Karlsruhe (dk) – Sie sind unscheinbar, aber können massive Schäden verursachen: In der Region breiten sich invasive Ameisenarten zunehmend aus. Besonders Tapinoma magnum und Lasius neglectus stellen Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen – auch in Karlsruhe ist die Lage bereits ernst.
Aktuell gibt es in Karlsruhe acht betroffene Stadtteile, berichtet Karen Eßrich, die sich bei der Stadt um die Meldung, Bekämpfung und Prävention invasiver Arten kümmert. Besonders stark betroffen sind die Oststadt und Neureut.
Dort habe sich die Lage deutlich zugespitzt. „Da sprechen wir dann auch von einer Superkolonie.“ In solchen Fällen sind riesige zusammenhängende Ameisenpopulationen entstanden, die sich kaum noch klar voneinander trennen lassen.
In anderen Stadtteilen sei die Situation noch überschaubarer. Dort beschränke sich der Befall bislang auf einzelne Straßenzüge, was die Hoffnung lässt, die Ausbreitung noch eindämmen zu können.
Die beiden Arten Tapinoma magnum und Lasius neglectus gelten als besonders problematisch, weil sie sich schnell vermehren und ungewöhnlich organisiert sind. Im Gegensatz zu heimischen Ameisen akzeptieren sie mehrere Königinnen innerhalb eines Verbundes.
Eßrich erklärt, dass genau das ihre Ausbreitung beschleunigt: Je mehr Königinnen und Arbeiterinnen vorhanden sind, desto stabiler und größer wird das Netzwerk. Klassische Revierkämpfe zwischen Ameisenvölkern bleiben aus – stattdessen wachsen die Kolonien immer weiter zusammen.
Die Folgen sind im Alltag deutlich spürbar. Die Ameisen nisten sich unter anderem in Mauern ein und unterhöhlen wichtige Infrastruktur.
„Sie unterhöhlen Gehwege, sie unterhöhlen Gleise, sie unterhöhlen Bahnsteige.“
Das kann dazu führen, dass Wege absacken, Stolperfallen entstehen oder größere Schäden auftreten, die aufwendig repariert werden müssen. Auch technische Anlagen sind betroffen, da die Tiere gezielt warme Orte aufsuchen.
So gelangen sie häufig in Stromverteilerkästen. Durch eingetragenes Material und Feuchtigkeit kann es dort zu Störungen kommen – im schlimmsten Fall sogar zu Kurzschlüssen. Eßrich beschreibt, dass genau diese Kombination aus Nestbau und Feuchtigkeit problematisch ist.
In stark betroffenen Gebieten hat das auch Auswirkungen auf den Alltag der Menschen: Grünanlagen oder Spielplätze können zeitweise nicht mehr genutzt werden.
Bisher hat die Stadt noch keine umfassenden Maßnahmen umgesetzt, doch das ändert sich nun. In Neureut soll zeitnah mit der Bekämpfung begonnen werden – zunächst in Innenräumen.
Geplant ist der Einsatz von Fraßgel, das von den Ameisen in ihre Nester getragen wird. „Dort werden wir Biozide, also Fraßgel, auslegen, dass die Ameisen in den Bau tragen und dann eben dort auch getötet werden.“
Zusätzlich sollen Nester mit Heißwasserdampf behandelt werden, um die Population weiter zu reduzieren.
Die invasiven Arten treten häufig in sehr großen Mengen auf. Auffällig sind lange Ameisenstraßen und eine hohe Aktivität über den ganzen Tag hinweg. Außerdem breiten sie sich schnell über größere Flächen aus – oft über mehrere Grundstücke hinweg.
Ein wichtiges Erkennungszeichen ist auch die Größe – im Gegensatz zu unseren heimischen Ameisen sind die einzelnen Tiere in den Völkern unterschiedlich groß. Außerdem haben sie einen prägnanten Geruch: „Wenn man eine Ameise erwischt und in den Fingern zerreibt, dann hat sie einen sehr eigentümlichen Geruch. Sie riecht ein bisschen nach Eukalyptus, Pfefferminz, Gummibärchen. Also so ein Geruch kennt man nicht und dadurch weiß man relativ gut, dass es die Tapinoma Magnum ist“.