Bruchsal (pm/dk) – Seit März 2025 gilt in Karlsruhe ein stadtweites Verbot der Straßenprostitution. Die Stadt begründete die Entscheidung mit dem Ziel, Menschenhandel und Zwangsprostitution einzudämmen. Fünf Monate später zeigt sich jedoch: Das Verbot hat die Situation für viele betroffene Frauen nicht verbessert – im Gegenteil.
Nach Inkrafttreten des Karlsruher Verbots wichen zahlreiche Frauen nach Bruchsal aus. Doch auch dort untersagte die Stadt die Straßenprostitution. Einige Frauen arbeiten nun verdeckt oder in anderen Bruchsaler Straßen, wo sie schlechter geschützt sind und kaum Unterstützung finden.
Die Beratungsstelle Luise des Diakonischen Werkes Karlsruhe beschreibt die Folgen deutlich. Gerade in den ersten Monaten des Verbots hätten viele Frauen den Wunsch geäußert wieder in Karlsruhe arbeiten zu dürfen.
Der Umzug nach Bruchsal brachte erhebliche Nachteile: längere Wege, zusätzliche Kosten und schlechtere Arbeitsbedingungen. Weder Mülleimer, Toiletten noch Sitzgelegenheiten standen zur Verfügung. Schutz vor Wind und Wetter fehlte völlig, und die Arbeitsplätze lagen mitten in der Öffentlichkeit – direkt an Restaurants und belebten Straßen. Viele Frauen berichteten, dass sie sich dort schämten.
Die Situation führte zu existenziellen Problemen: Eine Frau mit Kindern verlor ihre Wohnung und wurde zeitweise obdachlos, eine andere gesundheitlich angeschlagene Frau konnte die Fahrten nicht mehr leisten und rutschte in finanzielle Not. Eine weitere Frau wich ins Ausland aus, wo die Arbeitsbedingungen aus Sicht der Beratungsstelle noch bedenklicher sind.
Auch die Arbeit der Beratungsstelle selbst wurde massiv erschwert. Während in Karlsruhe regelmäßig rund 15 Frauen erreicht wurden, konnten die Beraterinnen in Bruchsal nur noch vier bis sieben Frauen regelmäßig treffen. Verdachtsfälle von Menschenhandel, Gewalt oder gesundheitlichen Problemen sind dadurch schwerer erkennbar.
Bereichsleiter David Ostern macht klar: „Ein Verbot allein schützt nicht vor Ausbeutung, Zwang oder Gewalt. Im Gegenteil, es verschärft Risiken und erschwert Hilfsangebote.“ Stattdessen brauche es sichere Arbeitsbedingungen, verlässlichen Zugang zu Beratung und Unterstützung beim Ausstieg.