Chinesischer Konzern plant Übernahme von Volocopter für zehn Millionen Euro

12. März 2025 , 13:09 Uhr

Bruchsal (pm/dk) – Der insolvente Flugtaxi-Hersteller Volocopter steht offenbar vor dem Verkauf an den chinesischen Konzern Wanfeng. Laut einer Börsenmitteilung soll das Unternehmen für zehn Millionen Euro übernommen werden. Der Deal soll über eine eigens gegründete Tochtergesellschaft in Berlin abgewickelt werden, die dem österreichischen Flugzeughersteller Diamond Aircraft zugeordnet ist – eine hundertprozentige Tochter von Wanfeng. Volocopter selbst äußerte sich bislang nicht dazu.

Mitarbeiter freigestellt – ungewisse Zukunft für Belegschaft

Volocopter hatte am 26. Dezember 2024 Insolvenz beantragt, nachdem erneut Finanzierungsprobleme aufgetreten waren. Das Karlsruher Amtsgericht bestellte daraufhin Tobias Wahl von Anchor Rechtsanwälte als vorläufigen Insolvenzverwalter. Anfang März wurde das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet.

Vergangene Woche wurden rund 450 Mitarbeitende über ihre sofortige Freistellung informiert. Nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ sollen etwa 160 Beschäftigte weiterarbeiten, wenn der Verkauf zustande kommt.

Fehlende Zulassung verzögert Markteintritt

Trotz großer Ankündigungen konnte Volocopter bislang keine Musterzulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) für den Passagierbetrieb erhalten. Das Unternehmen hatte im Februar mitgeteilt, 75 Prozent der erforderlichen Audits abgeschlossen zu haben. Während Show-Flüge bereits durchgeführt wurden, unter anderem nahe Schloss Versailles während der Olympischen Spiele in Paris, fehlt die kommerzielle Erlaubnis für den regulären Flugbetrieb.

Vergleich mit Lilium – gesamte Branche kämpft mit Problemen

Der Fall Volocopter erinnert an den bayerischen Flugtaxi-Hersteller Lilium, der kürzlich ebenfalls Insolvenz anmeldete. Auch dort verwaltet ein Anwalt von Anchor Rechtsanwälte das Verfahren. Trotz Investoreninteresse und staatlicher Förderungen haben beide Unternehmen es bislang nicht geschafft, sich wirtschaftlich tragfähig aufzustellen.

Während in Deutschland keine regulären Passagierflüge geplant waren – Volocopter setzte auf Einsätze in Städten wie Rom oder Osaka – wurde eine Kooperation mit der ADAC-Luftrettung gestartet, um mögliche Notfallanwendungen zu testen.

Zukunft ungewiss – Skepsis gegenüber urbaner Luftmobilität

Ob Volocopter mit dem geplanten Verkauf an Wanfeng eine nachhaltige Zukunftsperspektive hat, bleibt offen. Kritiker bezweifeln die Effizienz der Flugtaxis. Eine Analyse des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ergab, dass urbane Luftmobilität kaum Zeitersparnis bringt, während die Kosten und CO₂-Emissionen im Vergleich zu E-Autos steigen.

Für Notfalleinsätze und die Anbindung entlegener Regionen könnten die elektrisch betriebenen Fluggeräte dennoch eine sinnvolle Ergänzung im Mobilitätsmix darstellen. Ob und wie Volocopter künftig in diesem Bereich aktiv sein wird, hängt nun von den Entscheidungen des potenziellen neuen Eigentümers ab.

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