Ermittlungen in Bad Herrenalb: Jugendlicher soll Mädchen bedroht haben

19. Januar 2026 , 14:15 Uhr

Bad-Herrenalb (dpa/dk) – Graffiti, Drohungen und ein gefährliches Online-Netzwerk: Ein Fall aus Bad Herrenalb beschäftigt seit Monaten die Ermittler. Jetzt gibt es neue Details zu den Vorwürfen gegen einen Jugendlichen aus Württemberg.

Spuren führen von Schmierereien ins Internet

Im Kurort Bad Herrenalb (Kreis Calw) hatten vor rund einem Jahr Graffiti-Schmierereien für Aufsehen gesorgt. Der Schriftzug „No Lives Matter“ tauchte auf – ein Name, der an eine gewaltverherrlichende Online-Gruppierung erinnert.

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe führen die Ermittlungen nun zu einem Jugendlichen aus Württemberg.

Mädchen bedroht und erpresst

Der Jugendliche soll Teil eines Online-Sadistennetzwerks gewesen sein. Über einen Chat soll er ein damals 13-jähriges Mädchen aus dem Ausland bedroht und erpresst haben.

Nach Angaben des Cybercrime-Zentrums Baden-Württemberg habe das Mädchen dem Jugendlichen kinderpornographische Inhalte geschickt. Er soll sie anschließend aufgefordert haben, weitere Aufnahmen zu übersenden.

Weitere Vorwürfe gegen den Jugendlichen

Neben den Bedrohungen steht der Jugendliche auch im Verdacht, die Schmierereien in Bad Herrenalb angebracht zu haben. Außerdem wird ihm eine Straftat nach dem Waffengesetz vorgeworfen.

Zu einem möglichen Haftbefehl oder dem Wohnort des Jugendlichen machten die Ermittler keine Angaben. Auch ob die Drohungen erfolgreich waren, blieb offen.

Was hinter „No Lives Matter“ steckt

Das lose Online-Netzwerk „No Lives Matter“ wirbt laut Generalstaatsanwaltschaft für Straftaten. Es fordert unter anderem zu Selbstverletzungen und zum Missbrauch von Tieren auf. Ziel der Community sei die Abschaffung aller gesellschaftlichen Standards.

Die Gruppe gehört nach früheren Angaben von Ermittlern zum weltweit agierenden sogenannten „Com-Netzwerk“. Dieses wird mit Erpressung, Kinderpornografie und extremer Gewalt in Verbindung gebracht.

Internationale Verfahren und weitere Fälle

In Rotterdam läuft derzeit ein Verfahren gegen einen Niederländer, der eingeräumt hat, „No Lives Matter“ gegründet zu haben. Die niederländischen Ankläger sprechen von einer terroristischen Vereinigung.

Auch in Deutschland wird ein ähnlicher Fall verhandelt: In Hamburg ist ein junger Mann angeklagt, der Kinder und Jugendliche im Internet massiv unter Druck gesetzt haben soll. Eines seiner Opfer soll dadurch in den Suizid getrieben worden sein.

Warnung vor wachsender Szene

Zuletzt hatten das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und Innenminister Thomas Strobl (CDU) vor den Kanälen der sogenannten Terrorgram-Szene gewarnt. Laut LKA sind dort Hunderte deutscher Neonazis und andere extrem gewaltbereite Personen vernetzt.

Nach einer aktuellen Studie wächst diese Struktur oft jugendlicher Einzelgänger seit Jahren dynamisch, das Dunkelfeld gilt als groß.

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