Karlsruhe (pm/dk) – Fehlende Aufträge, steigende Insolvenzen und Personalabbau: Bundesweit ist die Lage im Handwerk angespannt. Die aktuelle Untersuchung von Creditreform zeichnet ein eher düsteres Bild. In der Region fällt die Einschätzung dagegen spürbar besser aus. Die Handwerkskammer Karlsruhe spricht von einem weiterhin stabilen Handwerk – auch wenn es nicht in allen Bereichen gleich gut läuft.
Creditreform beschreibt die Stimmung im Handwerk nach dem 15-Jahres-Tief im Vorjahr zwar als leicht verbessert, insgesamt leiden aber viele Betriebe weiter unter den Folgen der Wirtschaftskrise. Vor allem fehlende Aufträge und sinkende Umsätze machen demnach vielen Unternehmen zu schaffen.
In der Region Karlsruhe ist der Ton ein anderer. Walter Bantleon, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe, sagt: „Am regionalen Konjunkturhimmel, beim Handwerk, stehen zum Glück […] mehr Sonne als Wolken.“ Und weiter: „Unsere 21.000 Mitgliedsbetriebe haben die schwarze Null geschafft und wieder rund 18 Milliarden Euro erwirtschaftet.“
Nach Angaben der Handwerkskammer ist die Lage vor allem bei Sanierung, Modernisierung und Energiethemen stabil. Auch im Bauhauptgewerbe gibt es demnach positive Anzeichen. Bantleon sagt aber auch: „Zur Wahrheit und zum vollständigen Bild gehört, dass die Situation bei den Zuliefererbetrieben für die Industrie angespannt ist.“
Bundesweit ist die Zahl der Insolvenzen von Handwerksbetrieben laut Creditreform 2025 um 13,3 Prozent gestiegen. Mit 4.950 Fällen wurde der höchste Stand seit gut zehn Jahren erreicht. 2024 waren es noch 4.370.
In der Region Karlsruhe hat sich die Zahl der Insolvenzen laut Handwerkskammer zwar ebenfalls leicht erhöht, von einer schweren Krise will dort aber niemand sprechen.
Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich bundesweit eine schwierige Entwicklung. Creditreform berichtet, dass die schwache Konjunktur zunehmend Spuren hinterlässt. Ende Januar 2026 erreichte die Zahl der Arbeitslosen den höchsten Stand seit rund zehn Jahren.
In der Region Karlsruhe ist die Lage nach Angaben der Handwerkskammer deutlich robuster. Bantleon sagt: „Was wir jeden Tag in den Medien mitbekommen ist, dass die Großkonzerne massiv Stellen abbauen. Nicht so im regionalen Handwerk. Unsere Beschäftigtenzahlen sind stabil.“
Er verweist außerdem auf einen weiteren Unterschied zur Gesamtwirtschaft: „Die Arbeitslosenquote im Handwerk ist nur halb so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Also wir haben im Handwerk weiterhin praktisch eine Jobgarantie.“
Wenn über das Handwerk gesprochen wird, geht es oft auch um fehlenden Nachwuchs.
Für die Region Karlsruhe meldet die Handwerkskammer hier aber eine positive Entwicklung. Bantleon sagt: „Genau da trumpft das regionale Handwerk auf. Wir freuen uns über einen Ausbildungsplus. Mit fast 8 % mehr Auszubildenden haben wir einen Spitzenwert in Baden Württemberg.“
Zugleich seien weiterhin Ausbildungsplätze offen. Laut Bantleon zeigt ein Blick in die Lehrlingsbörse, „junge Menschen, die ins Handwerk wollen, finden sicherlich einen Ausbildungsplatz in unseren über 136 Ausbildungsberufen, die das Handwerk bietet.“
Creditreform sieht auch bei der Nachfolge ein Problem. Die klassische Übergabe innerhalb der Familie verliere an Bedeutung. Gleichzeitig seien auch externe Lösungen häufig schwer umzusetzen.
Auch Walter Bantleon sieht hier Herausforderungen, betont aber zugleich die Chancen: „Ja, da gilt zunächst, dass Familienbetriebe im Handwerk nach wie vor einen super hohen Stellenwert haben.“ Viele Betriebe seien seit Generationen in Familienhand. Zugleich stünden in den kommenden Jahren viele Übergaben an. Bantleon sieht darin auch Möglichkeiten: „[…] positiv gewendet sind das super Chancen für potenzielle externe Betriebsübernehmerinnen und Betriebsübernehmer.“
Unterm Strich ist der Unterschied klar: Während Creditreform bundesweit ein Handwerk unter Druck beschreibt, zeigt sich die Lage in der Region deutlich stabiler. Aufträge in wichtigen Bereichen, stabile Beschäftigtenzahlen, steigende Ausbildungszahlen und keine dramatische Insolvenzentwicklung – das sind die Punkte, mit denen das regionale Handwerk gegen den Bundestrend hält.
Bantleon fasst die Haltung so zusammen: „Es sagt natürlich niemand, dass es leicht ist. Aber es gehört zur DNA vom regionalen Handwerk, dass wir nicht den Kopf in den Sand stecken.“
Und mit Blick auf junge Menschen im Handwerk sagt er: „Ein Ausbildungsberuf im Handwerk ist […] ein zukunftssicherer Karriereweg. Auf alle Fälle.“
Die Handwerkskammer Karlsruhe umfasst die Regionen Karlsruhe, Calw, Baden-Baden, Rastatt, Pforzheim, sowie den Enzkreis.