Pforzheim (dk) – Die Vorfreude ist groß, die Planung läuft auf Hochtouren: In Pforzheim wird auch in diesem Jahr wieder der Christopher Street Day gefeiert und demonstriert. Caleb Davis von Spotlight Pforzheim spricht im Interview über das Programm, die Bedeutung des CSD, die Lage queerer Menschen und die Suche nach Sponsoren.
Caleb Davis arbeitet bei Spotlight Pforzheim und ist dort hauptsächlich für das Projekt Queer Space zuständig. Vor dem CSD ist die Vorfreude nach eigenen Worten „riesengroß“. Gleichzeitig stehe aktuell noch viel Organisatorisches im Vordergrund.
„Gleichzeitig ist die immer noch so ein bisschen zweitrangig, weil die Arbeit und die Planung gerade noch absolut im Vordergrund steht. Das Organisieren, Geld finden, das schwebt noch über allem. Aber die Vorfreude ist auf jeden Fall da und in kurzen Momenten blitzt sie durch und ist sehr groß.“
Beim CSD gehe es laut Caleb Davis um vieles gleichzeitig: um das Feiern queerer Menschen, um bereits erkämpfte Rechte, aber auch um Protest. Gefeiert würden die Existenz queerer Menschen und Errungenschaften, die schon erreicht wurden. Gleichzeitig werde dafür demonstriert, dass noch viel fehle.
Caleb Davis sagt, dass es in manchen Bereichen gefühlt rückwärts gehe. Als Beispiele nennt Caleb Davis unter anderem Fragen rund um Transpersonen, das Selbstbestimmungsgesetz und gleichgeschlechtliche Elternschaft. Auch eine gesellschaftliche Entwicklung nach rechts bereite Sorge.
Aktuell gehe laut Caleb Davis teilweise viel in die falsche Richtung. Gleichzeitig werde aber auch Solidarität sichtbar, die vorher vielleicht nicht so deutlich wahrgenommen worden sei.
„Es ist schade, dass die erst in so schwierigen Zeiten wirklich sichtbar wird. Aber gleichzeitig ist es gut, dass viel gesellschaftliche Solidarität da ist.“
Trotzdem fehlten Stimmen, die sich hörbar für queere Menschen einsetzen. Besonders Transjugendlichen werde häufig nicht zugehört. Caleb Davis beschreibt, dass ihnen oft gesagt werde, sie seien zu jung oder es sei nur eine Phase.
Dagegen brauche es Menschen in privilegierten Positionen, die sich einsetzen: in der Politik, in Rathäusern und in der Gesellschaft.
Beim CSD in Pforzheim soll es wie in den vergangenen Jahren ein großes Fest auf dem Marktplatz geben. Davor ist eine Demo geplant, die wieder am Marktplatz endet.
Auf dem Marktplatz soll es ein Programm mit Tombola, Drag, verschiedenen Redebeiträgen und DJ geben. Außerdem ist in diesem Jahr die Band Strange New Places aus Belfast dabei. Für die Band ist es laut Caleb Davis der erste Auftritt in Deutschland.
Die Feier auf dem Marktplatz geht bis 20 Uhr. Danach soll es mit einer Afterparty in „The Irish Pub“ weitergehen.
Neu ist in diesem Jahr eine Pride Week. Es soll also nicht nur am Samstag den eigentlichen CSD geben, sondern eine ganze Woche Programm.
Geplant sind unter anderem eine Veranstaltung im Stadtarchiv, ein Theaterstück im Theater Pforzheim, ein Beitrag der Stadtbibliothek, ein Vortrag bei Spotlight und zum Abschluss am Sonntag ein queerer Film im Kommunalen Kino.
Caleb Davis sagt dazu: „Erst ab 17:00 glaube ich so, dass alle, die verkatert vom Vorabend sind, auch noch hingehen können.“
Die Stimmung beim CSD beschreibt Caleb Davis als sehr gut. Viele junge Menschen seien aufgeregt und freuten sich, da zu sein und sichtbar sein zu können. Gleichzeitig kämen auch Menschen, die sich informieren möchten.
Trotz der guten Stimmung sei der CSD aber nicht einfach nur eine Feier.
„Das ist einfach eine sehr gute Stimmung. Die Menschen gehen gut miteinander um, sehr solidarisch. Und gleichzeitig ist die Stimmung aber auch kämpferisch, Weil CSD ist nicht Party. CSD ist Protest. Manchmal Protest in Form von Party, aber nicht eine pure Party.“
Das Motto in diesem Jahr lautet: „No pride for some without liberation for all. Ausgrenzung? Nicht mit uns.“
Laut Caleb Davis soll das zeigen, dass die Community zusammengehört. Es gehe darum, gemeinsam zu kämpfen und zusammenzustehen.
„So lange wir nicht alle frei sind, ist niemand frei. Solange eine Gruppe unterdrückt wird, sind wir alle unterdrückt.“
Auch die Finanzierung spielt weiter eine große Rolle. Laut Caleb Davis ist die Suche nach Sponsoren jedes Jahr ein Thema. Eine Sponsoringpartei aus dem vergangenen Jahr sei wieder dabei und unterstütze erneut großzügig. Außerdem gebe es wieder eine Online-Spendenkampagne.
Trotzdem sei der Eindruck, dass es schwieriger werde, Menschen oder Unternehmen zu finden, die den CSD unterstützen möchten.
„Warum können wir gar nicht genau sagen. Liegt es an der wirtschaftlichen Lage? Liegt es eher daran, dass Leute vielleicht Geschäfte mit den USA machen und sagen ‚Wenn ich offen sowas unterstütze, bringt mir das wirtschaftlichen Schaden‘? Wir können es gar nicht einschätzen, aber es scheint dieses Jahr noch schwieriger.“