Baden-Württemberg bei Hausärzten fast Schlusslicht

12. März 2026 , 14:35 Uhr

Baden-Württemberg (dpa/dk) – In Baden-Württemberg kommen deutlich weniger Hausärzte auf die Bevölkerung als in fast allen anderen Teilen Deutschlands. Neue Zahlen zeigen: Der Südwesten liegt bundesweit auf dem vorletzten Platz. Und die Lage könnte sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen.

Weniger Hausärzte als fast überall sonst

Ende vergangenen Jahres kamen in Baden-Württemberg nach Daten des Bundesarztregisters 63,7 Hausärzte auf 100.000 Einwohner. Weniger gibt es demnach nur im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.

Am besten ist die Versorgung laut Auswertung in Mecklenburg-Vorpommern. Dort kommen 76,8 Hausärzte auf 100.000 Menschen.

Viele Hausärzte sind bereits über 65

Auch mit Blick auf die kommenden Jahre ist die Entwicklung aus Sicht der Auswertung problematisch. 17,7 Prozent aller Hausärzte in Baden-Württemberg sind bereits älter als 65 Jahre.

Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister, sagte: „Die Abgangsraten durch die Babyboomer werden zukünftig noch weiter steigen. Deshalb brauchen wir dringend Strukturreformen – unter anderem etwa weniger Bürokratie und eine bessere Patientensteuerung.“

Schon jetzt fehlen rund 1.000 Hausärzte

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung fehlen in Baden-Württemberg schon jetzt rund 1.000 Hausärztinnen und Hausärzte.

Die Landesregierung versucht gegenzusteuern. Sie setzt seit einigen Jahren auf die sogenannte Landarztquote. Dabei werden pro Jahr 75 Medizinstudienplätze an Bewerberinnen und Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach dem Studium für einige Zeit in einem Mangelgebiet zu arbeiten.

Lucha fordert bessere Steuerung und weniger Bürokratie

Gesundheitsminister Manne Lucha betonte, entscheidend sei nicht nur die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, sondern auch die Zeit, die für Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehe.

Diese könne nach seinen Angaben durch eine gezielte Patientensteuerung, die Übertragung bestimmter Aufgaben an neue Berufsbilder und den Abbau von Bürokratie gesteigert werden. Außerdem setze sich das Land seit längerem für eine Reform der Bedarfsplanung auf Bundesebene ein.

Heidelberg und Freiburg bei Arztdichte vorne

Auffällig ist: In Baden-Württemberg liegen zugleich auch die beiden Städte mit der höchsten Dichte an niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten in ganz Deutschland.

Bundesweiter Spitzenreiter ist der Stadtkreis Heidelberg mit 434,7 niedergelassenen Medizinern je 100.000 Einwohner. Dahinter folgt Freiburg mit 420,7 Ärzten je 100.000 Einwohner.

Anzeige
Arztdichte Ärztemangel Baden-Württemberg Bundesarztregister Freiburg Hausärzte Hausärztemangel Heidelberg Kassenärztliche Vereinigung Landarztquote Manne Lucha medizinische Versorgung

Das könnte Dich auch interessieren

29.10.2025 Weniger Babys im Südwesten: Geburtenrate in Baden-Württemberg sinkt weiter Baden-Württemberg (pm/dk) – In Baden-Württemberg kommen immer weniger Kinder zur Welt. 2024 wurden rund 97.500 Babys geboren, etwa 900 weniger als im Jahr zuvor. Die Geburtenrate lag im Südwesten bei 1,39 Kindern pro Frau – und damit leicht unter dem Vorjahreswert. 17.02.2026 Besuchszahlen bei den Staatlichen Schlösser und Gärten auch 2025 auf Rekordniveau Baden-Württemberg (pm/tk) - Die Staatlichen Schlösser und Gärten haben im vergangenen Jahr rund vier Millionen Besucher verzeichnet - fast das Rekordniveau von 2024. 03.02.2026 Anklage nach Missbrauch von Sechsjähriger aus Rulantica-Bad Freiburg (dpa/tk) - Ein junges Mädchen wird im Sommer aus dem Erlebnisbad beim Europa-Park mitgenommen. Nun wurde Anklage gegen den Tatverdächtigen erhoben. 02.10.2025 Brand in Freiburger Industriegebiet – 75 Millionen Schaden Freiburg (er24/tk) - Mit einem Großaufgebot kämpft die Feuerwehr in Freiburg-Hochdorf gegen einen Brand im Industriegebiet. Der Schaden wird auf 75 Millionen Euro geschätzt.