Karlsruhe (pm/dk) – Karlsruhe steht vor schwierigen Haushaltsberatungen: Um ein Millionenloch im städtischen Haushalt zu stopfen, liegt ein ganzes Paket an Sparvorschlägen auf dem Tisch. Betroffen wären fast alle Lebensbereiche – von Schulen über Kultur bis hin zu Parkgebühren und Zoo-Eintritten. Selbst kleine Posten wie die Dauerkarte des Oberbürgermeisters beim KSC oder das Kleidergeld für Chauffeure tauchen in der Liste auf.
Die Stadt Karlsruhe steckt mitten in einer harten Sparrunde. Hintergrund ist das vom Regierungspräsidium genehmigte Haushaltsdefizit von 44,8 Millionen Euro, das dringend reduziert werden muss. Zwar konnten durch striktes Finanzcontrolling weitere Verschlechterungen im ersten Halbjahr verhindert werden, doch laut Finanzbericht droht zum Jahresende ein Minus von 70,6 Millionen Euro. Um gegenzusteuern, liegt nun ein umfangreiches Maßnahmenpaket auf dem Tisch, das Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe bringen soll. Die endgültige Entscheidung fällt aber erst in den Haushaltsberatungen vom 16. bis 18. Dezember 2025.
Am stärksten würde es die Verwaltung treffen: Unzählige Stellen in Ämtern, Dezernaten und Ortsverwaltungen sollen unbesetzt bleiben. Auch Beförderungen könnten verzögert und Arbeitszeitkontingente reduziert werden. Sogar bei kleinen Posten wird angesetzt – etwa beim Kleidergeld für die Fahrer der Bürgermeister oder der Dauerkarte des Oberbürgermeisters für den KSC. Zusammen mit größeren Maßnahmen wären hier mehrere Millionen Euro Einsparungen möglich.
Für Eltern, Schüler und soziale Projekte stünden spürbare Einschnitte bevor.
Schulbudgets könnten um fünf Prozent sinken. Auch Zuschüsse für Abi- und Entlassfeiern würden gestrichen.
Privatschulen, Schüleraustausche und Projekte wie das Reitinstitut von Neindorff verlören ihre Zuschüsse.
In der Sozialarbeit würden Mittel für Gewaltprävention, „Wellcome“ oder „Leihgroßeltern“ wegfallen.
Kindertagesstätten müssten höhere Verpflegungskosten verlangen, Geschwisterkind-Zuschüsse würden schrittweise auslaufen.
Auch Karlsruhe als Kultur- und Sportstadt wäre betroffen.
Das Sonderausstellungsprogramm im Stadtmuseum entfiele.
Zuschüsse an Kulturinstitutionen wie die VHS oder freie Projekte würden gekürzt.
In der Sportförderung fielen Fahrtkostenzuschüsse weg, Vereinszuschüsse würden gesenkt.
Die Musikschule erhöhte ab 2027 ihre Gebühren um zehn Prozent und striche kostenfreie Programme wie „Singen macht Schule“.
Viele Bürger würden die Sparrunde direkt im Geldbeutel spüren.
Die Hundesteuer soll von 132 auf 144 Euro steigen.
Die Zweitwohnungssteuer von 12 auf 14 Prozent, die Vergnügungssteuer leicht nach oben.
Parkgebühren auf öffentlichen Stellplätzen könnten sich verdoppeln, zusätzlich ist eine Erhöhung der Gebühren an Parkscheinautomaten im Gespräch.
Neue Gebühren wären etwa für Trautermine im Onlinekalender (30 Euro) oder Baumfällanträge (50 Euro).
Außerdem sollen die Eintrittspreise im Zoo und in den städtischen Bädern steigen.
Auch am Stadtbild und in der Umweltpolitik würde gespart.
Viele Zierbrunnen blieben künftig trocken, lediglich wenige wie die Marktplatzfontäne liefen weiter.
Blumenpflanzungen würden reduziert, Wettbewerbe wie „Gartenträume“ gestrichen.
Im Tiefbau würde der Ausbau von Fahrradstraßen verschoben, Werbemaßnahmen fürs Mobilitätsportal entfielen.
Der Klimaschutzfonds würde gekürzt, Maßnahmen stärker auf CO₂-Reduktion fokussiert.
Bevor die endgültigen Beschlüsse im Dezember fallen, können sich die Bürger selbst ein Bild machen: Am 20. November 2025 findet im Südwerk eine Informationsveranstaltung statt. Dort haben interessierte Einwohner die Möglichkeit, sich über die geplanten Kürzungen zu informieren und Fragen zu stellen.
Insgesamt hat die Verwaltung rund 362 Maßnahmen aufgelistet. Davon gelten Einsparungen von knapp 70 Millionen Euro im Jahr 2026 und gut 75 Millionen Euro im Jahr 2027 als plausibel und umsetzbar. Damit wird die vom Regierungspräsidium geforderte Einsparvorgabe von 80 Millionen Euro fast erreicht. Klar ist aber auch: Sollten die Stadträte im Dezember einzelne Vorschläge ablehnen, droht die Nicht-Genehmigung des Doppelhaushalts 2026/2027 – mit der Folge, dass Karlsruhe bis weit ins Jahr 2026 hinein ohne gültigen Haushalt dastehen könnte.