Hantavirus: Was passiert mit Kontaktperson aus dem Südwesten

12. Mai 2026 , 04:27 Uhr
Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» und wochenlangen Strapazen sind die symptomfreien Passagiere wieder zu Hause. Dort beginnen nun aber erneut lange Einschränkungen für sie. Auch die sogenannte Kontaktperson aus Baden-Württemberg muss zunächst in häusliche Quarantäne. Diese wird mindestens sechs Wochen dauern. Der betroffenen Person gehe es aber weiterhin gut, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Stuttgart. Es gebe keine Hinweise auf eine Infektion.

Menschen aus vier Bundesländern betroffen

Zur Identität machte das Ministerium keine Angaben, um die Persönlichkeitsrechte zu schützen. Die Person war als Teil eines Sonderisolierungstransports mit drei weiteren deutschen Passagieren am späten Sonntagabend aus dem niederländischen Eindhoven nach Deutschland gebracht worden.

Die Ankunft des Transports bestätigte ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt. Dort wurden die vier Menschen auf Krankheitssymptome untersucht. Danach sollten sie in ihre Heimatregionen nach Berlin und Bayern, Sachsen und in den Regierungsbezirk Stuttgart gebracht werden.

Das Gesundheitsamt begleite die Maßnahme eng, hieß es vom Ministerium. «Für die Bevölkerung in Baden-Württemberg besteht nach aktueller Bewertung kein Anlass zu besonderen Maßnahmen», betonte das Ministerium.

Tägliche Überprüfung der Symptome

Kontaktpersonen sind Menschen, die mit einem nachweislich Infizierten Kontakt hatten. In Deutschland empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) sechs Wochen Quarantäne für Kontaktpersonen ohne Symptome. Denn zwischen der Ansteckung und einem möglichen Ausbruch der Krankheit können bei diesem Erreger bis zu 45 Tage vergehen. Für flüchtige Alltagskontakte gibt es bislang aber keinen Hinweis auf eine relevante Übertragungsgefahr.

Die Quarantäne sei vom zuständigen Gesundheitsamt im Regierungsbezirk Stuttgart angeordnet worden und werde eng begleitet, hieß es zudem im Gesundheitsministerium. Der Zustand der betroffenen Person werde während der Zeit regelmäßig überwacht – dazu gehöre ein sogenanntes Symptomtagebuch. Bei Krankheitszeichen würden sofort weitere medizinische Schritte eingeleitet.

Evakuierung unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen

Die vier deutschen Passagiere waren zuvor von der Kanareninsel Teneriffa – wo die «Hondius» nach mehreren Wochen auf See angelegt hatte – in die Niederlande ausgeflogen worden. Vor Beginn der Ausschiffung hatten Ärzte eine epidemiologische Untersuchung an Bord durchgeführt. Dabei wurden bei keinem der 140 bis 150 Passagiere und Crewmitglieder Symptome festgestellt.

Ein weiterer deutscher Passagier war nach Großbritannien geflogen worden, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete. Der Deutsche lebt demnach in Großbritannien.

Ging Infektionskette von Ehepaar aus?

Nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es im Zusammenhang mit dem Ausbruch sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei Menschen starben, darunter eine Deutsche. Die WHO geht davon aus, dass sich ein niederländisches Ehepaar vor der Einschiffung in Argentinien infiziert haben könnte.

Experten: Keine große Gefahr wegen Hantavirus im Südwesten

Experten schätzen das Risiko einer Hantavirus-Ansteckung in Baden-Württemberg grundsätzlich als sehr gering ein. Zwar treten auch im Südwesten Jahr für Jahr Infektionen mit dem Hantavirus auf, teilte das Landesgesundheitsamt (LGA) in Stuttgart mit. Es handele sich dabei jedoch um einen anderen Virustypen als auf dem Schiff. Die in Südamerika auftretende Unterart «Andes» sei nicht mit dem in Baden-Württemberg regelmäßig auftretenden Typ «Puumala» vergleichbar.

Eine Ansteckung ist laut WHO zudem nur bei direktem und längerem Kontakt mit infizierten Menschen möglich. Die meisten Infektionen verliefen mild oder asymptomatisch; schwerere Verläufe treten vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen auf.

Starke Schwankungen bei den Fallzahlen

Vielen dürfte die seltene Infektionskrankheit daher bislang kaum bekannt gewesen sein. Im Südwesten infizieren sich jedes Jahr mehrere Dutzend Menschen mit dem «Puumala»-Typ des Hantavirus. Auffällig sind dabei die teils starken Schwankungen bei den Fallzahlen.

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