Karlsruhe (pm/tk) – Karlsruhe galt bis vor kurzem als Baustellen-Hauptstadt Deutschlands. Die Lage hat sich längst gebessert – dennoch wird in diesem Jahr viel angepackt.
„2026 wird verkehrlich für Karlsruhe ein sehr anspruchsvolles Jahr“ unterstreicht Bürgermeister Daniel Fluhrer bei der Vorstellung des Jahresbauprogramms. Insgesamt 627 Maßnahmen, davon rund 400 von verkehrlicher Relevanz, stehen in diesem Jahr auf der Agenda. Dabei gibt es eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen, allen voran, dass sich die Maßnahmen entweder gut ergänzen und bewusst zusammengeführt werden oder sich nicht zeitlich und räumlich überschneiden.
„Ohne die engagierte und versierte Koordination dieser Herausforderung durch unser Baustellenmanagement, wäre die Gesamtlage aussichtslos“, so Fluhrer, „da wir drei großräumliche Schwerpunkte im Westen rund um den Entenfang, im Zentrum um die Reinhold-Frank-Straße/Kriegsstraße und in Durlach so abgestimmt abwickeln müssen, dass die Verkehrsströme zusammenpassen“.
Die große Zahl an Baumaßnahmen, die im Vergleich zum Vorjahr noch einmal leicht angestiegen ist, wertet Heike Weißer, Leiterin des städtischen Tiefbauamts, als Indiz für den anhaltend hohen Unterhaltungsaufwand – „eine Herausforderung, die wir im Blick haben“.
Bei den Großvorhaben auf der Liste für 2026 handle es sich Weißer zufolge zum Teil um bereits angelaufene Maßnahmen, wie beispielsweise die Neugestaltung der Fußgängerzone, die Sanierung des Schlossplatztunnels oder den Umbau der Kriegsstraße. Gleichzeitig hebt die Tiefbauamtsleiterin Bauvorhaben als Gemeinschaftsaufgabe mehrerer Beteiligter hervor: „Wir bündeln die Erneuerung von Versorgungs- und Gleisanlagen mit der Herstellung einer sicheren Radverkehrsführung. Davon profitieren sehr viele Menschen aus unserer Stadt“. Ob Straßen, Rad- und Fußwege, Bahnverbindungen oder Versorgungsnetze – „gut funktionierende Infrastruktur ist das Rückgrat jeder Kommune“, betont Heike Weißer.
Um die dafür verfügbaren Mittel optimal einzusetzen und die Auswirkungen auf den Verkehr möglichst gering zu halten, sei Koordination ein entscheidender Faktor. Wo immer es möglich ist, arbeiten Tiefbauamt, Verkehrsbetriebe und Stadtwerke zusammen. „Dadurch vermeiden wir, dass Bereiche innerhalb kurzer Zeit mehrfach aufgegraben werden“.
Gleichzeitig bedürfe es aber auch neuer Denkansätze. Ein Beispiel hierfür sind die Wartungsarbeiten im Karoline-Luise-Tunnel, die aus Kostengründen erstmals tagsüber stattfinden. Gerade in Zeiten knapper Kassen gewinnt die Akquise von Fördermitteln beim Bauen immer größere Bedeutung. So wird der Umbau des Knotens Kriegs-/ Brauerstraße durch ein Förderprogramm des Landes finanziell unterstützt.
Auch die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) erhalten Zuwendungen vom Bund und vom Land Baden-Württemberg beispielsweise für den barrierefreien Ausbau von fünf Haltestellen in der Waldstadt sowie für Erneuerung und Verlängerung der Turmbergbahn. Darüber hinaus sind die VBK, deren Straßenbahnen jedes Jahr rund acht Millionen Kilometer zurücklegen und mehr als 70 Millionen Fahrgäste befördern, noch an vielen weiteren Stellen im Stadtgebiet tätig. „Wir machen das Karlsruher Schienennetz fit für die Zukunft.“, erklärt Stefan Mayer, der den Unternehmensbereich Infrastruktur bei den VBK leitet.
Dazu zählen unter anderem Erneuerungsarbeiten in der Schillerstraße, in Wolfartsweier und die Fortführung der schon seit 2024 laufenden Baumaßnahmen in Daxlanden. Weitere Baustellenschwerpunkte sind 2026 am Entenfang, wo ab April Schienen und Weichen des Gleisvierecks ausgetauscht werden, und in Durlach. Dort stehen die Gleise am „Stachus“, der großen Kreuzung beim Bahnhof, in der Gymnasiumstraße (B3) und in der Pfinztalstraße zur Erneuerung an.
Neue Wege bei der Finanzierung ihrer Vorhaben geht die Stadtwerke Karlsruhe Netzservice GmbH gemeinsam mit ihrer Muttergesellschaft, der Stadtwerke Karlsruhe GmbH. Im November vergangenen Jahres hatte das Unternehmen die langfristige Finanzierung über ein Förderdarlehen der Europäischen Investitionsbank in Höhe von bis zu 270 Millionen abgesichert. Dieses Darlehen bildet eine zentrale Grundlage für den weiteren Ausbau der Energieinfrastruktur.
Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen hierbei der Wechsel von Niederspannungsfreileitungen auf leistungsfähige Erdkabel, die straßenzugweise Neuverlegung von Fernwärmeleitungen inklusive Hausanschlüsse sowie der abschnittsweise Austausch von Trinkwasserleitungen. In diesem Zuge werden – wo technisch notwendig – auch Gasleitungen erneuert, um die Betriebssicherheit der bestehenden Erdgasinfrastruktur weiterhin zu gewährleisten.
„Unser Ziel ist es, die Netzinfrastruktur Schritt für Schritt so auszubauen, dass sie den Anforderungen der Energieversorgung von morgen standhält. Jede Baustelle ist dabei ein Beitrag zur Energiewende und zur Versorgungssicherheit in Karlsruhe. Gemeinsam können wir so dazu beitragen, Karlsruhe bis 2040 klimaneutral zu machen“, so Stephan Bornhöft, Geschäftsführer der Stadtwerke Karlsruhe Netzservice GmbH.
Begleitet werden die Bauprojekte von der Informationskampagne „Zukunftsbaustein“, die die Stadt, die Stadtwerke Karlsruhe GmbH und die Stadtwerke Karlsruhe Netzservice GmbH gemeinsam ins Leben gerufen haben. Ziel der Kampagne ist es, Bürgerinnen und Bürger frühzeitig und transparent über anstehende Baumaßnahmen zu informieren und aufzuzeigen, dass die Baumaßnahmen Teil der Energie- und Wärmewende sind.