Pforzheim (dpa/Er24/tk) – Ein größerer Polizeieinsatz in der Abschiebungshafteinrichtung Pforzheim hat am Donnerstagabend für Aufsehen gesorgt. Auslöser waren 20 Häftlinge, die aus Unzufriedenheit über Einschränkungen bei der Freizeit den Gemeinschaftsraum nicht verlassen wollten. Polizei, Verhandlungsgruppe und eine Dolmetscherin waren im Einsatz.
Die Unruhe begann am Abend im Untergeschoss der Einrichtung. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe hatte sich die Freizeit an diesem Tag verzögert, weil es bereits am Nachmittag zu einem separaten Körperverletzungsdelikt zwischen Häftlingen gekommen war.
Als die 20 Betroffenen den Freizeitbereich nach dem vorgesehenen Tagesablauf nicht verlassen wollten, schloss das Personal die Tür, um eine weitere Zuspitzung zu verhindern.
Daraufhin rückte ein größeres Polizeiaufgebot an. Bereits am Abend waren schwer bewaffnete und vermummte Spezialkräfte sowie zahlreiche Zivilkräfte im Bereich der Haftanstalt zu sehen.
Zusätzlich kam eine Verhandlungsgruppe mit Dolmetscherin zum Einsatz. Über die Sprechanlage wurde Kontakt zu den Häftlingen aufgenommen. Schließlich zeigte sich die Gruppe kooperativ und wurde einzeln zurück in ihre Unterbringungsbereiche gebracht.
Eine konkrete Gefahr für unbeteiligte Dritte bestand nach Angaben der Polizei nicht.
Nach aktuellem Stand wurde ein Häftling leicht verletzt. Wie es zu der Verletzung an der Lippe kam, ist noch unklar.
Unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Einrichtung gab es keine Verletzten. Während der Unruhe selbst soll es laut Polizei keine körperlichen Auseinandersetzungen gegeben haben.
Bereits am Nachmittag sollen mehrere Häftlinge einen Mithäftling in dessen Zimmer angegriffen und leicht verletzt haben. Der Mann wurde anschließend in ein Krankenhaus gebracht.
Zum genauen Ablauf und zum Motiv ermittelt die Polizei. Nach bisherigen Erkenntnissen steht dieser Vorfall nicht in direktem Zusammenhang mit der späteren Unruhe am Abend.
Nach ersten Angaben der Polizei hatten Insassen Mitarbeiter der Einrichtung zudem aggressiv beleidigt. Die 20 Beteiligten wurden separiert und schließlich zurück in ihre Zimmer gebracht.