Karlsruhe (dk) - Seit Wochen kommen viele Anwohner rund um den Albtalbahnhof in Karlsruhe nachts kaum noch zur Ruhe. Dabei wohnen sie zwischen Albtalbahnhof, Hauptbahnhof und stark befahrenen Straßen – doch nicht der gewohnte Verkehrslärm ist das Problem. Es ist ein tiefer, dauerhaftes Brummen, das ganze Straßenzüge wachhält.
Thorsten Heberling lebt in der Nähe des Albtalbahnhofs und ist einer von vielen Betroffenen. Ursache des Problems ist nach Angaben der Anwohner ein Rückkühler auf dem Dach eines neuen Gewerbekomplexes in der Victor-Gollancz-Straße. „Seit über einem Jahr leiden wir unter Lärmbelästigung durch einen Rückkühler im Nachbargebäude“, sagt Heberling. Ein Rückkühler sei „wie ein großer Ventilator“, der ein dauerhaftes, niederfrequentes Geräusch verursache. „Es fühlt sich an, oder es hört sich an, als ob ein Helikopter die ganze Zeit über dem Gebäude oder über Ihrem Schlafzimmer oder über Ihrem Kopf schwebt.“
Besonders belastend sei nicht die Lautstärke, sondern die Art des Geräuschs.
„Das Geräusch ist tief. Es ist niederfrequent. Es verursacht Schlafstörungen“, so Heberling. Der Ton sorge dafür, dass der Körper dauerhaft unter Stress stehe: „Sie sind unruhig. Sie werden nervös. Der Blutdruck steigt.“
Schallschutzfenster hielten den normalen Verkehrslärm gut ab – aber nicht diesen Ton. „Diese Schallschutzfenster filtern Schall wunderbar ab, aber eben nicht niederfrequenten Schall. Der dringt durchs Mauerwerk durch.“ Das Problem lasse sich deshalb nicht im eigenen Gebäude lösen, sondern nur an der Quelle.
Betroffen sei längst nicht nur eine einzelne Wohnung. „Betroffen ist ein ganzes Quartier“, erklärt der Anwohner. Menschen aus der Ebertstraße, der Victor-Gollancz-Straße, der Beyerheimer Allee, der Karlstraße, der Hohenzollernstraße und der Breiten Straße hätten sich zusammengeschlossen.
„Es sind ganze Häuserzüge betroffen, die nachts nicht mehr schlafen können“, sagt Heberling. Einige hätten sogar darüber nachgedacht, wegzuziehen: „Einfach unsere Heimat zu verlassen, weil es nicht mehr weitergeht.“
Mittlerweile haben sich 91 Anwohnerinnen und Anwohner mit ihrer Unterschrift zusammengeschlossen. Für Heberling ist klar: Das ist nur ein Teil der Betroffenen. „Es sind wesentlich mehr Anwohner als 91 betroffen“, sagt er. Manche hätten aus Angst vor Konsequenzen durch Arbeitgeber oder Vermieter nicht unterschrieben. Für ihn sei die Zahl dennoch eindeutig: „91 in direkter Umgebung spricht eine deutliche Sprache.“
Der Brummton sei nicht permanent hörbar, sondern trete abhängig von der Temperatur auf.
„Das Geräusch ist seit Dezember 2024“, erklärt Heberling. Es sei immer dann da, wenn es kälter als vier Grad oder heißer als 30 Grad sei. Im vergangenen Winter habe es viele schlaflose Nächte gegeben, im Sommer sei das Problem bei offenen Fenstern besonders schlimm gewesen. „Und seit dem 7. Dezember ist die Anlage wieder an“, sagt Heberling. Insgesamt gebe es drei Rückkühler, verteilt auf mehrere Gebäudeteile.
Das Umweltamt der Stadt Karlsruhe will Messungen durchführen. Genau hier sehen die Anwohner jedoch ein großes Problem. Grundlage ist die sogenannte TA Lärm, die sich auf hörbaren Schall bezieht.
„Das Problem ist, wir haben es hier mit niederfrequentem oder Körperschall zu tun, der eben in der TA Lärm nicht sauber abgebildet wird“, erklärt Heberling. Seine Sorge: „Obwohl sie einen Lärmpegel haben, der vielleicht unterhalb der TA Lärm ist, haben sie am Ende einen Körperschall, der über ihre Knochen in ihren Körper dringt und sie nicht schlafen lässt.“
Wie die Messungen des Umweltamts ausfallen und ob es zu Auflagen für den Betreiber kommt, ist derzeit noch offen. Für die Anwohner rund um den Albtalbahnhof bleibt vorerst vor allem eines: schlaflose Nächte und die Hoffnung auf eine Lösung.