«Ein Grad weniger»: Baden-Württemberg erarbeitet Gas-Einspar-Katalog

15. Juli 2022 , 07:00 Uhr

Stuttgart (dpa/lsw) – Mehr Home-Office, Treppe laufen und Dienstreisen mit der Bahn: Die Landesregierung will wegen der drohenden Mangellage den Verbrauch von Gas und Strom im Südwesten noch vor dem Winter massiv senken. Die Verwaltung soll als gutes Beispiel vorangehen.

Spar-Katalog und «Gasgipfel»

Vor dem «Gasgipfel» mit Kommunen, Wirtschaft und Versorgern hat die grün-schwarze Landesregierung ein Bündel von Maßnahmen zum Energiesparen erarbeitet. Eine Arbeitsgruppe aus unterschiedlichen Ministerien hat den Katalog zusammengestellt, mit dem zunächst die Verwaltung dazu angehalten werden soll, den Verbrauch von Gas und Strom so stark wie möglich zu senken. Die Liste liegt dem «Badischen Tagblatt» und der Deutschen Presse-Agentur vor. Sie dient als Grundlage für den Gipfel, bei dem Sparvorschläge für Unternehmen und Verbraucher gesammelt werden sollen. Angesichts der Alarmstufe Gas müssten Haushalte und Firmen den Verbrauch so weit wie möglich schon im Sommer reduzieren und alternative Energienutzungen verstärken, schreiben die Beamten des interministeriellen Verwaltungsstabs. «Der Bedarf muss abgesenkt werden, um sicher durch Herbst und Winter zu kommen», heißt es wörtlich.

Ein Grad weniger

Konkret schlagen die Beamten etwa vor: «Ein Grad Celsius weniger an Raumtemperatur entspricht einer Energieeinsparung von sechs Prozent. Häufig genügt eine weitaus niedrigere Raumtemperatur als wir es bisher gewohnt sind.» Zudem mahnt die Arbeitsgruppe in ihrem Beschluss vom Montag, es seien nicht überall in der Verwaltung 20 Grad Celsius nötig, etwa in Büros, Teeküchen, Kopierräumen, Werkstätten, Lagerräumen, Besprechungsräumen, Fahrzeughallen, Sporthallen oder Hallenbädern. In dem Maßnahmenkatalog heißt es weiter, die Behörden sollten überlegen, ob manche Räume, die nicht regelmäßig gebraucht werden, gar nicht mehr zu nutzen. Warmwasser solle nur dort verwendet werden, wo es erforderlich ist. «Beispielsweise kann in Sanitärbereichen die Warmwasserzufuhr komplett abgestellt werden.»

Treppe laufen statt mit dem Lift

Die Arbeitsgruppe weist zudem darauf hin, «dass in Deutschland 10 bis 15 Prozent des Stroms unter Einsatz von Gas produziert werden. «Daher trägt auch die Reduktion des Stromverbrauchs zur Gasreduktion bei.» Die Beamten schlagen vor, Aufzüge nicht mehr zu nutzen, höchstens noch für Menschen mit körperlichen Behinderungen.

Die Behörden sollen auch prüfen, ob noch mehr Beamtinnen und Beamte zuhause arbeiten können, weil durch den Wegfall der Hin- und Rückfahrt Energie eingespart werden könne. Und: Im Büro könne dann die Heizung runtergeregelt werden. Flexible Arbeitszeiten sollen auch schon im Sommer wenn möglich ausgeweitet werden – so werden im Büro auch keine Klimaanlagen gebraucht. Zudem sollen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch häufiger Schreibtische teilen, damit weniger Räume benötigt werden.

Bei Dienstreisen soll – wenn möglich – auf das Flugzeug verzichtet und die Bahn genommen werden. Wird ein Dienstwagen benutzt, sollen Fahrgemeinschaften gebildet werden. Ansonsten verweist die Arbeitsgruppe auf das «Energiespar-Büchle», in dem das Umweltministerium praktische Tipps gibt.

Anzeige
Baden-Württemberg Gas Gasgipfel Heizen Landesregierung Sparen Winter

Das könnte Dich auch interessieren

22.09.2026 Mietpreisbremse in Baden-Württemberg soll verlängert werden – mehr Städte wieder dabei Südwesten (dpa/svs) - Die Mietpreisbremse in Baden-Württemberg soll auch nach Ende 2026 weiter gelten. Gleichzeitig sollen wieder mehr Städte unter die Regelung fallen. Dazu gehören unter anderem Mannheim, Konstanz und Kehl. «Unser Ziel ist eine Mietpreisbremse, die dort wirken kann, wo der örtliche Wohnungsmarkt und die Mieterinnen und Mieter sie benötigen», sagt Wohnungsbauministerin Theresa Schopper. 30.06.2026 Kostenlose Hundekotbeutel in Karlsruhe - trotz Sparzwang geht die Aktion weiter Karlsruhe (pm/tk) - 10 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Bürgerinitiative „Erhaltet die Hundebeutel“, Nelly’s Futterkiste und dem Karlsruher Gartenbauamt. 22.06.2026 Gas sorgt für Großeinsatz in Karlsruhe Karlsruhe (er24/tk) - Im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel kam es zum Austritt von Kohlenmonoxid an einer Heiztherme. Ein Jugendlicher musste bewusstlos ins Krankenhaus. 20.04.2026 Bilanz Speedmarathon: Tausende Verstöße rund um Karlsruhe Karlsruhe (pol/svs) - Eine Woche lang standen sie wieder verstärkt am Straßenrand: Beim europaweiten Speedmarathon hat die Polizei vergangene Woche auch in der Region Karlsruhe genau hingeschaut. Jetzt liegt die Bilanz vor – mit klaren Zahlen und einem besonders schnellen Ausreißer.