Karlsruhe (pm/dk) – Die regionale Wirtschaft blickt im Herbst 2026 etwas zuversichtlicher auf die kommenden Monate. Von einer echten Entwarnung kann laut IHK Karlsruhe aber keine Rede sein: Die Geschäftslage hat sich verschlechtert, Unternehmen bleiben bei Neueinstellungen zurückhaltend und auch die Investitionsbereitschaft ist weiterhin schwach.
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist von 101 Punkten im Frühsommer auf aktuell 107 Punkte gestiegen. Grund dafür sind vor allem die verbesserten Erwartungen für die kommenden zwölf Monate.
Der Anteil der Unternehmen, die mit einer positiven Geschäftsentwicklung rechnen, ist um acht Prozentpunkte gestiegen. Gleichzeitig erwarten weniger Betriebe eine Verschlechterung. Der Saldo der Geschäftserwartungen kletterte dadurch von minus 11 auf plus 6 Punkte.
Bei der aktuellen Geschäftslage fällt das Bild dagegen schwächer aus. Nur noch 26 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut, 55 Prozent als zufriedenstellend und 19 Prozent als schlecht. Der Geschäftslagesaldo ist von plus 15 auf plus 7 Punkte gesunken.
IHK-Präsident Frank Roth sieht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin kritisch:
„Angesichts weiterhin schwieriger struktureller Rahmenbedingungen, hoher Energiepreise und schwacher Inlandsnachfrage bleibt die Lage herausfordernd. Die verbesserten Geschäftsaussichten wirken sich jedoch kaum auf die Beschäftigung und Investitionen aus. Zwar ist die Investitionsbereitschaft etwas gestiegen, sie liegt jedoch weiterhin im Minus.“
Roth fordert deshalb weitere Veränderungen: „Wir brauchen substanzielle Reformen, niedrigere Kosten, weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und eine leistungsfähige Infrastruktur.“
Als wichtigstes Geschäftsrisiko nennen rund 60 Prozent der Unternehmen die schwache Inlandsnachfrage.
Jeweils 52 Prozent sehen hohe Energiepreise und möglicherweise weiter steigende Arbeitskosten als Problem. 45 Prozent nennen geopolitische Spannungen.
Der Fachkräftemangel spielt im Vergleich etwas weniger stark eine Rolle. 36 Prozent der Unternehmen sehen ihn derzeit als Risiko.
Auch auf dem Arbeitsmarkt erwartet die IHK vorerst keine deutliche Verbesserung.
Nur 11 Prozent der Unternehmen planen in den kommenden zwölf Monaten einen Personalaufbau. Gleichzeitig rechnen 26 Prozent mit einem Stellenabbau. Der Saldo der Beschäftigungserwartungen ist von minus 12 auf minus 15 Punkte gefallen.
Laut IHK wurden per Saldo seit mehr als zwei Jahren über alle Wirtschaftszweige hinweg keine neuen Stellen geschaffen.
Zusätzlich erschwert der Fachkräftemangel die Suche nach geeignetem Personal. Rund 42 Prozent der Unternehmen, die freie Stellen besetzen möchten, finden derzeit keine passenden Arbeitskräfte.
Auch bei Investitionen bleiben die Unternehmen vorsichtig. Der Investitionssaldo hat sich zwar von minus 17 auf minus 11 Punkte verbessert, liegt aber weiterhin im negativen Bereich.
22 Prozent der Betriebe wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr im Inland investieren. 44 Prozent wollen ihre Ausgaben auf dem bisherigen Niveau halten, rund ein Drittel plant geringere oder gar keine Investitionen.
Am häufigsten fließt Geld in den Ersatz bestehender Anlagen und Geräte. Danach folgen Investitionen in Digitalisierung, Produkt- und Prozessinnovationen sowie Rationalisierungsmaßnahmen.
Zwischen den Branchen gibt es deutliche Unterschiede. In Industrie und Dienstleistungssektor überwiegen bei den Geschäftserwartungen die Optimisten.
Im Baugewerbe und Einzelhandel rechnen dagegen mehr Unternehmen mit einer negativen Entwicklung.
Der vollständige Konjunkturbericht ist auf der Konjunkturseite der IHK Karlsruhe abrufbar.