Geldautomaten fliegen immer seltener in die Luft

10. August 2025 , 15:00 Uhr

Weniger Automaten gesprengt als im Vorjahr

Baden-Württemberg ist nicht mehr länger der Hotspot für Geldautomaten-Sprenger. Nach einem deutlichen Anstieg der Anschläge auf Banken und Sparkassen im vergangenen Jahr flogen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres (Stand: 07.07.2025) sieben Automaten in die Luft. Im ersten Halbjahr des Vorjahres waren es noch 28 – also 75 Prozent mehr, wie das Innenministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Unter anderem traf es zuletzt Geldinstitute in Friolzheim (Enzkreis) und Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis) sowie in Graben-Neudorf und in Stutensee (beides Kreis Karlsruhe). Nach Angaben des Ministeriums detonierte in allen sieben Fällen selbstgebauter Explosivstoff. Fünfmal entkamen die Täter mit Bargeld in einer Höhe von insgesamt rund 400.000 Euro. Festnahmen gab es keine.

Lange galt Baden-Württemberg als Hotspot

Die Zahlen überraschen. Denn anders als im Bund und den meisten anderen Bundesländern war die Zahl der Sprengungen im Südwesten im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Nach 42 Fällen im Jahr 2023 waren es im vergangenen Jahr noch 43, darunter 12 Versuche. Es wurde Geld in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro erbeutet, im Jahr zuvor waren es rund 1,9 Millionen Euro.

Allerdings ist das oft das kleinere Übel: Denn fast immer liegen die Schäden an Gebäuden und Automaten um ein Vielfaches über dem Wert des gestohlenen Bargeldes. Der Grund: Kriminelle benutzen inzwischen fast ausschließlich die noch verheerenderen Festsprengstoffe statt Gas für ihre Explosionen. Im vergangenen Jahr lag der Sachschaden bei 5,7 Millionen Euro. Diese Summe ersetzten die Versicherungen den Geldinstituten, wie der Gesamtverband der Versicherer mitteilte.

Frankreich als Rückzugsraum

Aus Sicht der Experten sind die Täter auch immer professioneller geworden. Der hohe Anteil erfolgreicher Sprengungen liege vor allem an der Verwendung fester Explosivstoffe, die bei der Detonation eine enorme Wirkung hätten, heißt es dazu auch im Sicherheitsbericht des Landes für das vergangene Jahr. Zunehmend nutzten Kriminelle auch Frankreich als logistischen Ausgangspunkt und Rückzugsraum. Die Täter stammen laut Ministerium nach wie vor überwiegend aus den Niederlanden, häufig aus den Bereichen Utrecht und Amsterdam, die meisten haben marokkanische Wurzeln.

Im Kampf gegen die Geldautomaten-Banden spricht der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit Blick auf die jüngsten Zahlen von einem engen Schulterschluss zwischen Polizei, Justiz, Kreditinstituten und Versicherungen. Unter anderem richte das Landeskriminalamt Arbeitstagungen mit der Deutschen Kreditwirtschaft aus. Ein Ergebnis: Das LKA analysiert bei nahezu allen Geldautomaten, wie gefährdet oder riskant die Standorte sind.

LKA analysiert das Risiko für die Standorte

Zunehmend gibt es auch mechanische und elektronische Sicherungstechniken, etwa Einfärbe-Systeme in Geldkassetten und Vernebelungsanlagen. Experten raten Banken auch zu speziellen Klebesystemen. Dabei wird im Falle einer Explosion Bargeld verklebt. Weil bei solchen Taten auch Menschenleben in Gefahr sind, wurden zum Teil Geldautomaten aus Gebäuden in separate Container verlagert. Viele Vorräume von Banken und Sparkassen sind zudem nachts nicht mehr ohne Weiteres zugänglich.

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