Hitze und Starkregen

Extremwetterlagen nehmen zu: Baden-Württemberg rüstet sich mit mehr Schutz und Prävention

30. Juni 2026 , 03:20 Uhr

Region (pm/tk) – Das Wochenende hat Rekorde gebrochen in Baden-Württemberg. Laut dem Deutschen Wetterdienst war es so heiß wie noch nie in einem Juni. Und auch die Monate davor – von Januar bis Mai 2026 – waren außergewöhnlich mild und trocken.  Gleichzeitig stiegt die Gefahr von heftigen Niederschlägen. Das Land Baden-Württemberg bereitet sich auf die klimatische Veränderung vor.

Klimawandel ist schon da

Darüber hat Umweltministerin Thekla Walker vergangene Woche dem Kabinett berichtet. „Der Klimawandel ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern nicht erst seit der aktuellen Niedrigwassersituation am Bodensee oder der Sturzflut von Braunsbach vor ziemlich genau zehn Jahren schonungslose Realität. Die Folgen solcher Ereignisse können verheerend sein: Schäden in Millionenhöhe, menschliches Leid und starke Beeinträchtigungen der Umwelt. Als Landesregierung haben wir das Wassermanagement fest im Blick und sind aktiv. Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, dass der Hochwasserschutz Vorrang haben muss, insbesondere dort, wo Leib und Leben in Gefahr sind und große Sach- und Vermögensschäden drohen“, so Ministerpräsident Cem Özdemir im Anschluss an die Sitzung des Ministerrats.

Umweltministerin Thekla Walker betonte: „Wir wollen die Anpassung an die nicht mehr zu vermeidende Erderwärmung nutzen, um die Lebensqualität zu verbessern. Mehr Grün und Wasser in den Orten erhöht diese genauso wie die Renaturierung von Gewässern und die Schaffung von Auenlandschaften für den Hochwasserschutz. Um Schäden für Mensch und Umwelt so gering wie möglich zu halten, investieren wir daher in Infrastruktur und Prävention.“

Vorsorge und Anpassung

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Trinkwasserversorgung. Auf Grundlage des Masterplans Wasserversorgung soll eine Strategie für die Wasserversorgung 2050 entwickelt und kontinuierlich umgesetzt werden. Das Land fördert Maßnahmen der Wasserversorgung im Jahr 2026 mit fast 88 Millionen Euro. Auch wurde im Koalitionsvertrag das Ziel vereinbart, dass für eine resiliente und sichere Wasserversorgung in Zukunft jede Kommune im Krisenfall ihren Wasserbedarf vollständig aus einer alternativen Wasserversorgung decken kann.

Das Land budgetiert jährlich rund 80 Millionen Euro für Hochwasserschutzmaßnahmen an den Landesgewässern. Zusätzlich konnten in der aktuellen Förderperiode ca. 70 Millionen Euro für kommunale Maßnahmen im Bereich Hochwasserschutz zur Verfügung gestellt werden. 32 Millionen Euro flossen zudem bisher an Kommunen, damit diese ein Konzept zum Starkregenrisikomanagement aufstellen. Mehr als die Hälfte der baden-württembergischen Städte und Gemeinden haben bereits ein solches Konzept oder erarbeiten es gerade.

Hochwasserschutz

Die Hochwasservorhersage-Zentrale der LUBW (HVZ) stellt im Ereignisfall viertelstündlich aktuelle Messwerte sowie stündlich aktualisierte Hochwasservorhersagen für 120 Vorhersagepegel bereit. Grundlage hierfür sind die Messwerte von mehr als 300 Pegeln. Mit neuen Entwicklungen im Bereich der KI und bei der Rechenleistung werden in den nächsten Jahren neue Ansätze verfolgt. Ziel ist es, mit Hilfe von KI und den Daten der Hochwassergefahrenkarten bei Hochwasserereignissen künftig die Flächen der erwarteten Überflutungen, insbesondere in den Siedlungsbereichen, vorherzusagen. Zusätzlich bietet die HVZ eine Hochwasserwarnkarte für Flusseinzugsgebiete und Flussabschnitte an. Somit werden auch Kommunen ohne Landespegel bzw. an kleineren Gewässern vor einer drohenden Hochwassergefahr gewarnt.

Niedrigwasser im Blick

Seit Januar 2024 versorgt andererseits das Niedrigwasserinformationszentrum der LUBW (NIZ) die Kommunen mit Informationen über sich aufbauende Dürrerisiken. Das NIZ stellt aktuelle Daten über den Abfluss der Oberflächengewässer, der Wassertemperatur, den Zustand des Grundwassers, den Niederschlag oder die Lufttemperatur bereit. Mit diesen Daten können die Stadt- und Landkreise genau die jeweilige Situation einschätzen und die erforderlichen Maßnahmen, wie z.B. die Einschränkung des Gemeingebrauchs aus Oberflächengewässern, frühzeitig planen und umsetzen.

Konzept „Schwammstadt“

Die Kommunen können seit 2025 zudem auf Mittel des Förderprogramms Klimopass zugreifen. Damit lassen sich Elemente der Landesstrategie Urbanes Wasserressourcenmanagement umsetzen. Sogenannte Schwammstadt-Maßnahmen können etwa Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung, Tiefbeete, Baumpflanzungen sowie -erhaltungsmaßnahmen in Kombination mit Bewässerungsanlagen, Regenwasserzuleitungen oder Zisternen sein.

Um den Wasserrückhalt auch in der Fläche zu fördern, sollen künftig Pilotregionen entwickelt werden, um die natürlichen Fähigkeiten der Landschaft zur Wasserspeicherung deutlich zu verbessern. In einer Modellregion im Kraichgau wird derzeit ein Konzept erstellt, wie durch eine angepasste Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen Wasser besser gespeichert werden kann.

Hintergrundinformationen

Die bestehenden Hochwasserschutzanlagen schützen mit über 1000 Kilometern landeseigenen Hochwasserschutzdämmen und über 800 Hochwasserrückhaltebecken bereits Vermögenswerte in Höhe von 10,7 Milliarden Euro bei einem hundertjährlichen Hochwasser. Die meisten der Dämme sind inzwischen über 80 Jahre alt. Das Land hatte daher bereits 2015 das Dammertüchtigungsprogramm erarbeitet. Für das gesamte Programm sind 1,1 Milliarden Euro zur Instandsetzung von rund 725 Dammkilometern veranschlagt. Aus dem Länder-und-Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz (LUKIFG) werden für Hochwasserschutz-Maßnahmen/Dammertüchtigungen für die Jahre 2026 bis 2035 88 Millionen Euro bereitgestellt.

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