Südpfalz (dpa/dk) – Am kommenden Sonntag, 22. März, wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. Neben den Themen geht es dabei auch um die Menschen, die für ihre Parteien antreten. Wer steht an der Spitze, wer will Ministerpräsident werden – und wer prägt den Wahlkampf im Land?
Im Rennen um das Amt des Ministerpräsidenten stehen vor allem zwei Namen im Mittelpunkt: Alexander Schweitzer von der SPD und Gordon Schnieder von der CDU. Beide ziehen für ihre Parteien als Spitzenkandidaten in die Wahl.
Alexander Schweitzer will Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz bleiben. Der 52-Jährige aus der Pfalz hat das Amt im Sommer 2024 von Malu Dreyer übernommen, die aus persönlichen Gründen zurückgetreten war. Jetzt stellt er sich erstmals direkt dem Votum der Wählerinnen und Wähler.
Schweitzer ist seitdem viel im Land unterwegs. Seine politische Überzeugung: „Am Ende zählt immer die Nähe zu den Menschen“. Als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz setzt er sich besonders für die schwierige finanzielle Lage der Kommunen ein. Auch auf Bundesebene bringt er sich als stellvertretender SPD-Bundeschef immer wieder mit klaren Positionen ein.
Privat ist Schweitzer Fan der Britpop-Band Oasis und des 1. FC Kaiserslautern. Die ersten sechs Jahre seines Lebens verbrachte er mit seiner Familie auf einem Binnenschiff, heute lebt er in Bad Bergzabern in der Südpfalz. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit rund zehn Jahren vegan.
Für die CDU geht Gordon Schnieder ins Rennen. Der 50-Jährige ist Partei- und Fraktionschef und tritt zum ersten Mal als Spitzenkandidat an. Nach der Wahlniederlage 2021 setzte er sich in einem parteiinternen Machtkampf durch und tourt seitdem durchs Land, um bekannter zu werden.
Schnieder lebt in Birresborn in der Eifel, zusammen mit mehreren Generationen unter einem Dach. Er ist dreifacher Vater und sagt, beim Wandern bekomme er den Kopf frei. Sein Bruder Patrick Schnieder ist Bundesverkehrsminister in Berlin. Gordon Schnieder sieht seine politische Rolle aber klar in Rheinland-Pfalz – nicht im Bund oder in Europa.
Jan Bollinger führt die AfD in die Wahl. Der 48-Jährige wurde in Koblenz geboren und ist in Neuwied aufgewachsen. Er studierte Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre und arbeitete einige Jahre als Verwaltungsleiter in der Jugendhilfe.
Seit 2013 ist Bollinger Mitglied der AfD, seit 2016 sitzt er im rheinland-pfälzischen Landtag. Nach einem internen Machtkampf übernahm er 2022 zunächst den Landesvorsitz und danach auch den Fraktionsvorsitz. In seiner Freizeit reist er gerne an Nord- und Ostsee, wandert am Mittelrhein, fährt Rad und hört Rock und Metal.
Katrin Eder führt die Grünen in den Wahlkampf. Die 49-Jährige wurde in Mainz geboren und studierte dort Politik, Soziologie und öffentliches Recht. Eigentlich wollte sie nach dem Abitur Meeresbiologie in Kiel studieren.
Ihre ersten politischen Erfahrungen sammelte Eder im Mainzer Stadtrat in der Sozialpolitik. Später war sie rund zehn Jahre als Verkehrs- und Umweltdezernentin in Mainz tätig. Heute ist sie Klimaschutz- und Umweltministerin in Rheinland-Pfalz. Eder bezeichnet sich selbst als hartnäckige Kämpferin und ehrlichen Typ. Sie ist Mutter von zwei kleinen Kindern, Fan von Mainz 05 und meist mit dem Rad unterwegs.
Rebecca Ruppert ist Spitzenkandidatin der Linken. Die 37-Jährige wurde in Mainz geboren und lebt inzwischen in Rheinhessen. Sie hat in den Niederlanden und Österreich studiert und für die Landesregierung ein Praktikum in Brüssel absolviert.
Nach dem Studium arbeitete sie in der IT-Beratung und unterstützte vor allem Behörden bei der Verwaltungsdigitalisierung. Seit 2020 ist sie Mitglied der Linken, seit 2024 Landesvorsitzende. Ruppert spricht Niederländisch, Französisch und Englisch fließend. In ihrer Freizeit spielt sie Volleyball und liest.
Für die FDP tritt Daniela Schmitt an. Die 53-Jährige aus Rheinhessen war früher Leistungsschwimmerin im Verein und fährt traditionell direkt nach Weihnachten Ski. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Bankkauffrau und arbeitete vor ihrer politischen Karriere als Regionaldirektorin bei der Mainzer Volksbank.
Zur FDP kam Schmitt erst mit über 30 Jahren. Zunächst war sie Wirtschafts-Staatssekretärin unter Volker Wissing, nach der Landtagswahl 2021 wurde sie Wirtschaftsministerin. Im April 2025 wurde sie nach einem parteiinternen Machtkampf mit 67,5 Prozent der gültigen Stimmen zur FDP-Landeschefin gewählt. Sie lebt mit ihrem Mann in ihrem Geburtsort Alzey bei Mainz.
Joachim Streit ist der Spitzenkandidat der Freien Wähler. Der 60-Jährige hatte seine Partei 2021 erstmals in den Landtag geführt, wechselte nach der Europawahl aber ins Europaparlament nach Brüssel. Nun soll er die Freien Wähler wieder in den Landtag führen.
Streit kündigt an, bei einem Wiedereinzug nach Mainz zurückzukehren – diesmal für die gesamte Wahlperiode. Er ist der einzige der sieben Spitzenkandidaten, der in keinem Wahlkreis direkt kandidiert. Der gebürtige Trierer war lange Bürgermeister und Landrat und versteht sich als Stimme der Kommunen. Streit ist Jurist und dreifacher Vater.
Sieben Parteien haben bei der Wahl am 22. März die Chance auf den Einzug in den Landtag. Klar ist schon jetzt: Neben Programmen und Themen werden auch die Persönlichkeiten der Spitzenkandidaten eine wichtige Rolle spielen.