Der lange Weg zur Karlsruher U-Bahn - eine Chronologie

08. Dezember 2021 , 05:46 Uhr

Karlsruhe (dpa/lk) – Mehr Platz für Fußgänger – und Straßenbahnen sowie Autos in den Tunnel: Mit der sogenannten Kombilösung soll die Karlsruher City schöner und sicherer werden. Das Milliarden-Projekt hatte einen langen Vorlauf und manch Hürde zu überwinden. Die wichtigsten Stationen im Überblick.

1970: Erste Überlegungen zur Untertunnelung der Straßenbahn.

1996: Ein Bürgerentscheid lehnt dies ab. Der damalige Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) schlägt daraufhin die Kombilösung mit Umgestaltung der Kriegsstraße vor.

2002: 56 Prozent stimmen im zweiten Entscheid für die Kombilösung.

2003: Für Planung, Bau und späteren Betrieb des Stadtbahntunnels wird die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft gegründet (Kasig).

2004: Das Projekt wird mit knapp 500 Millionen Euro zur Bezuschussung eingereicht. Der Bund soll 60 Prozent zahlen, Land und Stadt den Rest.

21. Januar 2010: Erster Spatenstich am Europaplatz mit dem damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger CDU).

2013: Nach der Insolvenz des Baukonzerns Alpine übernimmt das Unternehmen BeMo Tunneling die Aufgaben. Die Stadt schätzt die Gesamtkosten für das Projekt inzwischen auf 860 Millionen Euro.

2014: Die 80 Meter lange Tunnelbohrmaschine „Giulia“ startet. Noch glaubt man, dass bis Ende 2018 erste Straßenbahnen im Tunnel rollen.

Frühjahr 2015: Absackender Untergrund stoppt den Bohrer. Der Bundesrechnungshof zweifelt an der Wirtschaftlichkeit.

Juni 2015: Ein 2,70 Meter tiefes, fünf mal fünf Meter breites Loch unter den Gleisen der Fußgängerzone hält erneut den Tunnelbohrer auf. Geschätzte Kosten des Gesamtprojekts nun: rund 900 Millionen Euro.

September 2015: „Giulia“ ist am Ziel. Sie hat sich in zehn Monaten durch zwei Kilometer Erdreich zwischen Durlacher und Mühlburger Tor gebohrt.

Mai/Juni 2016: Ein Streit mit einem Bauunternehmen stoppt die Arbeit am Südabzweig des Tunnels für drei Wochen.

Oktober 2016: Nach monatelanger Unsicherheit nach der Kritik durch den Rechnungshof gibt der Bund grünes Licht für den Weiterbau.

Februar 2017: Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) kündigt ein Überschreiten der Milliardengrenze beim Stadtbahn-Projekt an. Er begründet dies mit früher nicht hochgerechneten Preissteigerungen und realen Mehrkosten etwa wegen Problemen im Untergrund. Auch seien in den Vorjahren statt tatsächlicher Herstellungskosten nur Baukosten genannt worden.

21. April 2017: Spatenstich und Baggerbiss für den zweiten Teil der Kombilösung: den Umbau der Kriegsstraße.

Mai 2019: OB Mentrup gibt bekannt: Es dauert länger und wird noch teurer. Die bisher als „Worst-Case-Planung“ vorgesehenen 1,3 Milliarden Euro seien erreicht. Er schließt weitere Steigerungen nicht aus. Der für Ende 2020 geplante Start des Straßenbahnverkehrs im Tunnel ist jetzt für Juni 2021 angepeilt.

April 2020: Es wird noch teurer: Die KASIG rechnet nun mit Kosten bis zu 1,5 Milliarden Euro für U-Bahn und Straßentunnel.

Juni 2020: Rund 190 Kubikmeter Wasser fließen aus einer defekten provisorischen Leitung in der Baustelle des Stadtbahntunnels. Es entsteht Millionenschaden, der Bau wird um sechs Monate verzögert.

4. August 2020: Die erste Test-Bahn fährt durch den Tunnel.

11. Dezember 2021: Inbetriebnahme der Kombilösung mit Ausnahme des Autotunnels unter der Kriegsstraße; der soll im März 2022 fertig werden.

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