Karlsruhe (pm/dk) – Während große Unternehmen in der Region Stellen abbauen, zeigt sich das Handwerk weiter robust. Bei der Jahres-Pressekonferenz der Handwerkskammer Karlsruhe wurde deutlich: Das regionale Handwerk wächst – bei den Betrieben ebenso wie bei den Auszubildenden.
„Großkonzerne bauen derzeit auch in der Region massiv Stellen ab. Nicht so das Handwerk, das vergleichsweise krisenfest ist. Das spricht sich bei Schülerinnen, Schülern und deren Eltern herum“, sagte Präsident Karsten Lamprecht.
Diese Einschätzung spiegelt sich auch in den Ausbildungszahlen wider.
Ins aktuelle Ausbildungsjahr starteten 2.386 Lehrlinge in der Region. Das entspricht einem Plus von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt die Handwerkskammer Karlsruhe an der Spitze aller acht baden-württembergischen Handwerkskammern.
Lamprecht betont, dass junge Menschen im Handwerk nicht nur Sicherheit sehen, sondern auch Perspektiven: „Sie erkennen auch, dass sich im Handwerk die Zukunft gestalten lässt. Ich nenne nur Energiewende, E-Mobilität, Infrastrukturprojekte und Digitalisierung.“
In den sieben Stadt- und Landkreisen des Kammerbezirks gibt es inzwischen 20.858 Betriebe – ein neues Allzeithoch. Im Vorjahr waren es noch 20.674.
„Das ist ein Allzeithoch. Es belegt ebenfalls eindrücklich die Bedeutung des Handwerks. Ohne uns ginge nichts in der Region“, sagte Hauptgeschäftsführer Walter Bantleon.
Die Betriebe beschäftigen aktuell rund 113.850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielten – wie im Vorjahr – einen Umsatz von 18,2 Milliarden Euro.
In der jüngsten Konjunkturumfrage der Handwerkskammer rechnen 22 Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung der Geschäftslage im ersten Quartal 2026. 51 Prozent erwarten eine gleichbleibende Situation, 27 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.
Bantleon sagt dazu: Jede Optimistin und jeder Optimist sei gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besonders wertvoll. Die deutsche Volkswirtschaft wuchs 2025 lediglich um 0,2 Prozent.
Im letzten Quartal 2025 bewerteten 43 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut, 38 Prozent als befriedigend und 19 Prozent als schlecht. Damit habe sich die Einschätzung etwas von „gut“ hin zu „befriedigend“ verschoben, während der Anteil „schlecht“ nahezu konstant blieb.
Auffällig ist laut Handwerkskammer, dass das Konjunkturprogramm der Bundesregierung bei Bau- und Ausbaugewerken wie Maurern, Betonbauern, Malern oder Klempnern bislang kaum Wirkung zeigt. Dort habe sich die Lage verschlechtert.
Besser läuft es hingegen im Gesundheitshandwerk, etwa bei Augenoptikern und Hörakustikern. Auch das Nahrungsmittelhandwerk profitierte erneut vom Weihnachtsgeschäft.
Erfreulich aus Sicht der Kammer: Die Zahl der Jungmeisterinnen und -meister ist zuletzt auf 380 gestiegen. „Das zeigt: Das Handwerk macht sich fit für die immer komplexeren Aufgaben, die es zu bewältigen hat“, so Bantleon.
Das Handwerk funktioniere in weiten Teilen nur durch Mitarbeitende aus aller Welt. „Das Handwerk leistet meisterhaft Integration“, sagte Bantleon. Menschen mit Migrationshintergrund ließen sich kaum besser integrieren als durch Arbeit und den täglichen Kontakt mit Kolleginnen, Kollegen und Kunden.
Auch bei den Auszubildenden zeigt sich diese Entwicklung deutlich: Die Zahl der Azubi-Neuverträge mit Menschen mit Fluchthintergrund (ohne Ukraine) stieg von 175 auf 659. Die Zahl der Berufsstarter aus der Ukraine erhöhte sich von 39 auf 179.
Zu den beliebtesten Ausbildungsberufen zählen weiterhin Kfz-Mechatroniker, Elektroniker sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.
Auffällig ist zudem ein steigendes Bildungsniveau: Der Anteil der neuen Auszubildenden mit Abitur oder Fachhochschulreife wuchs von 15,2 auf 16,6 Prozent. Auch der Frauenanteil legte zu – von 17,5 auf 18,6 Prozent.
Zum Bezirk der Handwerkskammer Karlsruhe gehören die Stadt und der Landkreis Karlsruhe, die Stadt Pforzheim und der Enzkreis, der Landkreis Calw sowie die Stadt Baden-Baden und der Landkreis Rastatt.