Stuttgart (dpa/tk) – Internetseiten, Onlineshops und Nachrichtenportale weltweit sind nicht erreichbar. Wegen eine neu entdeckten Sicherheitslücke wurden Webseiten vorsorglich abgeschaltet.
Eine neu entdeckte, schwerwiegende Sicherheitslücke bringt weltweit das Fundament zahlreicher Webseiten und Onlinedienste ins Wanken. Betroffen ist die weit verbreitete Programmiersprache PHP, auf der ein Großteil des gesamten Internets basiert – von einfachen Blogs über große Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops und Content-Management-Systemen wie WordPress.
Experten schätzen, dass allein mit WordPress weltweit zwischen 400 und 500 Millionen Webseiten betrieben werden. Auf PHP setzen aber auch andere populäre Content-Management-Systeme auf wie Moodle, Joomla!, Typo3 und Drupal.
Neben dem IT-Sicherheitsunternehmen Huntress und dem PHP-Sicherheitsteam schlägt auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Alarm und hat eine offizielle Cybersicherheitswarnung herausgegeben.
In seiner veröffentlichten Warnung (Aktenzeichen BITS-H Nr. 2026-297981-1032) ordnet das BSI das Risiko mit der Warnstufe «3 / Orange» als außerordentlich hoch ein. Dies bedeutet, dass unverzüglich Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen, da eine massive Beeinträchtigung des Regelbetriebs droht. Das BSI wies in seiner Mitteilung explizit darauf hin, dass von den Schwachstellen ein herausragendes Bedrohungspotenzial ausgeht.
Das Gefahrenpotenzial dieser Lücken ist immens: Kriminelle Akteure können die Schwachstelle ausnutzen, um ohne vorherige Anmeldung aus der Ferne einen eigenen Schadcode auf den betroffenen Servern auszuführen (Remote Code Execution). In der Praxis ermöglicht dies Angreifern, die vollständige Kontrolle über eine Website zu übernehmen, sensible Datenbanken und Kundendaten abzugreifen oder die Infrastruktur für weitere Cyberattacken zu missbrauchen.
Die Einschätzungen der Sicherheitsbehörden zeigen bereits erste drastische Auswirkungen im öffentlichen Leben. Mehrere Bundesländer, Kommunen und Behörden sind der Empfehlung des BSI gefolgt und haben ihre Online-Angebote vorübergehend abgeschaltet, um Angreifern keine Angriffsfläche zu bieten. Entsprechend reagiert haben aber auch Universitäten und Krankenhäuser.
Die Entwickler des PHP-Projektes haben am Mittwochnachmittag aktualisierte Versionen der Webskriptsprache veröffentlicht, in denen die Sicherheitslücken geschlossen wurden.
Für normale Internetnutzer besteht beim alltäglichen Surfen auf dem Smartphone oder PC zwar kein direkter Handlungsbedarf, da sich die Sicherheitslücke nicht auf den Endgeräten der Anwender befindet, sondern auf den Servern im Hintergrund.
Dennoch können Verbraucher indirekt betroffen sein – etwa durch Ausfälle wichtiger Onlinedienste oder potenzielle Datenabflüsse auf nicht rechtzeitig geschützten Webseiten. Die Entwickler der Programmiersprache sowie Hosting-Anbieter weltweit arbeiten rund um die Uhr daran, die Lücken zu schließen.