Baden-Württemberg (dpa/dk) – In Baden-Württemberg kommen deutlich weniger Hausärzte auf die Bevölkerung als in fast allen anderen Teilen Deutschlands. Neue Zahlen zeigen: Der Südwesten liegt bundesweit auf dem vorletzten Platz. Und die Lage könnte sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen.
Ende vergangenen Jahres kamen in Baden-Württemberg nach Daten des Bundesarztregisters 63,7 Hausärzte auf 100.000 Einwohner. Weniger gibt es demnach nur im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.
Am besten ist die Versorgung laut Auswertung in Mecklenburg-Vorpommern. Dort kommen 76,8 Hausärzte auf 100.000 Menschen.
Auch mit Blick auf die kommenden Jahre ist die Entwicklung aus Sicht der Auswertung problematisch. 17,7 Prozent aller Hausärzte in Baden-Württemberg sind bereits älter als 65 Jahre.
Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister, sagte: „Die Abgangsraten durch die Babyboomer werden zukünftig noch weiter steigen. Deshalb brauchen wir dringend Strukturreformen – unter anderem etwa weniger Bürokratie und eine bessere Patientensteuerung.“
Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung fehlen in Baden-Württemberg schon jetzt rund 1.000 Hausärztinnen und Hausärzte.
Die Landesregierung versucht gegenzusteuern. Sie setzt seit einigen Jahren auf die sogenannte Landarztquote. Dabei werden pro Jahr 75 Medizinstudienplätze an Bewerberinnen und Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach dem Studium für einige Zeit in einem Mangelgebiet zu arbeiten.
Gesundheitsminister Manne Lucha betonte, entscheidend sei nicht nur die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, sondern auch die Zeit, die für Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehe.
Diese könne nach seinen Angaben durch eine gezielte Patientensteuerung, die Übertragung bestimmter Aufgaben an neue Berufsbilder und den Abbau von Bürokratie gesteigert werden. Außerdem setze sich das Land seit längerem für eine Reform der Bedarfsplanung auf Bundesebene ein.
Auffällig ist: In Baden-Württemberg liegen zugleich auch die beiden Städte mit der höchsten Dichte an niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten in ganz Deutschland.
Bundesweiter Spitzenreiter ist der Stadtkreis Heidelberg mit 434,7 niedergelassenen Medizinern je 100.000 Einwohner. Dahinter folgt Freiburg mit 420,7 Ärzten je 100.000 Einwohner.