Region (pol/ms) – Eine vermeintlich harmlose Bitte um Unterstützung entwickelt sich zur gefährlichen Betrugsfalle: Kriminelle verschicken derzeit Nachrichten und E-Mails mit Links zu angeblichen Online-Abstimmungen. Das Ziel besteht darin, Zugriff auf das WhatsApp-Konto der Betroffenen zu bekommen und anschließend deren Kontakte zu täuschen.
Die Nachrichten stammen häufig von einem bekannten Kontakt, dessen Account oder E-Mail-Postfach zuvor kompromittiert wurde. Darin sollen die Empfänger beispielsweise für ein Kind, eine Enkelin oder einen Freund bei einem Sport-, Tanz- oder Schulwettbewerb abstimmen. Weil die Bitte von einer vertrauten Person zu kommen scheint und zunächst kein Geld verlangt wird, wirkt sie glaubwürdig.
Der Link führt auf eine professionell gestaltete Internetseite. Dort liegen zwei Teilnehmerinnen oder Teilnehmer oft nur wenige Stimmen auseinander. Diese angeblich knappe Entscheidung soll zusätzlichen Zeitdruck erzeugen.
Nach der Stimmabgabe verlangt die betrügerische Seite eine vermeintliche Verifizierung. Je nach Variante sollen die Betroffenen ihre Telefonnummer und einen zugesandten Code eingeben oder ein weiteres Gerät über WhatsApp verknüpfen. Tatsächlich bestätigen sie damit keine Stimme, sondern ermöglichen den Kriminellen den Zugriff auf ihr WhatsApp-Konto.
Die Polizeiliche Kriminalprävention warnt ausdrücklich: Für eine Online-Abstimmung werden weder ein WhatsApp-Zugang noch ein WhatsApp-Verifizierungscode benötigt.
Ist der Zugriff gelungen, können die Täter im Namen des Opfers Nachrichten verschicken. Häufig bitten sie Freunde oder Familienmitglieder unter einem erfundenen Vorwand um eine schnelle Überweisung. Gleichzeitig wird die angebliche Abstimmung an weitere Kontakte geschickt – und die Betrugsmasche verbreitet sich von Konto zu Konto.
Wie überzeugend die gefälschten Nachrichten wirken können, zeigt die Geschichte unseres Hörers Ralf. Er erhielt nach eigener Aussage eine Nachricht von einem Kollegen, mit dem er normalerweise ausschließlich beruflich zu tun hat. Darin wurde er gebeten, für dessen Enkeltochter bei einem Sportturnier abzustimmen.
Die Geschichte erschien ihm plausibel: Ralf wusste, dass der Kollege tatsächlich eine Enkeltochter hat. Außerdem sollte sie in der angeblichen Abstimmung nur fünf Stimmen hinter der Erstplatzierten liegen. „Und deswegen habe ich da draufgeklickt“, erzählt er.
Auf der verlinkten Seite waren nach seiner Schilderung zwei Mädchen sowie ein Button zur Stimmabgabe zu sehen. „Es ist eine wirklich saubere Oberfläche gewesen. Die sah echt sehr seriös aus“, sagt Ralf. Nachdem er auf den Button gedrückt hatte, sei zunächst scheinbar nichts passiert.
Wenig später bemerkte er jedoch, dass er nicht mehr auf sein WhatsApp-Konto zugreifen konnte. Seine Kinder warnten ihn, dass über seinen Account bereits Nachrichten verschickt würden. Darin wurden seine Kontakte angeblich aufgefordert, 580 Euro zu überweisen. Als Begründung hieß es, Ralf befinde sich beim Zahnarzt und benötige das Geld dringend.
„Es ist der komplett gleiche Text an sämtliche WhatsApp-Kontakte gegangen“, berichtet der Hörer. Glücklicherweise habe niemand Geld überwiesen. Mehrere Kontakte erkannten den Betrugsversuch und meldeten sich direkt bei ihm.
Ralf ließ sein WhatsApp-Konto nach eigener Aussage sperren, suchte einen Mobilfunkladen auf und erstattete bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt. Nach rund 24 Stunden habe er wieder Zugriff auf sein Konto erhalten.
Welche technische Aktion in seinem konkreten Fall die Übernahme ermöglicht hat, lässt sich anhand seiner Schilderung nicht abschließend feststellen. Die dokumentierten Varianten der Masche verlangen üblicherweise zusätzlich zum Öffnen der Seite eine Telefonnummer, einen Anmeldecode, einen QR-Code oder die Bestätigung einer Geräteverknüpfung. Ein bloßer Klick auf einen Link reicht nach den veröffentlichten Beschreibungen normalerweise nicht aus.
Bei unerwarteten Abstimmungsanfragen solltet Ihr die vermeintliche Absenderin oder den Absender über einen anderen bekannten Weg kontaktieren – am besten per Telefon. Gebt niemals einen WhatsApp-Verifizierungscode weiter und scannt keinen QR-Code, wenn Ihr nicht selbst bewusst ein Gerät mit WhatsApp verbinden wollt.
Zusätzlich empfiehlt es sich, in WhatsApp die Zwei-Schritt-Verifizierung einzuschalten und regelmäßig unter „Verknüpfte Geräte“ nachzusehen, ob dort unbekannte Sitzungen auftauchen.
Wurde der Account bereits übernommen, sollten Betroffene: