Vancouver (dpa/tk) – Am Wochenende wird wieder an der Uhr gedreht: In der Nacht auf Sonntag springt die Zeit um eine Stunde zurück – von Sommer- auf Winterzeit! Über eine Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung wird seit Jahren diskutiert. Aber was soll dann gelten? Und wäre die beliebtere Lösung auch die gesündere?
Würde die halbjährliche Zeitumstellung abgeschafft, würden Umfragen zufolge viele Menschen wegen der langen Sommerabende eine dauerhafte Sommerzeit bevorzugen. Gesünder wäre einer Studie zufolge aber wohl eine permanente Standardzeit, oft Winterzeit genannt. Vor allem das morgendliche Licht sei wichtig, um die innere Uhr, den Schlaf und die Stimmung zu stabilisieren, erläutern die Forschenden im Fachmagazin «Canadian Medical Association Journal».
Ein prominenter Verfechter der dauerhaften Einführung der Sommerzeit ist US-Präsident Donald Trump. Ein von ihm genannter Grund: Golfer sollen länger Sonne zur Verfügung haben.
Das Team von der University of British Columbia in Vancouver in Kanada hatte zahlreiche wissenschaftliche Studien analysiert. «Der Reiz einer dauerhaften Sommerzeit ist leicht nachvollziehbar: Die Menschen schätzen es, wenn es nach Feierabend oder Schulschluss noch länger hell ist», erklärte Mitautor Patrick Baylis. «Diesen Vorteilen am Abend stehen jedoch Erkenntnisse gegenüber, die eine spätere Sonnenzeit mit weniger Schlaf, geringerer Produktivität und schlechteren schulischen Leistungen in Verbindung bringen.»
Morgenlicht helfe, die innere Uhr mit dem 24-Stunden-Tag zu synchronisieren, während abendliches Licht sie nach hinten verschiebe. Eine permanente Sommerzeit hätte im Winter zudem den Nachteil, dass die Wege zur Schule oder zur Arbeit und auch der Beginn der Haupttagesaktivität generell länger im Dunkeln stattfinden würden, argumentieren die Studienautoren.
Dauerhafte Sommerzeit wäre demnach insbesondere für Menschen mit einer Winterdepression als Ausprägung einer saisonal-affektiven Störung gesundheitlich belastend. Schätzungen zufolge betreffe dies ein bis drei Prozent der Kanadier, weitere 15 Prozent erlebten geringere saisonale Veränderungen von Stimmung, Schlaf, Appetit und Energielevel.
Für ihre Analyse zogen die Autoren auch Erfahrungen aus anderen Ländern heran. Die USA führten demnach schon einmal – während der Energiekrise 1974 – eine dauerhafte Sommerzeit ein, nahmen dies aber innerhalb eines Jahres wieder zurück. Als Gründe werden Widerstand gegen dunkle Wintermorgen und Sorgen um Kinder auf dem Schulweg vor Sonnenaufgang genannt. Auch Russland sei nach einer 2011 eingeführten dauerhaften Sommerzeit 2014 wieder davon abkehrt, Chile habe einen entsprechenden Schritt aus dem Jahr 2015 ebenfalls rückgängig gemacht.
Sie brachten eine Idee ins Spiel: Die Zeitumstellung selbst verschieben. Das erste April-Wochenende sei für das Umstellen im Frühjahr besser geeignet als der letzte Sonntag im März, sagen zwei spanische Forscher. Dann würden günstigere morgendliche Lichtverhältnisse für einen guten Start in den Tag erwischt. Aus physiologischer Sicht wäre es zudem sinnvoll, die Sommerzeit in der EU Anfang statt Ende Oktober enden zu lassen.