun allgemein darauf, dass er „stets versucht“ habe, „auch solche Entscheidungen loyal mitzutragen, die ich persönlich womöglich anders getroffen hätte“.
Wer Eichner im Sommer beerben soll, ist offiziell noch offen. Der KSC äußerte sich dazu nicht. Medienberichten zufolge gibt es aber bereits einen Kandidaten: Die „Badischen Neuesten Nachrichten“ berichten, dass Tobias Strobl vom Drittliga-Aufstiegskandidaten SC Verl kommen könnte.
Fest steht auch: Trotz neuer Rahmenbedingungen mit neuem Stadion, oft ausverkauftem Haus und Rekordumsätzen gelang es dem Verein nicht, dem Trainer die nötigen Unterschiedsspieler zur Verfügung zu stellen, um die sportliche Entwicklung entscheidend voranzutreiben.
Langfristig strebt Eichner den Sprung zum Erstliga-Trainer an – im Idealfall wollte er das mit dem KSC schaffen. Davon sind die Badener aktuell aber weit entfernt. Statt im Aufstiegskampf eine Rolle zu spielen, geht es für den Tabellenneunten in dieser Saison erneut vor allem um Schadensbegrenzung.
Auch der Beirat würdigt Eichners Verdienste. Holger Siegmund-Schultze, Beiratsvorsitzender, sagt: „Wir sind Christian Eichner zu großem Dank verpflichtet. Er hat sowohl als Spieler als auch als Trainer große Verdienste für unseren KSC erworben. Der Name Christian Eichner wird immer in enger Verbindung mit dem KSC stehen“.