Baden-Baden (dk) – Täuschend echte Bilder, die nie aufgenommen wurden: Influencerin und Reality-TV-Bekanntheit Aurelia Lamprecht aus Baden-Baden ist Opfer von sexualisierten KI-Deepfakes geworden. Im Interview erzählt sie, wie sie davon erfahren hat, warum sie öffentlich darüber spricht und was sich aus ihrer Sicht dringend ändern muss.
Aurelia Lamprecht ist vielen aus Reality-TV-Formaten bekannt. Bekannt geworden ist sie durch Love Island, danach folgten weitere Datingformate.
Vor rund einem Jahr wurde sie auf KI-generierte Nacktbilder und Videos aufmerksam – durch einen Hinweis aus ihrem privaten Umfeld. Eine Frau habe sie während einer kosmetischen Behandlung darauf angesprochen. Kunden hätten erzählt, dass es entsprechende Bilder von Aurelia gebe.
Für sie war das ein Schock. „Ich war ja erst mal erschrocken, weil ich natürlich darauf angesprochen worden bin, ob ich denn irgendwelche Nacktbilder von mir verkaufen würde, was ich niemals tun würde“, sagt Aurelia Lamprecht.
Daraufhin habe sie angefangen, ihren Namen im Internet zu suchen. Was sie fand, habe sie erschüttert: „Dann habe ich mit Schrecken gesehen, dass es da tausende Bilder und irgendwelche dubiosen Webseiten gab, wo man irgendwelche Sachen kaufen konnte.“
Besonders schlimm sei gewesen, dass die Inhalte leicht auffindbar waren. Man habe sich nicht erst irgendwo anmelden müssen. „Das war für jeden zugänglich und das war erst mal ein Riesenschock.“
Aurelia Lamprecht sagt, dass manche Menschen die Bilder und Videos offenbar für echt gehalten hätten. Sie habe das als sehr abwertend empfunden, auch weil über sie gesprochen worden sei.
Ihre ersten Gedanken seien voller Fragen gewesen: Warum sie? Woher kommt das? Wer steckt dahinter? Und vor allem: Was kann sie jetzt tun?
Zunächst sprach Aurelia mit Familie, Freunden und Bekannten, auch mit Frauen, die ebenfalls in der Öffentlichkeit stehen. Dabei habe sich herausgestellt, dass auch andere betroffen seien.
Der Rat aus ihrem Umfeld sei aber meistens gewesen: lieber nicht öffentlich darüber sprechen. „Die haben dann halt zu mir gesagt, ich soll am besten nicht darüber reden. Ich kann da nichts dagegen machen. Man braucht doch nicht zur Polizei gehen und ich soll das quasi so unter den Teppich kehren.“
Für Aurelia war das keine Lösung. Sie entschied sich, auf Instagram über die Deepfakes zu sprechen. Ihr sei wichtig gewesen klarzustellen, dass die Bilder nicht echt seien und mithilfe von KI erstellt wurden.
„Das ist ja nicht die Lösung, Dinge wegzuschweigen, weil dann ändert sich ja auch nichts“, sagt sie.
Obwohl Aurelia Lamprecht öffentlich wurde, habe sie sich mit der Situation nicht wirklich aufgefangen gefühlt. Sie sagt: „Ich habe mich sehr alleine damit gefühlt und auch nicht ernst genommen.“
Die Reaktionen seien gespalten gewesen. Manche hätten ihr geglaubt und sie unterstützt. Andere hätten ihr unterstellt, sie würde lügen. Wieder andere hätten gesagt, sie solle sich nicht so anstellen, weil die Bilder ja nicht echt seien.
Für Aurelia ist genau das ein Problem. Auch wenn die Bilder künstlich erzeugt sind, habe das reale Folgen für Betroffene.
Nach ihrem öffentlichen Statement wurde eine Firma auf sie aufmerksam, die sich nach ihren Angaben auch gegen Kinderpornografie im Netz einsetzt. Diese Firma helfe ihr seitdem dabei, die Inhalte entfernen zu lassen.
Am Anfang seien es laut Aurelia rund 8.000 bis 10.000 Links gewesen. Inzwischen sei es gelungen, die Verbreitung stark einzudämmen. Ganz erledigt sei das Problem aber nicht.
Aurelia beschreibt es als dauerhaften Kampf gegen KI-Systeme: Inhalte könnten gelöscht werden, würden aber immer wieder neu erstellt. Deshalb brauche es aus ihrer Sicht technische Gegenmaßnahmen, die ebenfalls dauerhaft arbeiten. Für diese Unterstützung zahle sie nach eigenen Angaben monatlich 100 Euro.
Auch politisch bewegt sich etwas. Das Europaparlament hat einem Verbot von KI-Anwendungen zugestimmt, mit denen sexualisierte Deepfakes erstellt werden können. Die formelle Zustimmung der EU-Staaten steht noch aus, gilt aber als Formsache. Das Verbot soll planmäßig ab 2. Dezember gelten.
Die Anwendungen sollen mit Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet werden, die verhindern, dass sexualisierte Darstellungen eines identifizierbaren Menschen ohne Einwilligung erstellt werden können.
In Deutschland hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig bereits einen Gesetzentwurf vorgestellt. Danach könnten das Erstellen und Verbreiten pornografischer Deepfakes künftig mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden.
Aurelia Lamprecht möchte anderen Betroffenen Mut machen, über solche Fälle zu sprechen. Auch wenn andere dazu raten, das Thema kleinzuhalten, sei Schweigen aus ihrer Sicht nicht der richtige Weg.
„Wenn einem sowas passiert, auch vielleicht nicht in so einem großen Rahmen wie jetzt bei mir. Aber dass man einfach immer seine Wahrheit ausspricht und dass man sich da nicht kleinreden lässt von anderen Menschen oder dass man einfach sich Hilfe sucht“, sagt sie.
Mittlerweile gebe es mehr Anlaufstellen als früher. Ihr Appell: Betroffene sollen sich Unterstützung holen und das Erlebte nicht „unter den Teppich kehren“.