Region (pm/dk) – Nicht zu schnell gefahren, sondern am Handy erwischt: Sogenannte Monocams sollen unerlaubte Handynutzung am Steuer erkennen. In Rheinland-Pfalz setzt die Polizei die Technik bereits ein. Auch Baden-Württemberg prüft einen möglichen Einsatz – einen Einführungstermin gibt es allerdings noch nicht.
Die Überwachung unerlaubter Handynutzung gehört nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums seit Jahren zu den Schwerpunkten der Verkehrskontrollen. Nun beschäftigt sich das Land auch mit den sogenannten Handyblitzern.
Das Ministerium beobachtet die Entwicklung und die Rechtsprechung in Rheinland-Pfalz und steht mit anderen Bundesländern im Austausch. Ein entscheidender Punkt ist dabei die rechtliche Grundlage: Rheinland-Pfalz hat dafür 2025 eine eigene Regelung geschaffen.
Für den Südwesten stellt das Innenministerium klar: „Eine vergleichbare Rechtsgrundlage für den Einsatz von Monocams in Baden-Württemberg existiert bislang nicht.“
Handyblitzer wurden hier bislang auch noch nicht getestet. Wann die Prüfung abgeschlossen sein wird, kann das Ministerium derzeit nicht sagen.
Monocams beobachten den vorbeifahrenden Verkehr und filmen dabei in die Fahrzeuge. Eine Software mit Künstlicher Intelligenz sucht nach Anzeichen dafür, dass Fahrerinnen und Fahrer unerlaubt ein Mobiltelefon benutzen.
Matthias Emmerich, Leiter der Polizeiinspektion Trier, erklärt im Interview, dass das System die erfassten Bilder mit einem Bestand von rund 20.000 Fotos abgleicht. Dabei geht es etwa um unterschiedliche Situationen, in denen Menschen ein Handy in der Hand halten.
Erkennt die Software einen möglichen Verstoß, wird die Aufnahme gespeichert und anschließend ausgewertet. Erst wenn sich der Verdacht bestätigt, folgt eine Ordnungswidrigkeitenanzeige. Ein von der Kamera erkanntes Handy bedeutet also nicht automatisch eine Anzeige.
Nach Angaben von Emmerich läuft der reguläre Einsatz im Bereich Trier seit Anfang 2026. Im ersten Halbjahr wurden dort mit dem System mehr als 600 Verstöße festgestellt.
Der Polizeichef sieht die Technik als Ergänzung zu den bisherigen Kontrollen. Er warnt: „Wir erkennen immer mehr, dass diese Ablenkung zu schweren Verkehrsunfällen führt.“
Bereits in der wissenschaftlich begleiteten Erprobungsphase habe sich gezeigt, dass die Kontrollen dazu beitragen könnten, die Handynutzung am Steuer zu verringern. Emmerich setzt dabei auf eine Kombination aus Aufklärung, Hinweisschildern auf die Kontrollen und der Ahndung festgestellter Verstöße.
Wie häufig das Problem im Südwesten auftritt, zeigen die Zahlen des Innenministeriums: 2025 stellte die Polizei rund 82.000 Handyverstöße fest. Bei 9,9 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle war Ablenkung eine Unfallursache – nach Angaben des Ministeriums zumeist durch das Handy.
Auch in der Region beschäftigt das Thema die Polizei. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Pforzheim wurden im vergangenen Jahr 4.264 Handyverstöße zur Anzeige gebracht, berichtet Pressesprecher Benedikt Sängle im Interview.
Die tatsächliche Zahl dürfte nach seiner Einschätzung höher liegen: „Die Dunkelziffer ist da mutmaßlich wesentlich größer. Wir können natürlich auch nicht überall gleichzeitig sein.“
Sängle verdeutlicht die Gefahr mit einem Rechenbeispiel: Wer bei Tempo 30 drei Sekunden aufs Handy schaut, legt in dieser Zeit rund 25 Meter zurück. Bei 100 Kilometern pro Stunde sind es bereits etwa 83 Meter.
Nach einem Unfall sei es allerdings oft schwierig nachzuweisen, dass die Handynutzung tatsächlich die Ursache war. Dafür müsste unter anderem der genaue Unfallzeitpunkt mit einer möglichen Nutzung abgeglichen werden können.
Für unerlaubte Handynutzung am Steuer nennt Sängle 100 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Werden andere gefährdet oder kommt es zu einem Unfall, können höhere Bußgelder, zwei Punkte und ein Fahrverbot folgen.
Unabhängig davon, ob künftig Monocams eingesetzt werden, appelliert der Polizeisprecher an die Eigenverantwortung. Fahrerinnen und Fahrer sollten sich bewusst machen, „dass kein Anruf oder keine Nachricht es wert ist, dass ein Menschenleben draufgeht“.