Falschparker aufgepasst: Baden-Württemberg testet "Scan-Autos"

17. Juni 2025 , 04:10 Uhr

Baden-Württemberg (pm/dk) – Baden-Württemberg geht beim Thema Parkraummanagement neue Wege: Als erstes Bundesland startet nun der Einsatz von sogenannten Scan-Fahrzeugen zur digitalen Parkraumkontrolle. Ein Pilotversuch an der Universität Hohenheim soll zeigen, wie effizient und zuverlässig die Technologie in der Praxis funktioniert.

Schneller, effizienter und moderner: Scan-Fahrzeuge kontrollieren Parkraum

Mit Inkrafttreten des neuen Landesmobilitätsgesetzes dürfen Kommunen in Baden-Württemberg erstmals Scan-Fahrzeuge zur Parkraumüberwachung einsetzen. Den offiziellen Startschuss für den Pilotversuch an der Universität Hohenheim in Stuttgart gab Verkehrsminister Winfried Hermann gemeinsam mit der Kanzlerin der Universität, Dr. Katrin Scheffer, und Anja Müller, Geschäftsführerin der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW).

„Parkraum ist ein kostbares Gut. Intelligentes Parkraummanagement hilft den Verkehr zu steuern, erhöht die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden und entlastet die Behörden vor Ort“, erklärte Minister Hermann. Dank der neuen Technik könne eine einzige Person mit dem Scan-Fahrzeug bis zu 1.000 Fahrzeuge pro Stunde kontrollieren – zu Fuß wären es nur etwa 50.

Mehr Sicherheit durch effiziente Kontrollen

Neben der höheren Effizienz erhofft sich das Land auch Vorteile für die Verkehrssicherheit. Durch die freiwerdenden personellen Kapazitäten sollen künftig Geh- und Radwege sowie Schulwege besser geschützt und Falschparker schneller identifiziert werden.

„Falschparken ist kein Kavaliersdelikt. Vor allem auf Gehwegen gefährden falsch abgestellte Fahrzeuge ältere Menschen, kleine Kinder und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen“, betonte Hermann.

Universität Hohenheim als ideales Testgelände

Die Wahl für den Standort des Pilotversuchs fiel auf die Universität Hohenheim, da dort bereits smarte Parkscheinautomaten im Einsatz sind, bei denen das Kennzeichen beim Ticketkauf erfasst wird.
Dr. Katrin Scheffer sieht den Versuch als sinnvolle Ergänzung der Arbeit der Hochschule:
„Als Universität sind wir ein Ort der Forschung und der Innovationen. Nun freuen wir uns, dass unser Campus selbst zum Untersuchungsgegenstand wird.“

Zwei Testphasen geplant – vorerst keine Ahndung

Der Pilotversuch läuft zunächst über einen Zeitraum von drei Monaten. In der ersten Phase werden digitale Parkplatzkarten erstellt. In der zweiten Testphase wird das System dann prüfen, ob geparkte Fahrzeuge eine gültige Parkberechtigung haben. Wichtig: Während des gesamten Tests werden keine Verstöße geahndet, es geht ausschließlich um die Erprobung der Technik.

Datenschutz im Fokus

Besonders sensibel ist der Umgang mit den erhobenen Daten. Gemeinsam mit dem Landesbeauftragten für den Datenschutz Baden-Württemberg (LfDI) wurde ein datensparsames Konzept entwickelt:

Damit gelten dieselben Standards wie bei bisherigen Kontrollen durch Fußgänger.

Blick nach Europa: Erprobte Technik aus dem Ausland

In anderen Ländern wie den Niederlanden, Frankreich oder Polen sind solche Scan-Fahrzeuge bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Baden-Württemberg will mit dem Pilotprojekt in Hohenheim wichtige Erkenntnisse für den späteren Regelbetrieb sammeln. Weitere Tests in anderen Kommunen sind bereits geplant.

Anja Müller (PBW) sieht im Projekt einen großen Fortschritt:
„Aufbauend auf unseren digitalen Bezahlsystemen ist das ScanCar ein wichtiger Schritt hin zu einer effizienten, digitalen und wirtschaftlichen Parkraumkontrolle.“

Anzeige
Baden-Württemberg Datenschutz Parkraumerfassung digitale Verkehrskontrolle Landesmobilitätsgesetz Parkraumkontrolle PBW Pilotversuch Parkraummanagement Scan-Fahrzeug Universität Hohenheim Verkehrsminister Winfried Hermann

Das könnte Dich auch interessieren

17.09.2025 Kommunen in Baden-Württemberg dürfen Elterntaxis leichter einschränken Region (dpa/dk) – Hupen, Stau und riskante Wendemanöver: Vor vielen Schulen in Baden-Württemberg sorgt das morgendliche Verkehrschaos durch sogenannte „Eltern-Taxis“ seit Jahren für Diskussionen. Nun hat die Landesregierung neue rechtliche Grundlagen geschaffen, mit denen Kommunen einfacher und rechtssicher Schulstraßen und Schulzonen einrichten können. Ziel ist es, Kinder sicherer zur Schule zu bringen – ohne dass Mütter oder Väter sie direkt vor dem Schultor absetzen. 10.03.2026 Ein Patt und viele Probleme: Der steinige Weg zur Koalition Stuttgart (dpa/tk) - Grüne und CDU müssen eigentlich Partner werden in Baden-Württemberg. Aber die Zeichen stehen auf Sturm. Die CDU gibt sich enttäuscht und wütend. Grünen-Wahlsieger Cem Özdemir sieht nicht ein, das Amt des Regierungschefs zu teilen. Ein Mitglied des Landesvorstands spricht bereits von Neuwahlen. 09.03.2026 Amtsteilung im Südwesten? CDU bringt Ministerpräsidenten-Wechsel ins Spiel Baden-Württemberg (dpa/dk) - Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist die Lage offen wie selten zuvor: Grüne und CDU kommen im neuen Landtag auf exakt gleich viele Sitze. CDU-Landeschef Manuel Hagel schließt deshalb ungewöhnliche Modelle nicht aus – sogar eine Teilung der Amtszeit des Ministerpräsidenten steht plötzlich im Raum. 09.03.2026 Grüne knapp vor CDU - Was hinter dem Wahlbeben in Baden-Württemberg steckt Stuttgart (dpa/tk) - Die Wahl in Baden-Württemberg ist gelaufen, die Grünen haben mit hauchdünnem Vorsprung gewonnen. Die CDU verpasst knapp den Sieg. Die AfD verdoppelt ihr Ergebnis. SPD und FDP liegen in Trümmern. Was Ihr wissen müsst, um heute auf der Arbeit mitreden zu können.