Neue Landesregierung in Baden-Württemberg

Grün-schwarzer Koalitionsvertrag unterzeichnet - das ist Özdemirs Regierungsmannschaft

11. Mai 2026 , 17:13 Uhr

Stuttgart (dpa/tk) – Vom CDU-Hoffnungsträger Manuel Hagel bis zum grünen Rap-Fan Danyal Bayaz: Im grün-schwarzen Kabinett sitzen viele alte Bekannte, aber auch ein paar neue Gesichter. Die wichtigste Personalie der neuen Landesregierung steht längst fest: Grünen-Wahlsieger Cem Özdemir will sich am Mittwoch vom Landtag zum neuen Ministerpräsidenten wählen lassen.

Aber wie sieht sein neues Kabinett aus? Die CDU verkündet offiziell beim Parteitag am Samstag, wer Minister oder Ministerin wird, bei den Grünen passierte dies am heutigen Montag, zur Unterzeichnung des neuen gemeinsamen Koalitionsvertrags.

Innenminister Manuel Hagel (CDU

Hagel ist Vizeregierungschef und damit zweitwichtigster Mann der Koalition – und bald hat er das prestigeträchtigste Fachressort inne. Es ist ein weiterer Schritt in der Blitzkarriere des CDU-Landeschefs. Der 38-Jährige ist damit verantwortlich für rund 25.000 Polizistinnen und Polizisten im Land und zuständig für die Kommunen. Mit Themen wie Kriminalitätsbekämpfung oder Terrorabwehr kommt man leicht in die Schlagzeilen. Der Ehinger kann sich auf dem Posten profilieren für die nächste Wahl. Allerdings ist der Job auch mit Risiken verbunden – Polizeieinsätze etwa können auch mal schiefgehen.

Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne)

Ohne Moos nix los. Deshalb ist das Finanzministerium wohl das einflussreichste Ressort der Regierung. Dort wird entschieden, wo das Geld hinfließt. In Zeiten knapper Kassen keine leichte Aufgabe – bis 2029 fehlen im Haushalt knapp 14 Milliarden Euro. Wie gut, dass Danyal Bayaz (42) bereits Erfahrung mit dem Posten besitzt. Seit 2021 ist der ehemalige Unternehmensberater oberster Kassenwart im Südwesten. Sein Posten galt früh als gesetzt, so sehr die CDU das Finanzressort auch gern gehabt hätte. Schließlich ist Bayaz auch ein enger Vertrauter von Özdemir. Der Heidelberger ist mit der bayerischen Grünen-Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze liiert und hört gerne Rap.

Kultusminister Andreas Jung (CDU)

Es ist die Überraschung im Postenkarussell: Der Bundestagsabgeordnete Andreas Jung wird Kultusminister, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr. Der 50-Jährige vom Bodensee gilt als profiliertester Klimapolitiker der CDU. Seit 2016 führt er die Landesgruppe der CDU-Abgeordneten aus Baden-Württemberg an. In sein neues Themenfeld wird sich der studierte Jurist noch einarbeiten müssen. Jung ist künftig nicht nur für die knapp 145.000 Lehrkräfte im Südwesten verantwortlich, sondern dürfte wie die Vorgänger unter Beschuss stehen von Kindern und Jugendlichen, Eltern, Lehrern und Verbänden. Sein größtes Projekt dürfte die Einführung eines verpflichtenden und kostenlosen letzten Kindergartenjahres werden.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU)

Sie gilt als so etwas wie die ewige Wackelkandidatin. Bereits nach der vergangenen Landtagswahl 2021 war lange unklar, ob sie bleiben kann. Im U-Ausschuss rund um das Debakel um den Pavillon bei der Expo in Dubai hatte sie nach Ansicht eigener Leute eine schwache Figur abgegeben. Nun gilt es als wahrscheinlich, dass es die 53-Jährige erneut ins Kabinett schafft. Hagel wollte das Wirtschaftsministerium am Ende nicht für sich selbst – obwohl er doch das Thema Wirtschaft in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs gestellt hatte. Aber sein Gestaltungsspielraum wäre beschränkt gewesen. Hoffmeister-Kraut ist Mitbesitzerin der Waagen-Firma Bizerba, verheiratet und hat drei Kinder.

Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU)

Nicole Razavi ist eine der erfahrensten Politikerinnen des Landes – seit 20 Jahren sitzt sie im Landtag für den Wahlkreis Geislingen. Die 60-Jährige gilt als durchsetzungsstarke Netzwerkerin mit klar konservativem Profil. Vom 2021 neu geschaffenen Bauministerium wechselt sie nun in das Verkehrsressort – der Bereich, in dem sie sich über viele Jahre profilierte, vor allem als Kritikerin der grün-roten Verkehrspolitik und besonders von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). In ihrer neuen Rolle muss sich Razavi auch um die Probleme beim Bahnprojekt Stuttgart 21 kümmern, das sie einst stark unterstützte.

Justizminister Moritz Oppelt (CDU)

Moritz Oppelt (37) gehört zu den jüngeren Gesichtern der CDU in Baden-Württemberg. Der gebürtige Heidelberger ist Bezirkschef der CDU in Nordbaden – und enger Vertrauter von Parteichef Hagel. Oppelt zog 2021 in den Bundestag ein, bei der Bundestagswahl 2025 verfehlte er aber den Wiedereinzug, obwohl er seinen Wahlkreis Rhein-Neckar direkt gewann – wegen des neuen Wahlrechts. Oppelt spielte eine wichtige Rolle in der Regierungsbildung und ist Jurist – damit bietet sich das Justizressort für ihn an.

Agrarministerin Marion Gentges (CDU)

Eigentlich war Marion Gentges das Justizministerium wie auf den Leib geschneidert: Schließlich ist sie Fachanwältin für Arbeitsrecht. Nun wechselt die 54-Jährige das Ressort. Es wird spekuliert, dass sie als Agrarministerin die Nachfolge von Peter Hauk antreten könnte. Seit Jahrzehnten ist Gentges in der CDU,  sie vertritt den Bezirksverband Südbaden. Sie gilt als erfahren, sachlich und umgänglich – und müsste sich in ein neues Aufgabenfeld einarbeiten. Dazu gehört die Verantwortung für den ländlichen Raum, für die Landwirtschaft und auch das Thema Heimat, das neu im Namen des Ministeriums ist.

Umweltministerin Thekla Walker (Grüne)

Sie kümmert sich bereits seit 2021 um das grüne Kernthema und dürfte ziemlich sicher auch weiter für die Themen Umwelt und Klimaschutz zuständig bleiben. Die entsprechende Arbeitsgruppe bei den Koalitionsverhandlungen mit der CDU leitete Thekla Walker bereits. Die 57-Jährige hätte auch inhaltlich noch einiges zu tun, ging doch in der vergangenen Legislaturperiode der geplante Ausbau der Windkraft nur sehr schleppend voran. Walker vertritt seit 2016 den Wahlkreis Böblingen im Landtag. Zuvor war die Naturpädagogin fünf Jahre lang Landeschefin der Grünen im Südwesten.

Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne)

Auch bei ihr gilt es als sicher, dass sie im Amt bleibt: Wissenschaftsministerin Petra Olschowski gilt als kompetent und zugewandt. Sie führt das Haus seit Herbst 2022 und war zuvor bereits Staatssekretärin unter ihrer Vorgängerin Theresia Bauer. Die 60-Jährige war Journalistin, führte eine Kunststiftung und leitete die Kunstakademie in Stuttgart. Seit 2021 ist Olschowski Landtagsabgeordnete und vertritt dort den Stuttgarter Osten.

Sozialminister Oliver Hildenbrand (Grüne)

Auch wenn Cem Özdemir seine Ministerinnen und Minister noch nicht offiziell benannt hat: Der Name von Oliver Hildenbrand fällt sehr häufig, wenn es um den Job an der Spitze des Sozialministeriums geht. Der 38-Jährige ist eigentlich Experte für Innenpolitik, beschäftigte sich im Sozialausschuss aber auch mit Themen wie Integration, Gesundheit oder Antidiskriminierung. Er gilt als einflussreicher Vertreter des linken Flügels der Partei und war von 2013 bis 2021 Landeschef der Partei. Der studierte Psychologe sitzt seit 2021 im Landtag und vertritt dort den Stuttgarter Norden.

Bauministerin Theresa Schopper (Grüne)

Die bisherige Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) soll in der neuen Landesregierung Wohnungsbauministerin werden. Die 65-Jährige stammt aus Bayern und gilt als enge Vertraute des scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Bevor sie Kultusministerin wurde, war sie im Staatsministerium für die Koordination der grün-schwarzen Landesregierung zuständig. Im Kultusministerium brachte sie die Rückkehr zu G9 und die Stärkung der Sprachförderung auf den Weg.

Und was wird aus Boris Palmer?

Und dann ist da noch ein Name, der immer wieder fällt: Boris Palmer. Der ehemalige grüne und inzwischen parteilose Oberbürgermeister von Tübingen wurde bereits vor der Wahl als potenzieller Minister gehandelt, nachdem er sich im Wahlkampf immer wieder mit Özdemir gezeigt hatte. Nach der Wahl hatte Palmer betont, er wolle in Tübingen bleiben. In Medien gibt es Spekulationen, er könne in der Landesregierung als ehrenamtlicher Staatsrat für den Bürokratieabbau zuständig sein. Das ginge wohl neben seinem Job als Oberbürgermeister.

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