Karlsruhe (pm/dk) – Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen – und für viele Menschen beginnt damit auch wieder die Heuschnupfen-Zeit. Gerade in Karlsruhe ist die Pollenbelastung laut Klinikum durch das milde Klima ungewöhnlich stark. Warum das so ist, welche Pollen wann fliegen und was gegen die Beschwerden helfen kann, erklärt Prof. Dr. Rainer Weber vom Klinikum Karlsruhe.
„Eine Allergie ist eine Abwehrreaktion des Körpers auf Stoffe, die eigentlich nicht gefährlich sind, sogenannte Allergene“, erklärt Prof. Dr. Rainer Weber, kommissarischer Leiter der Hals-Nasen-Ohren Klinik am Klinikum Karlsruhe.
Die Folgen spüren Betroffene oft deutlich. Weber sagt: „Mögliche Reaktionen sind Niesen, eine laufende und zuschwellende Nase, Atemnot und Husten, sowie tränende Augen.“
Bei Heuschnupfen reagiert das Immunsystem auf eingeatmete Pollen. Der Körper bildet dabei Antikörper und setzt Botenstoffe frei. Genau das löst dann die typischen Beschwerden aus.
Die Hauptsaison für den Pollenflug reicht von April bis August. Besonders hoch ist die Belastung laut den Angaben in Parks und Grünanlagen.
Allerdings beginnt die Pollensaison nicht erst im Frühling. In Karlsruhe können schon im Dezember Hasel- und Erlenpollen fliegen. Im März folgen Birkenpollen, im Mai dann Gräserpollen. Beifuß- und Ambrosiapollen sind im Spätsommer in der Luft.
Dass viele Menschen inzwischen länger mit Heuschnupfen zu kämpfen haben, hängt auch mit dem Klimawandel zusammen. Prof. Weber sagt dazu: „Steigende Temperaturen und milde Winter führen dazu, dass viele Pflanzen früher und länger blühen. Für Menschen mit Heuschnupfen bedeutet das leider oft, dass die Allergie länger anhält.”
Hinzu kommt: Auch die Zusammensetzung der Pflanzenarten verändert sich. Dadurch breiten sich neue, teils stärkere allergene Pflanzen aus. Genannt werden hier Ambrosia und auch die Birke.
Um Beschwerden zu lindern, rät Prof. Weber dazu, den Kontakt mit Pollen möglichst zu verringern. „Betroffene können versuchen, den Kontakt mit Pollen zu reduzieren. Beim Spazierengehen sollten sie Orte mit starker Pollenfreisetzung meiden. Die Haare vor dem Schlafengehen zu waschen, kann helfen, um die Pollen nicht mit ins Bett zu nehmen“, sagt er.
Auch beim Lüften kommt es laut Weber darauf an, ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt: „Lüften sollten Allergikerinnen und Allergiker, die in der Stadt wohnen, daher eher morgens, und auf dem Land eher abends.“
Zusätzlich nennt der Experte weitere Möglichkeiten, um die Belastung zu senken. Nasenspülungen können demnach helfen, Allergene aus der Nase zu entfernen. Gels auf der Schleimhaut können verhindern, dass Pollen direkt mit der Schleimhaut in Kontakt kommen.
Auch sogenannte HEPA-Filter werden genannt. Sie können kleine Partikel wie Pollen und Keime aus der Luft filtern – zum Beispiel in Innenräumen oder im Auto.
Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, gibt es laut Prof. Weber auch medikamentöse Therapien. „Zusätzlich zu diesen Schritten gibt es medikamentöse Therapien. Am wirksamsten sind hier Kortisonsprays für die Nase. Bei starken Pollenallergien kann zusätzlich eine Immuntherapie helfen.“
Bei einer Immuntherapie bekommt der Körper kleine Mengen der Allergene, etwa als Spritze oder Tablette. So soll sich das Immunsystem an die Stoffe gewöhnen.
Klar ist: Durch den Klimawandel und längere Pollensaisons wird das Thema für viele Menschen immer wichtiger. Gleichzeitig zeigt der Überblick des Klinikums Karlsruhe auch, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, die Beschwerden zu lindern. Entscheidend ist dabei laut den Angaben vor allem die Kombination verschiedener Maßnahmen.