Region (dk) - Wie viel Grenzkontrolle braucht Europa? Wie lassen sich Engpässe bei Medikamenten verhindern? Und welche Regeln braucht Künstliche Intelligenz? Für die Europaabgeordnete Marie-Sophie Christ sind das zentrale Aufgaben europäischer Politik – mit Auswirkungen auf den Alltag in unserer Region.
Seit knapp einem halben Jahr vertritt Marie-Sophie Christ die Region Nordbaden im Europäischen Parlament – von Mannheim über Karlsruhe, Pforzheim und Rastatt bis nach Freudenstadt. Mit 31 Jahren ist sie die jüngste Abgeordnete der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament. Die Interessen der jüngeren Generation einzubringen, versteht sie deshalb als besonderen Auftrag: „Gerade Generationengerechtigkeit ist in der aktuellen politischen Lage ja auch eines der Zukunftsthemen.“
Gerade in der Nachbarschaft zu Frankreich stellt sich die Frage, wie Grenzkontrollen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit zusammenpassen. Christ will die Freizügigkeit innerhalb Europas erhalten und zugleich die Außengrenzen schützen. Menschen, die Schutz benötigen, sollen diesen weiterhin bekommen. Kontrollen innerhalb der EU hält sie je nach Lage für notwendig, betont aber: „[...] Grenzkontrollen sind natürlich immer nur ein temporärer Schritt.“
Bei der Arzneimittelversorgung sieht Christ Handlungsbedarf wegen Lieferengpässen und der Abhängigkeit von der Produktion in Asien. Sie will mehr Herstellung in Europa ermöglichen und Engpässe früher erkennen: „Und da fokussieren wir uns aktuell auch darauf, dass wir die Abhängigkeiten reduzieren.“ Dazu gehören für sie auch die Förderung von Forschung und europäischen Produktionsstätten – ein Thema mit Bedeutung für die Medizin- und Forschungsstandorte in unserer Region.
Zum Schutz der Gesundheitsversorgung gehört für Christ auch die Abwehr von Cyberangriffen. Europäische Sicherheitsvorgaben sollen aus ihrer Sicht dazu beitragen, dass Angriffe auf Krankenhäuser seltener erfolgreich sind. Dabei nimmt sie nicht nur die Kliniken selbst in den Blick, sondern auch externe Dienstleister, die mit ihnen zusammenarbeiten.
Verwaltungsaufwand ist für Christ ein Thema, das Unternehmen, Handwerk und Kammern gleichermaßen beschäftigt. Sie unterstützt sogenannte Omnibus-Pakete, mit denen bestehende EU-Vorgaben vereinfacht werden sollen. Entscheidend ist für sie, die Erfahrungen aus der Praxis einzubeziehen. Als Ziel nennt sie bis 2029 mindestens 25 Prozent weniger Verwaltungslasten, für kleine und mittlere Unternehmen bis zu 35 Prozent.
„Künstliche Intelligenz bringt auch sehr große Risiken mit sich, aber auch Chancen.“ Christ befürwortet deshalb europäische Regeln und höhere Sicherheitsstandards für besonders riskante KI-Anwendungen. Ein wichtiger Punkt ist für sie der Schutz von Kindern und Jugendlichen. Risiken sieht sie unter anderem darin, dass emotionale Bindungen zu KI-Anwendungen entstehen können.
Die Interessen jüngerer Menschen will Christ ausdrücklich in die europäische Politik einbringen: „Gerade Generationengerechtigkeit ist in der aktuellen politischen Lage ja auch eines der Zukunftsthemen.“ Für die Zukunft der EU wünscht sie sich Zusammenhalt und eine Politik, deren Nutzen im Alltag ankommt: „[...] dass die Menschen die EU als Mehrwert wahrnehmen und nicht als Last.“