Rheinland-Pfalz (dpa/dk) – Fußball statt TikTok in der Pause: In Rheinland-Pfalz soll die private Handynutzung an Schulen künftig deutlich stärker eingeschränkt werden. Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig will dazu verbindliche Regeln vorlegen. Die Schülervertretung warnt allerdings vor pauschalen Verboten.
Rheinland-Pfalz will die Handynutzung an Schulen neu regeln. Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) plant, möglichst bis zum nächsten Schulhalbjahr verbindliche Vorgaben vorzulegen.
Nach ihren Vorstellungen soll mindestens bis zum Ende der 10. Klasse die private Nutzung von Handys während der Schulzeit verboten werden. Das sagte die Ministerin der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.
Noch sollen dazu Gespräche mit Schulträgern, Verbänden und innerhalb der Landesregierung laufen. Dabei geht es auch um die Frage, wie Regeln für Ganztagskinder, Berufsschulen und die Oberstufe aussehen könnten.
Eiling-Hütig betont, dass es ihr nicht um ein grundsätzliches Handyverbot geht. Es gehe um die private Nutzung während der Schulzeit. Dazu zählen auch Pausen und Wege auf dem Schulgelände, etwa zwischen Klassenräumen.
Einige Schulen in Rheinland-Pfalz arbeiten bereits freiwillig mit Handygaragen oder Fächern, in denen die Geräte abgelegt werden. Nun sollen daraus verbindliche und verpflichtende Regeln werden.
Ein allgemeines Verbot, Handys überhaupt mitzubringen, lehnt die Ministerin ab. Aus Sicherheitsgründen könne ein Handy wichtig sein, zum Beispiel auf dem Schulweg oder bei Verspätungen von Bus und Bahn. „Aber dafür braucht ein Handy keine Apps“, sagte Eiling-Hütig.
Die Ministerin kann sich eine Art „Kinderhandy“ vorstellen, mit dem Kinder und Jugendliche erreichbar bleiben. Gleichzeitig sollen Inhalte aus Apps, die kaum zu kontrollieren sind, nicht ständig auf Schülerinnen und Schüler einwirken.
Wichtig sei deshalb auch, die Eltern in die Diskussion einzubeziehen. Eiling-Hütig hält wenig von der Ansicht, dass Kindern soziale Teilhabe genommen werde, wenn sie das Handy weniger nutzen sollen. Sie sagte: „Denn dieses Gerät sorgt dafür, dass ich einen Mangel an sozialer Teilhabe habe, einen Mangel an sozialen Kontakten. Mir ist es wichtiger, dass Kinder in Präsenz Kontakt haben.“
Im Unterricht sollen Handys oder Tablets nach den Vorstellungen der Ministerin aber weiter gezielt eingesetzt werden können. Als Beispiel nannte sie den Sozialkundeunterricht. Dort könne man eine TikTok-Sequenz anschauen und anschließend darüber sprechen.
So könnten Themen wie Fake News, der Umgang mit Künstlicher Intelligenz oder die Aufbereitung von Ereignissen im Unterricht behandelt werden.
Unterstützung bekommt Eiling-Hütig von Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU). Er hatte betont, dass Lernruhe und soziales Miteinander in Schulen wichtig seien. Die private Handynutzung in Unterrichts- und Schulzeit müsse Lehr- und Lernzwecken vorbehalten sein.
Auch der Landkreistag unterstützt diese Haltung. Die SPD als Koalitionspartner hatte vor der Landtagswahl ein generelles Handyverbot an Schulen abgelehnt. Stattdessen sprach sie sich für altersgestaffelte Regeln aus, abgestimmt mit Schule und Medienpädagogik.
Die Landesschülerinnen- und Landesschülervertretung warnt vor pauschalen Handyverboten an Schulen und möglichen Social-Media-Verboten.
Probleme wie Cybermobbing, problematische Inhalte oder exzessive Mediennutzung dürften nicht ignoriert werden. Pauschale Verbote seien aus Sicht der LSV aber keine nachhaltige Lösung. Sie würden die Ursachen nicht beseitigen, sondern die Probleme nur aus dem Blickfeld verschieben.
Die Schülervertretung macht deutlich, dass Cybermobbing nicht verschwinde, wenn das Smartphone in der Tasche stecke. Ein Handyverbot bekämpfe nicht den Hass im Netz, sondern verlagere das Problem ins Private.
Aus Sicht der LSV brauchen Schulen vor allem emotionale Unterstützung, echte Aufklärung und mehr Kompetenz im Umgang miteinander. Schülerinnen und Schüler müssten lernen, digitale Medien verantwortungsvoll zu nutzen, Risiken zu erkennen und sich vor Gefahren wie Cybermobbing, Hassrede oder Desinformation zu schützen.