Bahn bleibt auf Mehrkosten von Stuttgart 21 sitzen – Gericht bestätigt Urteil

05. August 2025 , 14:16 Uhr

Baden-Württemberg (pm/dk) – Die Deutsche Bahn muss die Milliardenmehrkosten für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 alleine tragen. Das hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH) in Mannheim entschieden und damit einen Berufungsantrag der Bahn endgültig abgelehnt. Eine gerichtliche Beteiligung der Projektpartner an den gestiegenen Ausgaben ist somit ausgeschlossen – das Urteil ist rechtskräftig.

Gericht sieht keine Zweifel am Stuttgarter Urteil

Bereits im Mai 2023 hatte das Verwaltungsgericht Stuttgart entschieden, dass das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart sowie der Flughafen Stuttgart nicht verpflichtet sind, sich an den Mehrkosten zu beteiligen. Die Bahn hatte dagegen Rechtsmittel eingelegt. Der VGH jedoch wies diese zurück: Es gebe keine ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit des Urteils, erklärte das Gericht. Ein Gang vor das Bundesverfassungsgericht ist zwar theoretisch möglich, gilt aber als wenig aussichtsreich.

Mehrkosten in Milliardenhöhe

Für die Bahn bedeutet das: Die im Finanzierungsvertrag von 2009 vereinbarten rund 4,5 Milliarden Euro sind gedeckelt – die darüber hinausgehenden Mehrkosten, die sich derzeit auf mindestens 6,5 Milliarden Euro belaufen, bleiben beim Konzern hängen. Insgesamt rechnet die Bahn mit über 11 Milliarden Euro Gesamtkosten für Stuttgart 21, hinzu kommt ein Puffer von weiteren 500 Millionen Euro.

Streitpunkt: Die „Sprechklausel“

Im Zentrum des Rechtsstreits stand die sogenannte „Sprechklausel“ im Finanzierungsvertrag. Diese sah bei weiteren Kostensteigerungen lediglich Gespräche zwischen Bahn und Land vor. Die Bahn hatte darin eine Grundlage für eine mögliche Anpassung der Finanzierung gesehen. Das Gericht wertete dies jedoch anders: Die Klausel verpflichte ausschließlich zu Gesprächen, nicht aber zu einer neuen finanziellen Beteiligung der Partner.

Hintergrund zu Stuttgart 21

Stuttgart 21 umfasst den Bau eines neuen unterirdischen Hauptbahnhofs in Stuttgart sowie die Neuordnung des Bahnknotens. Neben zahlreichen Tunnel- und Brückenbauten gehört auch ein neuer Fernbahnhof am Flughafen dazu. Das Projekt wird seit 2010 gebaut. Die Inbetriebnahme wurde mehrfach verschoben und ist derzeit schrittweise ab Ende 2026 geplant.

Anzeige
Baden-Württemberg Bahnprojekt Deutsche Bahn Finanzierung Gerichtsurteil Infrastruktur Mehrkosten Stuttgart 21 Tiefbahnhof Verwaltungsgerichtshof

Das könnte Dich auch interessieren

19.11.2025 Stuttgart 21: Teileröffnung Ende 2026 wohl geplatzt Stuttgart (dpa/dk) - Rund um das Großprojekt Stuttgart 21 wird es weiterhin nicht ruhig. Wenige Monate vor der zuletzt angekündigten Teileröffnung deutet nun vieles darauf hin, dass auch dieses Datum nicht zu halten ist. Für Fahrgäste bedeutet das: Der neue Tiefbahnhof bleibt vorerst weiterhin außer Reichweite. 05.01.2026 Große Bahn-Baustellen 2026: Pendler in Baden-Württemberg brauchen Geduld Baden-Württemberg (dpa/dk) - Ob auf dem Weg zur Arbeit oder in den Urlaub: Bahnreisende in Baden-Württemberg müssen sich 2026 auf zahlreiche Einschränkungen einstellen. Sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr stehen umfangreiche Bauarbeiten an. Die Folge sind Streckensperrungen, Ersatzverkehr, Umleitungen und Fahrplanänderungen. Hier findet Ihr die wichtigsten Bahn-Baustellen im Überblick. 02.01.2026 Das wird 2026 in Baden-Württemberg wichtig Baden-Württemberg (pm/dk) - Ein Wahljahr, ein Festspielsommer, große Projekte und besondere Premieren: 2026 steht in Baden-Württemberg viel an. Politisch wird es spannend, kulturell vielfältig – nur für Bahnfahrende bleibt es wohl weiter anstrengend. Ein Überblick über die wichtigsten Themen. 15.12.2025 Bahn will bis Mitte 2026 neuen Starttermin für Stuttgart 21 Stuttgart (dpa/svs) -Für die Fahrgäste heißt es weiter warten: Erst Mitte kommenden Jahres soll es ein neues Startdatum für Stuttgart 21 geben. Warum die Bahn sich jetzt Zeit lassen will.