Experte rät Firmen wegen Cyberattacken zu analogen Notfallplänen

09. März 2022 , 11:55 Uhr

Karlsruhe (dpa/lk) – Angesichts drohender Gefahr aus dem Netz müssen sich Firmen, öffentliche Einrichtungen und Institutionen aus Sicht eines Experten besser vorbereiten.

Angriff auf Freiheit und Demokratie

Nachrichtenübermittlung, Energieversorgung, Verkehr, Industrieproduktion, Forschung, Verwaltung – nahezu kein Bereich kommt in einem hochentwickelten Land ohne moderne Informations- und Kommunikationstechnologien aus. „Attacken auf die digitale Infrastruktur durch kriminelle oder staatliche Organisationen bedrohen nicht nur den Wohlstand und die Sicherheit unserer Gesellschaft, sondern auch die Freiheit und Demokratie“, warnt Professor Jörn Müller-Quade vom Karlsruher Institut für Technologie.

Analoge Notfallpläne erarbeiten

Cybersicherheitsexperten wie Müller-Quade bemängeln schon lange, dass Firmen, öffentliche Einrichtungen und Institutionen nicht gut auf digitale Bedrohungen vorbereitet seien. „Wir müssen jetzt dringend mehrstufige Sicherheitskonzepte für kritische Infrastrukturen erarbeiten, die insbesondere auch analoge Notfallpläne haben“, sagte der Karlsruher Experte. So mache etwa der Ausfall der Fernsteuerung Tausender Windräder in der vergangenen Woche hellhörig.

Stabile Software aus Europa

Darüber hinaus bemängelte der Professor, dass Europa sehr von Soft- und Hardware aus Drittländern abhängig sei. „Deren Schwachstellen können wir nur bedingt durchschauen, weil wir die Quellcodes nicht kennen.“ In Europa müsse mehr eigene stabile Software produziert werden, deren Quellcode frei einsehbar ist, also kollektiv verändert werden kann. „Attacken auf die digitale Infrastruktur durch Kriminelle oder staatliche Organisationen bedrohen nicht nur den Wohlstand und die Sicherheit unserer Gesellschaft, sondern auch Freiheit und Demokratie.“

Angriffe laufen im Hintergrund

Der ganz große Angriff im sogenannten Cyberkrieg könnte dennoch ausbleiben, sagte Müller-Quade. „Der große Knall ist nicht immer das Ziel, insbesondere weil dieser sofort bemerkt wird und Gegenmaßnahmen auslöst.“ Viele Angriffe liefen im Hintergrund, um beispielsweise Ziele auszuspähen und größere Attacken vorzubereiten.

Einrichtungen müssen bei IT-Versagen funktionieren

Den Aufbau einer Cyber-Armee, wie er im Zuge der geplanten Investitionen von 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr debattiert wird, sieht Müller-Quade nicht als große Priorität. Es müsse darum gehen, dass wichtige Einrichtungen auch dann noch funktionieren, wenn IT-Systeme versagen. „Ich würde hier im übertragenen Sinne also hauptsächlich in Festungen investieren und nicht in Kanonen.“

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