(Partner) – Die Kader der Profimannschaften wechseln Jahr für Jahr durch. Auch beim Karlsruher SC kommen und gehen jedes Jahr viele Spieler. Der KSC befindet sich nun schon im siebten Zweitliga-Jahr in Serie. Das letzte Mal im Oberhaus ist dagegen schon 17 Jahre her, damals noch unter Coach Edmund Becker. In den vergangenen beiden Saisons belegten die Karlsruher zweimal den achten Platz.
In der Sommerpause verließ der ehemalige Stammkeeper Max Weiß den Wildpark in Richtung Premier League. Vier Millionen Euro überwies der englische Erstligist nach Karlsruhe. Wirtschaftlich sicherlich ein sehr guter Deal. Seit Sommer ist Hans Christian Bernat die neue Nummer eins. Der 1,92 Meter große Däne kam für 500.000 Euro Ablöse aus Bulgarien und zeigte sich seither als ein souveräner Zweitliga-Keeper. Er verkörpert ein modernes Torwart-Profil und wurde von Tag eins an als neuer Stammtorwart akzeptiert. Das Keeper-Trio komplettieren der erfahrene Robin Himmelmann und Talent Aki Koch.
In der Abwehr setzt Coach Christian Eichner entweder auf eine Viererkette oder auf eine Dreierkette mit zwei Schienenspielern. Im zweiten Abschnitt der Hinrunde etablierte sich Marcel Beifus, dessen Marktwert auf 2 Millionen Euro taxiert ist. Neben ihm verteidigen Christoph Kobald und Marcel Franke. Auch Nicolai Rapp und Sebastian Jung zählen zum Defensivverbund dazu. Der Trainer passt seine Aufstellung regelmäßig der aktuellen Personallage oder auch dem Gegner an.
Beim 2:1-Heimsieg gegen Tabellenführer Schalke 04 verteidigten Rapp, Beifus und Kobald in der Kette, während Herold und Pinto Pedrosa die Schienenpositionen bekleideten. Obwohl der ehemalige Nationalspieler Sebastian Jung fehlte, war die Leistung gegen die Königsblauen die wohl beste der Saison. Bayern-Leihgabe Paul Scholl und Niclas Dühring kommen über den Ergänzungsspieler-Status nicht hinaus.
Trotz der prominenten Namen ist die Defensive das Sorgenkind der Karlsruher. In Spielen wie beim 4:0 in Bielefeld fiel man sprichwörtlich auseinander. Es ist nur wenig verwunderlich, dass die Buchmacher regelmäßig hohe Quoten auf Untertore anbieten. Wetten auf Untertore können dann abgegeben werden, wenn man recht wenige Treffer in einem Spiel erwartet. Bei den Karlsruhern ist es anders, dies zeigen die Quoten bei nationalen und internationalen Buchmachern. Ein großer Unterschied zwischen beiden Arten von Buchmachern besteht darin, dass bei internationalen Buchmachern eine Sportwetten-Auszahlung ohne Verifizierung möglich ist. Nationale Buchmacher fragen hingegen schon sehr früh nach einer Verifizierung.
Im Mittelfeld ist Kapitän Marvin Wanitzek der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Karlsruher. Wanitzek gilt als einer der besten Spieler der Liga und ist aus der Taktik von Christian Eichner nicht wegzudenken. In der abgelaufenen Spielzeit erzielte er 13 Tore und bereitete 12 weitere vor. Wanitzek wird in der Zentrale von Philipp Förster, Andreas Müller, Lilian Egloff und Dzenis Burnic unterstützt.
Wenn Christian Eichner eine Taktik gegen den Ball wählt, komplettieren in der Regel Andreas Müller und Dzenis Burnic das Mittelfeld. Wenn selbst das Spiel gemacht werden soll, spielt Lilian Egloff. Auf diesen Positionen ist der KSC sehr breit aufgestellt und anpassungsfähig. Alternativ kann Nicolai Rapp auch von der Verteidigung ins defensive Mittelfeld rücken. Mateo Kritzer, Meiko Wäschenbach und Efe-Kaan Sihlaroglu sind dagegen meistens außen vor.
Gleich am dritten Spieltag kam es zu einer Schreckensmeldung im Offensivbereich. Karlsruhes Top-Talent Louey Ben Farhat brach sich beim 2:0-Heimsieg gegen Eintracht Braunschweig den Mittelfuß. Damit fiel er für den Rest der Hinrunde aus. Dabei startete die diesjährige Saison für den 19-Jährigen so vielversprechend. Am ersten Spieltag gegen Preußen Münster spielte er stark auf und erzielte er ein Tor, ein weiteres bereitete er vor. Der Ausfall schmerzt doppelt, da Leih-Stürmer Roko Simic bislang hinter den Erwartungen zurückbleibt. Simic wechselte noch im Sommer 2024 für 2 Millionen Euro von RB Salzburg nach Cardiff, dies weckte folgerichtig die Erwartungen. In 13 Spielen war er gerade einmal dreimal erfolgreich, eine Vorlage gelang ihm dabei nicht.
Deutlich besser läuft es für den 1,86 Meter großen Fabian Schleusener. Der 34-Jährige ist seit 2021 bei den Badenern und eine echte Konstante im Sturm. Seine Spielweise lässt sich als „schnell, kraftvoll, aggressiv und abgezockt“ beschreiben. Mit seiner Präsenz auf dem Platz wird er bei den Fans und im Trainerteam hochgeschätzt. Im vergangenen Jahr traf er in 30 Spielen sechsmal und bereitete vier weitere Tore vor. In diesem Jahr steht er nach 15 Spielen bereits bei 7 Treffern und zwei Vorlagen. Besonders wichtig war sein Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen Schalke 04 zum 2:1-Heimsieg.
Die Bundesliga-Leihgaben Shio Fukuda und Leon Opitz bekommen ebenfalls regelmäßige Spielzeit. So richtig überzeugen konnten beide hingegen noch nicht. Gut möglich, dass einer den dauerhaften Kaderplatz für das Talent Eymen Laghrissi räumen muss. Laghrissi kam gegen Ende der Hinrunde regelmäßig zum Einsatz und konnte sogar bereits ein Tor vorbereiten.
Der Karlsruher Kader ist auf dem Papier nicht schlecht zusammengestellt. Vor allem die Namen Marvin Wanitzek, Louey Ben Farhat und Roko Simic versprechen deutlich mehr als graues Mittelmaß in der zweiten Liga, wenn sie denn fit und in Form wären. Dazu kommt, dass Fabian Schleusener die wohl bislang beste Saison seiner Karriere spielt.
Wenig Grund zur Zuversicht gibt es dagegen bei der Defensive. In Spielen wie gegen Bielefeld (4:0-Niederlage), Hannover 96 (3:0-Niederlage) und Holstein Kiel (3:0-Niederlage) hat man sich viel zu naiv präsentiert. Hier gilt es im Winter personell nachzubessern, denn mit dieser Abwehr wird man im Aufstiegskampf nicht einmal ansatzweise ein Wörtchen mitsprechen dürfen.